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Di Grassi fordert spezielles Halo-System für Formel E - Verzögerungen bei Entwicklung

Das Halo-System, das im kommenden Jahr in der Formel 1 eingeführt wird, sorgt für heiße Diskussionen. Viele Fans sind der Meinung, dass Halo die Optik der Formel-Wagen zerstöre und der Natur der Monopostos mit freistehenden Rädern und offenen Cockpits widerspricht. Andere hingegen begrüßen die Verbesserung im Bereich der Sicherheit.

Auch in der Formel E wird der Heiligenschein (so die deutsche Übersetzung) Einzug halten, dies teilte die FIA kürzlich den Herstellern mit. Die umstrittene Sicherheitskomponente soll fester Bestandteil der neuen Fahrzeug-Generation sein, mit der die Fahrer in der Saison 2018/19 erstmals die Rennen ohne Fahrzeugwechsel bestreiten werden.

Der amtierende Formel-E-Meister Lucas di Grassi äußerte im Gespräch mit 'e-racing365', dass aufgrund des höheren Fahrzeuggewichts und der unterschiedlichen Spitzengeschwindigkeiten der Formel-E-Fahrzeuge eine alternative Variante des Cockpitschutzes erforscht werden sollte. "Halo wurde nicht für unsere Geschwindigkeit entwickelt oder getestet, daher könnte 'unser' Halo speziell für ein Formel-E-Szenario entwickelt und getestet werden", so der Audi-Pilot.

Anders als in der Formel 1 gibt es in der Formel E zudem keine Airbox, daher könne der Cockpit-Bereich theoretisch vollkommen anders und futuristischerer gestaltet werden. Di Grassi bringt hier einen ganz anderen Ansatz ins Spiel: "Es könnte auch ein Dach sein. Wir haben keinen Treibstoff, also gibt es keinen Grund, der gegen ein Dach spricht."

Der Brasilianer erklärt weiter: "Meiner Meinung nach ist das Halo-System eine gute Sache. Aber in der Formel E sollte es mit der Mentalität entworfen werden, dass es von Natur aus ein ganz anderes Auto als in der Formel 1 ist." Ein Elektroauto könne auf eine ganz andere Art entworfen und entwickelt werden.

Di Grassi fügt hinzu: "Die FIA ​​ist (in Sicherheitsfragen) sehr streng, und sie haben Recht. Denn wenn sie anfangen, auf alle Meinungen zu hören, wird es unmöglich. Also müssen sie einer Richtung folgen. Ich stimme zu, dass wir das Halo-System in der Formel 1 und auf der ganzen Linie im Motorsport einführen sollten, aber danach sollten wir eine Studie machen und eine Lösung bekommen, die zur Formel E passt."

Michael Schumacher-Unfall ein Grund für Halo

Di Grassis Chef, Audi-Motorsportdirektor Dieter Gass, spricht sich indes öffentlich für das Halo-System in der Formel E aus: "Ich habe noch einen Unfall von Michael Schumacher vor Augen. Da ist ein Auto quasi komplett an seinem Monocoque hochgefahren und hat den Kopf um Millimeter verfehlt", erinnert sich Gass bei 'Motorsport-Total.com' an eine Szene aus Abu Dhabi im Jahr 2010.

"Da dachte ich schon, dass der Kopf ab wäre. Das war eine Szene, die mir heute noch Gänsehaut verleiht", denkt er zurück. "Dieser Unfall war gleichzeitig auch einer der Auslöser für die Entwicklung von Halo. Die Gefahr wäre damals mit Halo schon enorm viel geringer gewesen. Bei so etwas hilft solch ein System."

Entwicklungsverzögerungen bei neuem Formel-E-Auto durch Halo

Der Anbau des Halo-Systems bei der neuen Fahrzeuggeneration verzögert die Auslieferung der Autos um etwa sechs Wochen. Dies bedeutet, dass die Teams die Fahrzeuge voraussichtlich erst Ende Februar erhalten werden. Die notwendigen Anpassungen am Monocoque werden jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden sein, sodass der Preis für ein Fahrzeug auf einen nahezu siebenstelligen Euro-Betrag steigen soll. Ein namentlich nicht genanntes, leitendes Mitglied eines Teams sprach nahezu von einer Verdoppelung der Fahrzeugkosten.

Die Teams müssen wegen der Verspätung ihre Pläne in Sachen Entwicklung und Testprogramm ändern. Vincent Gaillardot, Technischer Leiter von Renault, glaubt jedoch nicht, dass dies signifikante Auswirkungen haben wird. "Zunächst war die Lieferung von Batterie und Chassis für Anfang Januar vorgesehen, allerdings es wird sich verzögern", sagt er. "Aber ist es wirklich wichtig, so früh mit dem Testen zu beginnen, wenn das erste Rennen im kommenden Dezember ist? Um ganz ehrlich zu sein, bin ich nicht sicher, ob das wirklich so eine große Sache ist."

von Tobias Wirtz 

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