5 FANBOOST-Gewinner & biometrische Handschuhe: FIA finalisiert neues Formel-E-Reglement

Gerade einmal zehn Tage vor dem Formel-E-Saisonauftakt 2018 hat die FIA bei einem Treffen des Welt-Motorsport-Rates (WMSC) in St. Petersburg das Regelwerk der Elektroserie finalisiert. Die Last-Minute-Anpassungen am Reglement betreffen unter anderem den FANBOOST und den Attack-Mode, der in knapp zwei Wochen im saudi-arabischen Diriyya seine Premiere feiern wird.

Die wohl wichtigste Anpassung: Fortan werden ganze fünf Fahrer pro Rennen in den Genuss des FANBOOST kommen. Der Zusatz-Schub von bis zu 25 kW stand in den ersten vier Jahren der Elektroserie ausschließlich jenen drei Piloten, die bei einem Online-Voting die meisten Stimmen von Fans abgestaubt hatten, zur Verfügung. Das interaktive Voting via Formel-E-Webseite, -App und den Kurznachrichtendienst Twitter soll beibehalten werden, jedoch um einen Tag auf sechs Tage verkürzt werden.

Der Energie-Boost von 100 kJ wird den Siegern trotz der Umstellung von Runden- auf Zeitrennen weiterhin erst in der zweiten Hälfte des Rennens, also nach Minute 22, zur Verfügung stehen. Ob die Effektivität des Boosts durch das Batterie-Management-System von Akkuhersteller McLaren Advanced Technologies (MAT) eingeschränkt sein könnte, ist derzeit nur schwer abzusehen. Beim McLaren-Vorgänger Williams Advanced Engineering (WAE) blockierte das BMS die Nutzung von höheren Motorleistungen, wenn der Ladezustand weniger als 50 Prozent betrug.

Neuer Zugang für Rookie-Tests

Der Zugang zur Formel E für Nachwuchs-Testfahrer wird indes erleichtert. Fortan braucht ein "Rookie" eine internationale C-Lizenz, um an offiziellen Testsitzungen teilnehmen zu dürfen. Die FIA kann in Ausnahmefällen allerdings auch ohne die Lizenz einzelne Fahrer zu den Tests zulassen. Testtage sind im Verlauf der kommenden Saison in Saudi-Arabien, Marokko und Mexiko geplant.

Und auch das Rennen selbst bekommt eine neue Regel aufgesetzt: Wird ein E-Prix abgebrochen und nicht wieder neu gestartet, vergibt die Formel E in der neuen Saison bei weniger als zwei gefahrenen Runden keine Punkte. Halbe Zähler gibt es in einem Fenster zwischen mehr als zwei Runden und weniger als 75 Prozent der ursprünglichen Renndistanz. Im Klartext bedeutet das: Lief das Rennen bei Abbruch weniger als 34 Minuten, vergibt der Veranstalter lediglich die Hälfte der Punkte. Erst bei über 75 Prozent der eingeplanten Renndistanz wird es volle Zähler geben.

Teams blockieren "Mission Control"-Verbot

Wie 'e-racing365' und 'Autosport' zudem berichten, ist ein geplantes Verbot zur Einführung von sogenannten "Mission-Control-Zentren" kurzfristig von den Teams blockiert worden. Ursprünglich war im Regelwerk angedacht, den Transfer von Fahrzeugdaten an Teammitarbeiter "außerhalb der Rennstrecke" zu verbieten. Drei der elf Teams hätten die Regeländerung einem Bericht zufolge allerdings blockiert, was hinter den Kulissen der Formel E derzeit offenbar für politische Intrigen sorgt. Der Passus hätte teure Datenauswertungen in den Werken der Teams verboten, wurde in St. Petersburg aber nicht ins Regelwerk aufgenommen. Für die fünfte Saison werden Einsatzzentren, wie sie beispielsweise von Mercedes aus der Formel 1 bekannt sind, also weiterhin erlaubt sein.

Alle weiteren beschlossenen Änderungen aus Russland in Kurzform:

  • Die FIA bringt ab sofort nachts Überwachungskameras in den Garagen an, um sicherzustellen, dass die Nachtruhe von den Teams eingehalten wird.
  • Der Einsatz des Attack-Mode wird in den ersten zwei Runden eines E-Prix verboten sein.
  • In der Formel E werden fortan biometrische Handschuhe zum Einsatz kommen. In den Handschuhen sind Sensoren eingebaut, die Daten zur Puls-Oxymetrie und andere Werte zur Vitalität der Piloten sammeln.
  • Fahrer dürfen ein "Visier-Verstärkungs-Panel" an ihre Helme anbringen, wie es in der Formel 1 seit 2011 in Gebrauch ist. Die Panels am oberen Teil des Visiers bieten nicht nur zusätzlichen Schutz für die Piloten, sondern Sponsoren auch zusätzliche Werbeflächen. Die FIA muss die neuen Helme allerdings absegnen.
  • Nach dem Ende einer Qualifying-Session müssen die Fahrer ihre Autos fortan nicht mehr in einer markierten Zone abstellen, sondern in ihren Garagen. Dort treten dann die gewohnten Parc-Ferme-Bedingungen in Kraft.
  • Die Fahrer müssen den Attack-Mode verpflichtend im Rennen einsetzen. Die bisherige Version des Regelwerks hatte noch ein Schlupfloch beinhaltet, durch das der Modus nicht hätte eingesetzt werden müssen. Außerdem werden die streckenspezifischen Details zum Einsatz des Attack-Mode (wie oft, wie lang) erst eine Stunde vor Rennbeginn bekanntgegeben.
  • Teammitarbeiter müssen sich in der Boxengasse mit einem sichtbaren Pass ausweisen können, ähnlich wie Journalisten oder Fernsehteams auch.
von Tobias Bluhm 

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