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Formel E: Felix da Costa bezwingt Vergne bei Saisonauftakt in Saudi-Arabien

Antonio Felix da Costa hat das erste Formel-E-Rennen der zweiten Fahrzeug-Generation für sich entschieden. In einem gleichermaßen packenden wie chaotischen Rennen im saudi-arabischen Diriyya behielt der BMW-Fahrer bis zur Ziellinie die Nerven und setzte sich gegen den bärenstarken Meister Jean-Eric Vergne im DS durch. Das Podium vervollständigte Mahindra-Neuling Jerome d'Ambrosio. Mitch Evans (Jaguar) und der Deutsche Andre Lotterer (DS) machten die Top 5 komplett.

Den ersten kleinen Aufreger gab es bereits kurz vor dem Start: Pole-Sitter Felix da Costa fuhr über seine Startposition hinaus und musste den Rückwärtsgang einlegen, um sich immer noch schräg aber regelkonform aufzustellen. Trotzdem konnte der Portugiese Platz 1 am Start verteidigen. Dahinter machte Sebastien Buemi einen Platz gegen Jose Maria Lopez gut und nahm Rang 2 ein. Vergne ging seinerseits am auf Platz 4 gestarteten Stoffel Vandoorne vorbei. Weiter hinten schien Oliver Rowland zu früh losgefahren zu sein - eine Untersuchung blieb jedoch aus.

Noch in der Anfangsphase ging Vergne auch an Lopez vorbei, während sich sein Teamkollege Lotterer durchs Feld kämpfte, den Dragon-Fahrer ebenfalls überholte und zu diesem Zeitpunkt schon Vierter war. Nach etwas mehr als elf Minuten verunfallte Felix Rosenqvist, stellte seinen Mahindra jedoch direkt in der sicheren Auslaufzone ab. Fast zeitgleich holten sich drei Piloten den ersten Attack-Mode der Formel-E-Geschichte: Oliver Turvey, Tom Dillmann und Maximilian Günther.

Für HWA lief es nach einem ordentlichen Qualifying nicht rund beim Debütrennen. Gary Paffett rollte aus und gab das Rennen nach neun Runden auf, während Teamkollege Vandoorne Platz um Platz nach hinten durchgereicht wurde. In der Spitzengruppe machte der amtierende Champion weiter Druck: Vergne schnappte sich zuerst Buemi und heftete sich anschließend an die Fersen des Führenden. Schließlich überholte er Felix da Costa und übernahm die Spitze.

Durchfahrtsstrafen für die Führenden

Nachdem wenig später auch Vergnes DS-Teamkollege Andre Lotterer am Portugiesen vorbeiziehen konnte und der BMW-Mann nur noch auf Platz 3 lag, erreichte das Rennen einen kritischen Wendepunkt: Aufgrund von kurzzeitigem Überschreiten der maximal erlaubten Leistung sprach die Rennleitung Durchfahrtsstrafen gegen Felipe Massa (Venturi), Gary Paffett (HWA), Alexander Sims (BMW) sowie beide DS-Piloten an der Spitze aus.

Die zum Zeitpunkt der Strafe in Führung liegenden DS-Werksfahrer Vergne und Lotterer mussten in der Folge den langsameren Umweg durch die Boxengasse nehmen und verloren somit rund 20 Sekunden. Felix da Costa rutschte erneut an die Spitze des Feldes, die er bis zum Zieleinlauf verteidigen sollte. "Das wäre ein sicherer Doppelsieg geworden", sagte uns Lotterer nach dem Rennen.

Auch Jose Maria Lopez, der seines Zeichens kurz zuvor gemeinsam mit Jerome d'Ambrosio (Mahindra) den ehemaligen Formel-E-Meister Sebastien Buemi überholen konnte, profitierte von der Doppel-Strafe bei DS. Allzu lange währte die Freude über Position 2 jedoch nicht: Nachdem Lopez auf einem hohen Randstein aufsetzte, brach die linke Hinterrad-Aufhängung seines Dragon. Er musste das Rennen wenige Kurven später aufgeben. Um das havarierte Auto von der Strecke zu räumen, rief die Rennleitung zunächst Full-Course-Yellow aus, dann das Safety-Car auf die Strecke.

