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Audi-Teamchef Allan McNish lehnte Formel-E-Cockpit ab

Seit rund zweieinhalb Jahren ist Allan McNish Teamchef beim deutschen Formel-E-Team Audi Sport ABT Schaeffler. Vor der ersten Saison 2014/15 hatte der ehemalige Rennfahrer allerdings auch selbst die Chance auf ein Cockpit, wie er nun verriet - lehnte jedoch ab. Seine damalige Skepsis hat sich inzwischen gewandelt.

"Als ich mich 2013 aus dem Rennsport zurückzog, wurde ich gefragt, ob ich daran interessiert sei, in der Formel E zu fahren", erinnert sich McNish an das Jahr, bevor die Elektroserie ihre Erfolgsstory zu schreiben begann. Der damals 43-Jährige lehnte jedoch bekanntermaßen ab. "Abgesehen davon, dass ich meine Entscheidung (die aktive Motorsport-Karriere zu beenden) getroffen hatte, war ich skeptisch, denn ich habe viele neue Meisterschaften kommen und gehen sehen", erklärt er.

Was McNish bis zu jenem Zeitpunkt allerdings noch nicht gesehen hatte, seien die Dynamik und die Start-up-Mentalität der Formel E gewesen. "Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie sie in der Lage sind, mit all den Anforderungen umzugehen, die die Hersteller und die Rennen in den Stadtzentren mit sich bringen, und wie sie dieses starke Fahrer-Line-up zusammenstellen."

Diese Tatsache beeindruckt McNish vor allem vor dem Hintergrund, dass die Formel E anfangs nur wenig Lockmittel für Topfahrer und Spitzenteams hatte. Dennoch schrieben sich gleich zu Beginn einige Hochkaräter ein - Piquet, Buemi, Heidfeld und Co. bei den Fahrern, Audi, Renault, Andretti und andere auf Seiten der Hersteller beziehungsweise Teams.

"Und man muss immer daran denken: Wir sind keine etablierte Motorsport-Kategorie mit jahrzehntelanger Geschichte, wie einige der anderen, mit denen wir manchmal verglichen werden", unterstreicht McNish. "Wir sind ein sechsjähriges Kind, das gerade erst zur Schule geht. Ich bin gespannt, wie es sich entwickelt - und auch, wie wir als Audi uns mit entwickeln."

McNish: "Der Blick zurück hilft nicht viel"

Nachdem McNish bei Audi Sport ABT Schaeffler Ende 2017 das Zepter in die Hand nahm, gewann der bayrische Rennstall auf Anhieb die Teammeisterschaft in Saison 4. Im darauffolgenden Jahr holte Audi den Vizetitel. Insgesamt stehen für McNish bislang sechs Formel-E-Rennsiege zu Buche - vier davon durch Lucas di Grassi, zwei durch Daniel Abt. In seiner dritten Saison, die aktuell läuft beziehungsweise auf Eis liegt, blieben größere Erfolge bislang aus: Ein zweiter Platz von di Grassi in Saudi-Arabien war bislang das einzige Highlight.

Auf seinen Erfolgen der ersten zwei Jahre will sich McNish dennoch nicht ausruhen: "Ich habe als Fahrer nie wirklich in den Rückspiegel geschaut, und ich glaube immer noch, dass der Blick zurück nicht viel hilft", meint der Schotte.

Diese Eigenschaft hilft ihm gerade in der Formel E weiter. "Ich habe mich schon immer für neue Technologien interessiert und wollte immer wissen, welche neuen Dinge ich in meinem Auto haben könnte, um Rennen zu gewinnen. Also, als es um Elektroautos ging: Ja, es war ein neues Auto, ein neuer Rennstil und neue Tools, die zur Verfügung standen, aber das Konzept ist immer noch dasselbe: Man muss alle anderen schlagen, um zu gewinnen", so McNish.

Inzwischen ist er vollends in der Formel E angekommen. Dennoch erinnert er sich mit einem Schmunzeln an sein erstes Rennen vor Ort zurück: "Ich kann mich definitiv an einen lustigen Moment erinnern, als ich in der dritten Saison mein erstes Rennen als Gast in Hongkong besuchte. Ich habe im Cateringzelt Tee getrunken und fast das gesamte Training verpasst, weil ich die Autos nicht hörte. Aber von diesem Moment an war es ganz einfach, sich an die Formel E zu gewöhnen."

Foto: Audi Communications

von Timo Pape  

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