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Die nächsten Schritte: Was bedeutet die Rom-Verlegung für die Formel E?

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 hält die Formel E in Atem. Nachdem die Elektroserie am Freitag mit dem Rom E-Prix bereits ein zweites Rennen in der aktuellen Saison verlegen musste, wackeln nun womöglich auch die geplanten Läufe in Paris, Seoul und Jakarta. Was bedeutet die Ausbreitung des Lungenvirus und die Rom-Verlegung für die Formel E? Eine Bestandsaufnahme.

Bereits in den Tagen nach dem Marrakesch E-Prix war abzusehen, dass die Absage des Rennens in Rom nur noch eine Frage der Zeit sein würde. Im Februar hatte die Formel E ihr geplantes China-Rennen in Sanya aufgrund der Covid-19-Epidemie abgesagt. Inzwischen sind unter anderem auch die Rennkalender der Formel 1 (Verlegung des chinesischen Grand Prix), der MotoGP (Verlegung der Grands Prix in Katar und Thailand), der Super Formula (Absage des Suzuka-Rennens) und der DTM (Verlegung der Testfahrten von Monza nach Hockenheim) von der Pandemie betroffen.

Nach aktuellem Stand besteht noch die Möglichkeit, dass der Rom E-Prix auf einen späteren Termin verlegt wird. Mit Blick auf die rasante Ausbreitung des Virus in Italien darf allerdings angezweifelt werden, dass in naher Zukunft ein Zweittermin für das Rennen in der "Ewigen Stadt" gefunden werden kann.

Wirtschaftlicher Schaden nicht zu unterschätzen

Wird der Rom E-Prix tatsächlich ersatzlos gestrichen, würde die Absage einen bedeutenden wirtschaftlichen Schaden für die Formel E zur Folge haben. Im vergangenen Jahr verbuchte die Elektroserie zwar erstmals einen leichten Gewinn. Mit der zweiten Absage eines Rennens in der laufenden Saison würden jedoch nicht nur Einnahmen durch nicht verkaufte Tickets, sondern insbesondere durch unerfüllte Sponsoring- und Lizenzverträge ausbleiben.

Da der Rom E-Prix beispielsweise das erste Rennen der voestalpine European Races hätte sein sollen, könnte allein dies einen Einfluss haben. Die wirtschaftlichen Einschnitte gelten übrigens nicht nur für die Formel E selbst, sondern auch für die Teams und deren Partner. Es ist also durchaus im Interesse der Serie, ein alternatives Rennen - im besten Fall in Europa - zu arrangieren.

Welche Alternativen gibt es für die Formel E?

Um den Rom E-Prix am 4. April 2020 zu ersetzen, gibt es für die Formel E mehrere Möglichkeiten. Dazu zählen Terminverschiebungen, "Double-Header" in anderen Städten wie etwa Berlin oder die Organisation eines gänzlich neuen Rennens.

Eine Terminverschiebung für den Rom E-Prix wäre für alle Beteiligten wohl die ideale Lösung, obgleich die Lücke im Rennkalender nach dem Marrakesch E-Prix in jedem Fall anwachsen würde. Ein E-Prix in Rom könnte unter Umständen am 27. Juni ausgetragen werden. Dies hätte für viele Fahrer jedoch einen zermürbenden "Triple-Header" zur Folge. Schließlich finden an den zwei vorausgehenden Wochenenden die 24 Stunden von Le Mans sowie der Berlin E-Prix statt.

Eine Schwierigkeit dürfte zudem die Fußball-Europameisterschaft bereiten: Der 27. Juni ist der erste Achtelfinal-Termin der Spielzeit - womöglich auch mit italienischer Beteiligung -, was den Ticketverkauf erschweren könnte. Möchte die Formel E das Saisonfinale in London nicht ebenfalls verschieben oder Rom kurzfristig zum neuen Final-Rennen erklären, blieben nur noch Wochenenden im Mai (womöglich zu früh), der 4. Juli (EM-Viertelfinalspiel in Rom) oder der 18. Juli (inmitten eines "Triple-Headers" aus New York, Rom und London).

Die Fußball-EM ist auch ein Grund, weshalb sich "Double-Header" in New York und Berlin als schwierig gestalten könnten. Der Berlin E-Prix findet nach aktuellem Stand an einem Sonntag (21. Juni) statt, da für den Vorabend ein Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft in München angesetzt ist. Würde man in New York ein zweites Rennen austragen, käme es gar zur Terminkollision mit dem EM-Finale. Ähnliches passierte schon 2018, als das letzte Saisonrennen einige Stunden nach dem WM-Finale in Moskau stattfand. Die Lösungsvorschläge für Berlin und New York sind sicherlich nicht ideal, Mit an die Fußballspiele angepassten Zeitplänen für die Formel E wären sie allerdings eventuell verkraftbar.