Hektische Schlussphase

Nach dem Re-Start des Rennens führte Felix da Costa somit vor Jerome d'Ambrosio und Vergne - es sollte ein turbulenter Schlusssprint werden. Alle Fahrer, die noch einen (von zwei) Attack-Mode zur Verfügung hatten, aktivierten ihn zum Ende der Safety-Car-Phase und waren damit im Vorteil. Vergne kämpfte sich mit der Hilfe des Attack-Mode durch das Feld und pflügte schließlich auch am Belgier vorbei. Trotz seiner Durchfahrtsstrafe beendete der Franzose das Rennen dadurch auf Platz 2 - eine wahrlich meisterliche Leistung.

Besonders im Mittelfeld ging es in der Schlussphase hektisch zu. Ein halbes Dutzend Fahrer duellierte sich um Platz 4, darunter beide Nissan-, Audi- und Jaguar-Fahrzeuge sowie Andre Lotterer. Letztlich gingen die heiß umkämpften zwölf Punkte an Jaguar-Mann Mitch Evans, der in Diriyya sein zweitbestes Karriereergebnis feiern konnte. Lotterer wurde vor Buemi, Oliver Rowland, Daniel Abt und Lucas di Grassi Fünfter.

Mit Blick auf die Fahrerwertung hat Antonio Felix da Costa einen fast perfekten Start erwischt: Mit 25 Punkten für den Sieg und drei weiteren Zählern für die Pole-Position liegt er an der Spitze. Bester Deutscher ist Andre Lotterer auf Rang 5, der zehn Punkte für Platz 5 und einen weiteren für die schnellste Runde holte. In der Teamwertung liegt DS Techeetah mit einem Punkt Vorsprung auf BMW ganz vorn. Gleich fünf Teams gingen in Diriyya leer aus, darunter auch HWA.

Nach einer kurzen Weihnachtspause steht bereits in vier Wochen der nächste Lauf der Formel-E-Saison 2018/19 auf dem Plan. Am 12. Januar startet in Marrakesch das zweite Rennen der neuen Saison.

Foto: BMW Motorsport

Das provisorische Rennergebnis zum Diriyya E-Prix

von Timo Pape 

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Kommentar von Thomas Imhof |

Affengeiles Rennen, der neue Attack Modus ist ein super zusätzliches Spannungselement. Die Autos sehen super aus und wirken am Schurm nochmal deutlich schneller

Kommentar von Harry Pasiak |

Das war ein ansehenswertes Rennen, wenn auch meine Teams, NIO und Audi Schaeffler, nicht so toll vom Auftaktglück verfolgt wurden. Auf jeden Fall bereichert BMW das Ganze und die Formel E wird immer interessanter.

Kommentar von EffEll |

Kein Wort zu Lopez?
Ich konnte es kaum fassen.
Auf Position 2 liegend verpasst er die erste Linie der Attack-Mode-Aktivierungszone und büßt infolge dessen eine Position ein. Die Runde darauf versucht er es erneut, verpasst wieder die erste Linie, büßt eine weitere Position ein, immer noch ohne aktiven Attack-Mode um in der nächsten Runde mit zerstörte Aufhängung auszuscheiden. Das kann doch nicht wahr sein. Alle anderen Fahrer hatten kein Problem mit der alternativen Linie.

Die Nationalhymne Großbritanniensfür Andretti BMW hat mich auch ziemlich gewundert. Ich hatte hier in den Kommentaren ja vor einiger Zeit in einem entsprechenden Artikel gefragt, ob das Team nun mit einer deutschen oder us-amerikanischen Lizenz antritt. Bekam da leider keine Antwort drauf. Aber die Britische kann doch nur ein Fehler gewesen sein.
Kann mich noch an den ersten Sieg Red Bulls in der F1 erinnern. Da gab es auch Safe the Queen. Damals lag es wohl aber daran, dass die österreichische nicht verfügbar war. Das kann hier ja nicht der Grund gewesen sein...

Kommentar von EffEll |

Oder ist Lopez' Problem mit der Aktivierungszone sonst niemanden aufgefallen?

