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Drama in Mexiko: Lucas di Grassi siegt auf letzten Metern nach schwerem Piquet-Unfall

Lucas di Grassi hat einen dramatischen Mexico City E-Prix 2019 der Formel E für sich entschieden. Der Audi-Pilot setzte sich auf den allerletzten Metern gegen Pascal Wehrlein durch, der das ganze Rennen anführte, letztlich aber keine Energie mehr übrig hatte - am Ende nur Platz 6 für den Deutschen. Zweiter wurde Antonio Felix da Costa im BMW vor Edo Mortara im Venturi. Nissan verschenkte ein Doppelpodium ebenfalls in der letzten Runde. Überschattet wurde das Rennen von einem schweren Unfall von Nelson Piquet jr. in der Anfangsphase, der zu einer langen Unterbrechung führte.

Am Start kamen Wehrlein und di Grassi etwa gleich gut weg, doch der Deutsche machte seinem Audi-Konkurrenten beherzt die Tür zu und behauptete sich. Diese Gelegenheit nutzte Oliver Rowland und stach innen in die Kurve hinein. Ein gewagtes Manöver, das ihn von Platz 4 auf Platz 2 nach vorn brachte. Ansonsten ging zunächst alles gesittet zu in der ersten Runde. Ein Dreher von Formel-E-Debütant Felipe Nasr, der im Stadion von Tom Dillmann angestoßen wurde, sollte nur der Vorbote dessen sein, was sich wenig später in Kurve 13 abspielte.

Nach knapp fünf Minuten fuhr Nelson Piquet jr. dem vor ihm fahrenden Jean-Eric Vergne auf das rechte Hinterrad, hob ab und verlor die Kontrolle. Bei seinem spektakulären Abflug traf der Brasilianer auch den BMW von Alex Sims am Heck, der daraufhin an die Box kommen musste, um sein Auto reparieren zu lassen. Piquets Jaguar schlug in die Mauer ein und nahm großen Schaden - ein Trümmerfeld in der Schikane vor der Start- und Zielgeraden. Piquet konnte wenig später unverletzt aussteigen.

Die Rennleitung entschied zunächst auf Full-Course-Yellow, brach das Rennen aber wenig später mit roten Flaggen ab. Alle Fahrer reihten sich folglich in der Boxengasse ein und stiegen aus, während die Streckenposten in der Zwischenzeit die Unfallstelle räumten und den schwer demolierten Jaguar abschleppten. Vergne, der ebenfalls Schaden am Heck genommen hatte, begutachtete seinen DS Techeetah argwöhnisch, konnte aber als Zehnter weitermachen.

Nach einer fast halbstündigen Pause gab die Rennleitung das Rennen wieder frei. Wehrlein nahm den E-Prix als Führender hinter dem Safety-Car wieder auf, hinter ihm Rowland, di Grassi, Buemi, Felix da Costa und Felipe Massa, der in den ersten Runden drei Positionen verloren hatte. Gleich während der ersten Umrundung hinter dem Safety-Car holten sich insgesamt sieben Fahrer ihren ersten Attack-Mode, fast alle anderen eine Runde später. Dann kam das Safety-Car rein - endlich ging es im Renntrimm weiter. Auf der Uhr standen zu diesem Zeitpunkt noch knapp 38 Minuten.

Top 3 setzen sich ab

In der ersten Runde nach dem Re-Start gab es keine nennenswerten Veränderungen. Di Grassi nahm die Verfolgung von Rowland auf und machte im Attack-Mode Druck auf den Briten. Dahinter zeichnete sich ein hartes Duell zwischen Buemi und Felix da Costa ab. Der Schweizer konnte sich jedoch als Vierter durchsetzen. Die Top 3 setzten sich derweil ein Stück von Buemi ab, blieben untereinander aber dicht zusammen.

In den folgenden Runden ließen es die meisten Piloten ein wenig ruhiger angehen, das Rennen entwickelte seinen eigenen Rhythmus. In den Top 10 gab es keinerlei Verschiebungen. Nur weiter hinten versuchte Daniel Abt als 16., im Attack-Mode an Sam Bird vorbeizukommen. Der Brite verteidigte sich jedoch erfolgreich. Dann sprach die Rennleitung eine Durchfahrtsstrafe gegen Jose Maria Lopez aus, weil der Argentinier zu viel Energie rekuperierte. Doch damit nicht genug: Weil er sich bei der Einfahrt in die Boxengasse kurzerhand umentschied und wieder auf die Strecke zurückfuhr, bestrafte ihn die Rennleitung abermals.

Auch Stoffel Vandoorne erhielt eine Durchfahrtsstrafe, weil er seinen FANBOOST zu früh gezündet hatte. Hinzu kam eine 5-Sekunden-Zeitstrafe für den Belgier, weil er dabei auch noch zu viel Energie nutzte. Dann endlich mal wieder ein Überholmanöver: Jerome d'Ambrosio holte sich mit Attack-Mode den achten Platz von Andre Lotterer. Dessen Teamkollege Vergne wurde fast zeitgleich im Station von Mitch Evans gedreht und fiel dadurch weiter zurück - erneut ein "gebrauchter" Tag für den amtierenden Meister, der am Ende als 13. leer ausging.

Turbulente Schlussphase

Neun Minuten vor dem Ende holte sich der Drittplatzierte di Grassi seinen zweiten Attack-Mode. Daraufhin fuhr in der nächsten Runde auch Rowland vor ihm durch die Attack-Zone, rutschte am Kurvenausgang jedoch ungünstig aus der Spur und verlor Platz 2 an den Brasilianer. Beinahe hätte auch noch Teamkollege Buemi profitiert, es kam zum leichten Kontakt zwischen den beiden Nissan-Piloten. Rowland blieb aber Dritter.

