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Bestätigt: Audi-DTM-Pilot Rene Rast erhält Formel-E-Test am Lausitzring

Der zweimalige DTM-Champion Rene Rast bekommt bereits in wenigen Wochen seinen ersten Formel-E-Test im Elektro-Rennwagen von Audi. Da bestätige ein Sprecher des Ingolstädter Herstellers am Montag gegenüber 'e-Formel.de'. Rast wird demnach Anfang Juli am Lausitzring die Gelegenheit erhalten, sein Können unter Beweis zu stellen.

Rast wird als einer der Topfavoriten für das vakante Audi-Cockpit gehandelt, das Daniel Abt nach seiner Suspendierung hinterlassen hat. "Als zweimaliger DTM-Meister ist Rene natürlich eine Option für uns", bestätigt Audi, räumt jedoch auch ein, dass es noch weitere Fahrer gebe, die sich Hoffnungen auf den freien Platz machen dürfen. So zum Beispiel Nico Müller.

Während andere Hersteller bereits im Juni mit ihrem Testprogramm für Saison 7 starteten, legt Audi erst Anfang Juli los. Derzeit ist allerdings noch unklar, ob die Bayern in der kommenden Saison mit einem überarbeiteten Antriebsstrang aus Saison 6 antreten werden oder bereits eine vollständige Neuentwicklung homologieren lassen, mit der sie dann zwei Saisons bestreiten würden. Diese Entscheidung steht jedem Hersteller als Konsequenz einer allgemeinen Kostenreduktion frei.

Audi gesteht ein, dass der aktuelle e-tron FE06 zwar gut sei, nicht aber überlegen. Vor diesem Hintergrund stelle sich die schwierige Frage, ob das Team entweder die angeblich bekannten Schwachstellen adressiert und für Saison 7 verbessert. Oder ob man volles Risiko geht und auf einen neuen Antrieb setzt, an den Audi dann allerdings bis Mitte 2022 gebunden wäre. Die Entscheidung dürfte auch von den Erfahrungen der ersten Testtage auf der Strecke abhängen.

Chancen auf Verbleib von Lucas di Grassi bei Audi steigen

In der Lausitz wird neben Rast auch Lucas di Grassi zum Einsatz kommen, wodurch sich die Chancen auf einen Teamwechsel des Brasilianers verringern. Di Grassis Vertrag läuft zum Ender der aktuellen Saison aus, wie er uns gegenüber kurz vor der Corona-Pause verriet.

"Mein Plan A ist es natürlich, bei Audi zu bleiben. Allerdings gibt es auch eine Menge anderer guter Teams da draußen", erklärte di Grassi damals. Offenbar ist es Plan A geworden, denn der 35-Jährige wird spätestens beim Test detaillierte Einblicke in die Saison-7-Entwicklung von Audi erhalten. Somit ist es wahrscheinlich, dass der Meister von 2017 auch im siebten Jahr in Folge die "Vier Ringe" auf der Brust tragen wird.

Rast-Zukunft hängt auch vom Rennkalender-Update ab

Bedeutet Audis Entscheidung, Rast beim ersten Test einzusetzen, dass der Deutsche automatisch auch die übrigen Rennen der aktuellen Saison sowie das kommende Meisterschaftsjahr bestreiten wird? Nein - zumindest erst einmal nicht. Nach unseren Informationen hängt die Fahrerauswahl auch vom überarbeiteten Formel-E-Rennkalender ab, der im Rahmen des Weltmotorsportrat-Treffens am 19. Juni vorgestellt werden soll.

Aktuell plant die Formel E für Anfang August mit mehreren Rennen in Berlin, um die Saison abzuschließen. Sofern es keine Überschneidungen mit dem DTM-Kalender gäbe - potenzielle Konflikttermine wären das Wochenende des 1. August in Spa-Franchorchamps sowie das Wochenende des 14. August am Lausitzring -, ist es sehr wahrscheinlich, dass Rast die übrigen Rennen der sechsten Saison bestreiten wird.

"Solange es keinen offiziellen Formel-E-Kalender gibt, können wir nicht wirklich planen, ob ich in der Formel E fahre oder nicht", wird Rast von 'Motorsport.com' zitiert. "Sollten sich die Kalender von DTM und Formel E überschneiden, kann ich nicht Formel E fahren, weil die DTM aktuell meine Priorität ist. Es hängt alles vom Kalender ab."

Rast "definitiv interessiert daran, in der Formel E zu fahren"

"Ich wäre aber definitiv interessiert daran, in der Formel E zu fahren", stellt der 33-Jährige klar. "Sie ist eine der besten Meisterschaften da draußen und durch den Audi-DTM-Ausstieg wäre sie im Grunde die einzige Option für mich, einen Werkseinsatz mit Audi zu bestreiten."

Sowohl Müller als auch Robin Frijns, dem als Audi-DTM-Pilot mit viel Formel-E-Erfahrung ebenfalls Außenseiterchancen zugesprochen werden, haben eigene Verpflichtungen bei ihren aktuellen Formel-E-Teams Dragon beziehungsweise Virgin. "Ich denke, ich bin für diese Saison an die DTM gebunden, das ist meine erste Priorität", sagt Müller im selben Artikel. "Und Prio 2 ist für mich natürlich mein Vertrag mit Dragon, der für die ganze Saison gültig ist. Ich sehe aktuell also keine Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Wir haben erst einmal einen Job zu erledigen, dann sehen wir weiter, was geht."

Nach unserem Verständnis wird derjenige, der die laufende Saison für Audi beenden wird, auch die besten Karten auf das Stammcockpit in Saison 7 haben. Das Pendel schlägt mehr und mehr in Richtung Rast aus - sofern es der Rennkalender der Formel E zulässt.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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