Kommentar von Tobias Bluhm |

Doch, das Problem mit der Attack-Zone ist mir auch aufgefallen. Dazu gibt es in den nächsten Tagen aber auch noch einen eigenen Artikel, keine Sorge! :) Bei der Hymne haben sich denke ich alle gewundert, aber laut Nennliste nimmt BMW tatsächlich mit einer britischen Lizenz an den Rennen teil - trotz Werkseinsatz aus München und Indianapolis. ¯\_(ツ)_/¯

Kommentar von Thimo Braun |

Ich frage mich vor allem was mit den Audis und Vandoorne passiert ist. Zu Vandoorne gabs ja absolut kein einziges Wort im Broadcast und er ist langsam von 4 auf 17 nach hinten gewandert. Die Audis waren irgendwie auch nirgendwo, genau wie die Virgin Autos. Zudem hab ich nicht ganz den Grund der Strafen für die Techeetahs verstanden.
Im Großen und Ganzen schönes Rennen, aber die Aufarbeitung der FE Crew war mMn nicht ganz zufriedenstellend...

Kommentar von EffEll |

@Tobi:
Merkwürdig. Da würde sogar die britische für das Mercedes F1 Team besser passen.
@Thimo:
Ja, bei Audi gibt es wohl eine große Lücke zwischen Anspruch und echter Performance.
Was ich nicht verstanden habe:
Abt hatte im Quali über 2,6 Sekunden Rückstand und war damit annähernd letzter. Wieso startete er plötzlich im Rennen von 11? Das wollte mir nicht ganz einleuchten

Kommentar von Timo |

Durch die ganzen Strafen... Selbst Max Günther, der einen Unfall hatte, ging von P16 ins Rennen.

Kommentar von EffEll |

Danke

Kommentar von Helmut |

Wirklich cooles Rennen, die neuen Autos machen sich wirklich gut und es kommt im Gegensatz zu den Vorjahren auch wirklich ein Speedeindruck rüber.
Allerdings find ich die ganzen Strafen echt mies, das verhaut mir den ganzen Spaß am Rennen. Zu viel Power entnommen, zu viel Power zurückgewonnen (wieso ist das in einer Formel, die auf Energieeffizienz setzt überhaupt ein Delikt?), zu viele Runden im Quali gefahren,... Was soll der Mist? Lasst die Fahrer geile Rennen fahren und gut ist. Diese ganzen Gimmicks braucht kein Zuseher bzw. verwirren nur extrem.
Zum Kommentar: ich hab mir das quali auf Eurosport Germany angesehen und fast abgebrochen. Was die zwei Kerle da labern ist ja schon fast auf RTL Formel 1 Niveau. Vom Geschehen nix mitbekommen aber dauernd die Klappe offen. Im Rennen war es offensichtlich nicht besser, wenn man die Kommentare hier so liest.
Die Rennübertragung von BT mit Bob Varsha und Dario Franchitti war wieder 1A.
Praktisch alles, auch im hinteren Bereich wurde berichtet und auch sehr zeitnah über die „technischen Vergehen“ von Massa und Co.
Massa hat übrigens ein paar saucoole Ü-Manöver geliefert. Schade um die gute Platzierung

Kommentar von EffEll |

@Helmut: Ja, da gebe ich dir Recht. Ich schaue dank VPN jetzt auch nur noch auf Youtube. Eurosport ist leider keine Alternative.
Jedoch werde ich auch mal den Stream der Öffentlich Rechtlichen ausprobieren.
Der letztjährige Berlin ePrix war aber auch nicht gerade berauschend.
Was jedoch vermutlich auch etwas am späten Einstieg der Übertragung lag und weil der Kommentator eher damit beschäftigt war, den Zuschauern grundlegende Infos über die Rennserie zu vermitteln. Seine Vorbereitung auf den Job schien aber auch sehr begrenzt gewesen zu sein. Mit Fachwissen konnte er zumindest nicht dienen.

Kommentar von Simon |

@EffEll Du kannst dir das Rennen übrigens nochmal in der Mediathek des ZDF ankucken. Dann kannst du für dich entscheiden ob sich der Stream lohnt.

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