Fotos: Shivraj Gohil, Lou Johnson, Jamie Sheldrick / Spacesuit Media

Eine weitere Möglichkeit sind gänzlich neue Rennen im Kalender. Derzeit befinden sich die Fahrzeuge und das Equipment der Teams zur zentralen Lagerung an der Formel-E-Teststrecke in Spanien, was zuletzt Spekulationen über einen Valencia E-Prix auf dem Circuit Ricardo Tormo befeuerte. Dieser könnte auch den "verlorenen" Slot in den European Races ausgleichen. Der Vorschlag gilt laut 'The Race' unter den Teams derzeit als bevorzugte Lösung, sollte der Rom-Lauf komplett gestrichen werden. Womöglich könnte Valencia gar an dem Termin stattfinden, der ursprünglich für Rom reserviert war (4. April).

Gerüchtehalber könnte die Serie in den kommenden Wochen aber auch zu einem zweiten Rennen nach Marrakesch zurückkehren. Logistisch wäre dieser Schritt machbar, da für das Rennen in Marokko nur wenige Straßen gesperrt werden müssten. Wegen mangelnder Partnermöglichkeiten zählt das Rennen bei den Teams zwar nicht zu den beliebtesten, allerdings wäre der E-Prix relativ kostengünstig. Zudem gibt es Gerüchte über einen erneuten Punta del Este E-Prix in Uruguay. Allerdings rechnen nur die wenigsten Beobachter der Serie mit einer Rückkehr an die Playa Brava.

Paris, Seoul & Jakarta wackeln ebenfalls

Neben dem Rom E-Prix gibt es noch weitere Rennen, die derzeit in Gefahr sind. In Paris, wo das Rennen nach Rom stattfinden soll, wurde erst kürzlich der Halbmarathon in den Oktober verlegt. Zudem untersagte die Regierung am Sonntag Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern. Es ist somit möglich, dass auch das Frankreich-Rennen der Formel E am 18. April abgesagt wird.

Jakartas Gouverneur Anies Baswedan kündigte in der letzten Woche an, dass er vorerst keine neuen Bewilligungen für Veranstaltungen ausstellen wolle, bei denen "große Menschenmassen" zu erwarten seien. Ob die Formel E, die ein politisches Prestige-Projekt Baswedans ist, aktuell in Gefahr sein könnte, ist unklar.

Das unsicherste verbleibende Rennen ist wohl jedoch der Seoul E-Prix, der derzeit für den 3. Mai 2020 angesetzt ist. Südkorea hat derzeit mehr als 7.000 Covid-19-Patienten zu versorgen - die höchste Zahl von Infizierten außerhalb Chinas. Die K-Pop-Gruppe BTS, die zudem globaler Botschafter der Formel E ist, sagte kürzlich vier für Mitte April geplante Auftritte in Seoul ab. Die Konzertreihe sollte eigentlich den Auftakt in BTS' Welttournee bilden.

Die übrigen Rennen in Berlin, New York und London sind nach aktuellem Stand noch nicht in Gefahr, zumal die E-Prix im Hochsommer stattfinden, wenn sich Viren üblicherweise abschwächen. Wie die Formel E über die Zukunft ihres Rennkalenders entscheidet, werden die nächsten Tage und Wochen entscheiden. Am Samstag veröffentlichte die FIA erneut ein schriftliches Statement: Man werde die Ansetzungen der Rennkalender "evaluieren und, wenn nötig, jede mögliche Maßnahme ergreifen, um die globale Motorsport-Gemeinschaft und Bevölkerung zu schützen."

Foto: Peter Minnig / Spacesuit Media

von Tobias Bluhm  

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Kommentar von EffEll |

Es ist derzeit wirklich erschreckend und obwohl noch einige Zeit zum ePrix in unserer Hauptstadt hin ist, sehe ich auch dafür schwarz. Dieses Jahr wird wohl in die Annalen der Sportveranstaltungen eingehen, als jenes, in dem Geisterveranstaltungen komplett ohne Vor-Ort-Zuschauer die Regel sind. Würde jedoch ausweichend ein Valencia ePrix abgehalten werden, welchen ich persönlich sehr begrüßen würde, könnten wir uns wieder auf echtes Rennstrecken-Racing freuen, für das die Gen2-Fahrzeuge ja durchaus prädestiniert sind.
Es bleibt abzuwarten, ob die COVID-19-Epidemie tatsächlich mit wärmeren Temperaturen abebbt oder ob die Infektionsverbreitung gar weitere europäische Länder in Atem hält.
So viel Zeit ist bis zu der Fußball-EM nun auch wieder nicht. Wollen wir hoffen dass die jetzigen Eindämmmaßnahmen Wirkung zeigen und sich schleunigst Normalität einstellt, damit dieses Event überhaupt planmäßig abgehalten werden kann. Denn aktuell sieht es ja ganz und gar nicht danach aus. Sollte man Beschränkungen zu früh lockern, könnte ein erneuter Ausbruch drohen. Daher bleiben uns Restriktionen für Großveranstaltungen sicher länger erhalten. Leider

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