Bruno-Spengler-Formula-E-Test

BMW-Testpilot Bruno Spengler im Formel-E-Interview: "Wenn es die Möglichkeit gibt…"

BMW-Werkspilot Bruno Spengler hatte die ehrenvolle Aufgabe, den neuen BMW iFE.18 beim gemeinsamen Formel-E-Test in Calafat auszuführen. Der DTM-Champion von 2012 hatte bereits am 14. Januar 2018 erste Formel-E-Luft geschnuppert, als er den Rookie-Test für das Andretti-Team in Marrakesch bestritt. Nun ist Spengler Testpilot des ersten vollelektrischen Rennwagens von BMW, der ab Saison 5 den Werkseinstieg der Münchner markiert. Am Wochenende bestreitet der 34-Jährige für BMW den DTM-Saisonauftakt in Hockenheim. 15 DTM-Siege gehen bislang auf das Konto des erfahrenen Kanadiers, der sich von der Formel E ganz begeistert zeigt.

Im exklusiven Interview mit 'e-Formel.de' spricht Spengler über die Unterschiede der beiden Fahrzeug-Generationen. Zudem verrät er, ob für ihn ein Formel-E-Einstieg in Betracht käme und welche Ideen der Elektroserie der DTM guttäten.

Bruno, wie siehst du die Formel E?

Ich habe mich riesig gefreut, als ich den Rookie-Test in Marrakesch bestreiten durfte. Es war für mich ein sehr interessantes Thema. Ich habe mir die Rennen am Fernseher angesehen und fand sie sehr spannend. Da passiert ja relativ viel im Rennen, es ist eine andere Form von Racing. Die Formel E macht mich sehr neugierig.

Wie hast du den Test empfunden?

Es ist schon etwas Besonderes, als erster Fahrer mit einem ganz neuen Auto, dem BMW iFE.18 auf die Strecke zu gehen. Es ist aber auch eine große Herausforderung. Ich habe mich riesig gefreut, beim ersten Test des neuen Autos dabei zu sein, mit den Ingenieuren zusammenzuarbeiten und meine Eindrücke zu schildern, was man machen kann. Ende 2011/Anfang 2012 war die Entwicklung des neuen BMW-DTM-Autos etwas Ähnliches. Als Rennfahrer ein neues Auto mit zu entwickeln, ist immer etwas ganz Besonderes.

Kannst du uns die Unterschiede zwischen dem aktuellen und dem neuen Formel-E-Boliden der zweiten Generation erklären?

Die Unterschiede der beiden Formel-E-Autos sind nicht so riesig. Was man merkt, ist die Power. Das neue Auto hat einfach mehr Power. Es wird deutlich schneller sein, besonders beim Drehmoment entfaltet es mehr Kraft. Die Unterschiede im Fahrverhalten sind nicht so enorm. Das Gen-2-Auto hat einen Tick mehr Aerodynamik als das aktuelle Auto. Aber das ist ganz schwer zu unterscheiden, da das Niveau der Aerodynamik in der Formel E ziemlich niedrig ist. Man muss beim Gen-2-Auto ebenfalls darauf achten, sparsam mit der Energie umzugehen. Das ist Teil der Formel E, und es wird noch ein sehr interessantes Thema.

Wird man mit dem neuen Auto noch stärker darauf achten müssen, keine Fehler zu begehen, um nicht abzufliegen?

Klar, mit mehr Power ist auch die Gefahr größer abzufliegen. Meine Erfahrung in der Formel E ist relativ klein, aber vom Gefühl her ist die Power zwar mehr, aber nicht so wahnsinnig viel mehr, dass gleich alle Rennstrecken geändert werden müssen. Man wird mit dem Auto einfach schneller in der Kurve angekommen, das ist für uns Fahrer ein geiles Thema. Marrakesch würde zum Beispiel kein Problem mit dem neuen Auto darstellen, andere Strecken bin ich nicht gefahren. Daher wäre diese Frage für die Fahrer interessanter, die schon länger in der Formel E unterwegs sind.

Wie gefällt dir das neue Auto?