Di Grassi konnte dadurch eine Lücke herausfahren und machte nun auf den Führenden Wehrlein Jagd, der sich ebenfalls sieben Minuten vor Schluss seinen letzten Attack-Mode holte. Es zeichnete sich ein spannendes Duell um den Sieg zwischen den beiden ab. Gut zwei Minuten vor Schluss verbremsten sich beide in Kurve 1, konnten sich aber gerade noch retten. Wehrlein wehrte einen wütenden Angriff di Grassis nach dem anderen ab.

Mit einem Energievorteil ging es für di Grassi in die letzte Runde, doch Wehrlein verteidigte sich auf Biegen und Brechen. In Kurve 3 stach di Grassi schließlich innen rein und zwang Wehrlein zum Abkürzen der Schikane. Wehrlein schleppte sich zwar noch als Führender in die letzte Kurve, doch dann ging ihm die Energie aus. Di Grassi umkurvte ihn quasi auf der Ziellinie und holte sich in letzter Sekunde den Sieg. Wehrlein erhielt zudem direkt nach Rennschluss eine 5-Sekunden-Zeitstrafe, weil er abgekürzt und sich dadurch einen Vorteil verschafft hatte - ein bitterer sechster Platz am Ende für den Deutschen.

Noch schlimmer lief es jedoch für Nissan. Sowohl Rowland als auch Buemi blieben in der letzten Runde ohne Energie stehen. Statt der Plätze 2 und 3 (nach der Strafe für Wehrlein) landeten sie somit am Ende des Feldes und kamen nicht ins Ziel. Durch die Zwischenfälle in der letzten Runde profitierten einige Fahrer erheblich: Felix da Costa spülte es auf den zweiten Platz nach vorn, und auch Edo Mortara erbte eine Podiumsplatzierung. D'Ambrosio beendete ein unscheinbares Rennen als Vierter, Andre Lotterer wurde Fünfter. Der bis dato Gesamtführende Bird holte als Neunter immerhin noch zwei Punkte, Daniel Abt kam auf Platz 10 in die Punkte.

D'Ambrosio wieder Spitze, Audi macht Boden gut

In der Gesamtwertung hat sich Jerome d'Ambrosio die Führung zurückgeholt. Mit nun 53 Punkten liegt er vor Antonio Felix da Costa (46) und Sam Bird (45). Lucas di Grassi verbesserte sich durch seinen ersten Saisonsieg auf Rang 4, Pascal Wehrlein kletterte durch die Zähler für Platz 6, seine Pole-Position und die schnellste Rennrunde auf Position 5.

Bei den Teams gibt Mahindra nach dem Mexico City E-Prix den Ton an. Virgin und BMW folgen auf den Plätzen 2 und 3. DS Techeetah und Audi liegen dahinter beinahe gleichauf. Einen großen Satz konnte Venturi machen - die Monegassen belegen nun den sechsten Gesamtrang. HWA bleibt auch nach dem vierten Saisonlauf das einzige Team ohne Punkte.

Das nächste Formel-E-Rennen findet in drei Wochen am 10. März in Hongkong statt.

>>> zu den Ergebnissen des Rennens in Mexiko
>>> zur Gesamtwertung der Formel E

von Timo Pape 

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Kommentar von Koenigderwelt |

Beim nächsten Mal sollte wehrlein einfach drauf halten und nicht versuchen ein Unfall zu vermeiden.

Kommentar von EffEll |

Was für Bilder. Grandioses Herzschlagfinale. Selten war ein Autorennen so spannend. Sieger jubeln am Kommandostand als hätten sie die Meisterschaft gewonnen, zudem ständig ovations im Stadion - Wahnsinn.
Die Strafe war mir sofort klar und eventuell hätte die Rennleitung erst nach Anhörung urteilen sollen.
Im Endeffekt liegt Wehrlein aber an der gleichen Position, als hätte er einmal bis zum Stillstand abgebremst, um eine 5-Sekunden-Strafe zu vermeiden, bei der engen Spitzengruppe. Di Grassi ist auch unangenehmer Gegner in der Schlussphase. Er kämpft mit dem Messer zwischen den Zähnen und dass er mehr Energie zur Verfügung hatte als Wehrlein, ist aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung nicht verwunderlich. Dennoch hatte Wehrlein ein phantastisches Wochenende, auch wenn er sich schlussendlich nicht gebührend belohnen konnte.
Die trotz Rennabbruchs weiter ablaufende Uhr war etwas nervig. Da hätte die Rennleitung eingreifen müssen. Etwa anhalten oder etwas anderes darüber einblenden. Insgesamt aber ein unterhaltsames Rennen.

Kommentar von Hch.-W.E. |

Tja, hätte Wehrlein draufgehalten wären sehr wahrscheinlich beide aus dem Rennen gewesen. Allerdings Ihm 5 Sekunden für das vermeiden einer Kollision aufzubrummen hat mehr als einen faden Beigeschmack. Platztausch, so wie es letztlich auch gekommen ist und die FormelE-Welt wäre, ein wenig gerechter, wieder "in Waage"....
Auch dies kurz Anhalten an sich, völliger Schwachsinn, keiner der Hinterherfahrenden kann dann die Rückkehr des Abkürzenden wirklich einschätzen, was bei einem in Bewegung bleibenden Auto zwar auch nicht wirklich leicht, aber möglich ist.

Was noch bleibt ist der Quatsch mit dem Fan-Boost! Kinderspielzeug das nix außer Unruhe in die Serie bringt....

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