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Di Grassi mit Kampfansage an Formel-E-Gegner: "Bin am Höhepunkt meiner Karriere"

Nach einem durchwachsenen Start in die Formel-E-Saison 2019/20 fühlt sich Lucas di Grassi bereit, in den verbleibenden sechs Rennen des Jahres anzugreifen. Auch wenn das fahrerische Niveau in der Elektroserie so hoch wie nie zuvor sei, will er in Berlin den Anschluss an die Spitzengruppe der Meisterschaft herstellen. Er selbst sieht sich "am Höhepunkt" seiner Karriere.

Der 35-jährige di Grassi ging bislang in jedem Rennen in der Elektroserie an den Start. Rückblickend auf die letzten Jahre resümiert er im Interview mit 'e-Formel.de': "Das Level, auf dem (die Formel E) momentan ist, ist verrückt. Alle liegen sehr nah beieinander. Man muss für die kleinsten Verbesserungen sehr viel Aufwand betreiben. Es ist super tricky."

Dennoch ist di Grassi überzeugt: "In Saison 2 war es für mich noch schwerer als heute. Buemi war damals viel schneller, das Gleiche galt für Saison 3 mit seinem Renault-Antriebsstrang. Obwohl Buemi vier Rennen in Folge gewonnen hat, habe ich damals trotzdem den Titel geholt", erinnert sich der Brasilianer. Di Grassi profitierte in jenem Jahr allerdings auch davon, dass Buemi aufgrund eines Einsatzes in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC bei beiden New-York-Rennen aussetzen musste.

Weniger Fehler als im Titel-Jahr

"In Saison 4 hatten wir dann einen Vorteil, aber ich habe die Meisterschaft in den ersten vier Rennen des Jahres verloren, als ich keine Punkte gesammelt habe", erinnert di Grassi an das Inverter-Problem, mit dem sich Audi direkt nach seinem Werkseinstieg konfrontiert sah. "Die Formel E ist kompliziert, aber wenn ich mir mein eigenes fahrerisches Level ansehe, finde ich, dass ich am Höhepunkt meiner Karriere bin. Gerade in Sachen Speed und dem Verständnis für das Rennen und das Auto. Ich mache viel weniger Fehler als in den Saisons 2 und 3."

Doch auch die Formel E selbst habe sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. "Die Meisterschaft war schon im ersten Jahr schwer. Aber seitdem in Saison 2 die Hersteller hinzukamen, hat sich das Level immer weiter gesteigert. Der größte Unterschied zu damals ist, dass es jetzt mehr Fahrer mit der gleichen Pace gibt. Gewinnen ist immer noch genauso schwer wie damals - aber es gibt inzwischen viel mehr Fahrer, die eine Chance auf den Sieg haben. Man kann sich nicht mehr als 15. qualifizieren und aufs Podium fahren. Jeder versteht die Formel E viel besser, das macht es schwerer."

"Formel E wohl nach der Formel 1 die härteste Serie der Welt"

Die Serie sei eine "harte Meisterschaft", erklärt di Grassi: "Alle sind so nah beieinander. Die Formel E ist wohl nach der Formel 1 die härteste Serie der Welt. Es gibt bestimmt drei, vier, sechs richtig gute Leute, die in diesem Jahr ordentlich Probleme haben." Dazu zählt gewissermaßen auch di Grassi selbst.

Zwar holte er beim zweiten Saisonauf in Diriyya mit Platz 2 ein Podiumsergebnis und anschließend mehrere Top-10-Resultate. Derzeit liegt er jeooch "nur" auf Rang 5 in der Fahrermeisterschaft. Auf den Gesamtführenden, Antonio Felix da Costa, fehlen ihm allerdings auch nur 29 Punkte. Bei sechs noch ausstehenden Rennen in Berlin-Tempelhof - wo Audi seit jeher stark war - ist noch alles drin für den Routinier.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Tobias Bluhm  

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