Der Look des neuen Autos gefällt mir sehr gut. Auf den Bildern sieht das Gen-2-Auto schon klasse aus, und wenn man selbst im Cockpit sitzt, dann merkst du, dass du in einem starken Auto sitzt. Es ist eine Mischung aus Formel-E- und GT-Auto für die Zukunft. Es ist ein Batmobil, aggressiv, ein komplett neuer Look. Man gewöhnt sich sehr schnell daran. Das neue Auto gefällt mir ehrlich gut.

Und wie empfandst du das Halo-System beim Fahren?

Als ich die ersten Bilder sah und das Halo auch in der Formel 1 im TV zu Gesicht bekam, dachte ich mir, das stört bestimmt ein bisschen. Aber wenn du fährst, stört es ehrlich gesagt überhaupt nicht. Als Fahrer guckst du selten wirklich geradeaus, du schaust immer ein bisschen nach links oder nach rechts, wo die nächste Kurve kommt. Das Halo siehst du daher kaum, es sitzt ja nur in der Mitte. Du schaust immer im Winkel, du antizipierst die Kurven, daher stört es nicht wirklich.

Falls du ein Angebot von BMW oder einem anderen Hersteller für ein Cockpit in der Formel E bekämst, würdest du es annehmen?

Ehrlich gesagt ist die Formel E für uns als Fahrer ein sehr interessantes Thema, wenn man sich nur anschaut, wie sich die Formel E in den letzten Jahren entwickelt hat. Wenn es die Möglichkeit gibt, würde ich mir das sehr gut überlegen. Gleichzeitig bin ich sehr auf die DTM fokussiert und begeistert von der Serie. Ich bin jetzt das 14. Jahr in der DTM, fühle mich aber so, als wenn es das erste Jahr wäre. Die Nervosität ist da, die Lust ist da, und die DTM gefällt mir wirklich sehr gut. Ich habe da viel Spaß. Die Autos machen mega Spaß, und mit BMW in der DTM zu fahren, ist klasse.

Irgendwann endet jede Ära…

Ich kann das momentan nicht beantworten. Ich mache das Testprogramm des BMW iFE.18 so gut, wie es halt geht. Die Formel E und BMW sind ein sehr interessantes Thema. Man müsste schauen, ob man es mit dem DTM-Kalender kombinieren könnte, oder nicht. Heute ist es noch zu früh, um etwas Konkretes zu sagen. Da werden wir die nächsten Monate abwarten müssen, was 2019 kommt. Erst mal liegt mein Fokus auf der DTM-Saison 2018 und auf den Formel-E-Tests mit BMW, dann sehen wir weiter.

Ihr habt ja ab der neuen Saison einen neuen Fernsehpartner in der DTM. Was könnte man von der Formel E in die DTM transportieren, um die Serie noch attraktiver zu machen?

Social Media, ganz klar. Ich bin erst mal ganz gespannt auf unseren neuen DTM-TV-Partner Sat.1. Ich finde die Sportreportagen bei Sat.1 sehr interessant und spannend. Sie waren bei den DTM-Testfahrten sehr präsent und haben schon viele Sachen gemacht. Es geht mit Sat.1 in die richtige Richtung. Fernsehen ist selbstverständlich für unsere Serie sehr, sehr wichtig. Die DTM lebt davon.

Und mit Blick auf das Rennformat?

Ja, das Qualifying-Format der Formel E in der DTM wäre klasse. Es ist wirklich sehr gut. Manche Piloten müssen am Anfang fahren und andere Piloten am Ende. Manche Piloten haben eine saubere Strecke, andere eben nicht. Das ändert sich bei jedem Rennen. Jeder Fahrer fährt seine Runde, und es gibt keinen Verkehr. Du hast nur eine Runde, das ist natürlich maximaler Druck für den Fahrer. Wenn du einen Fehler machst, hast du keine Chance mehr, dich zu verbessern. Es ist für die Show gut. Für die Außenstehenden ist es schön und einfach zu verstehen und zu verfolgen.

Wie gefallen dir die Events in der Formel E generell?

Ich war beim E-Prix in Marrakesch zum ersten Mal überhaupt bei der Formel E und habe mir das ganze Wochenende angesehen. Die Veranstaltung hat mir sehr gut gefallen. Es war sehr gut organisiert, es waren viele Leute dabei und es gab eine große Show drum herum. Es gibt bei einem Formel-E-Wochenende immer Action.

von Erich Hirsch 

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