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Europa-Auftakt in Italien: Die große Formel-E-Vorschau auf den Rom E-Prix

Nach sechs Rennen in der Formel-E-Saison 2018/19 könnte die Ausgangslage vor dem Rom E-Prix, dem ersten Rennen des Europa-Abschnitts im Rennkalender, kaum spannender sein. Elf Fahrer haben die mathematische Chance, nach dem Lauf in der italienischen Hauptstadt am kommenden Samstag, dem 13. April, die Führung in der Fahrermeisterschaft zu übernehmen. Und auch bei den Teams ist es eng: Die besten fünf Mannschaften liegen innerhalb von gerade einmal 17 Punkten.

Schon im vergangenen Jahr lieferte der Rom E-Prix jede Menge Action. Sam Bird (Virgin) gewann das Premierenrennen vor Lucas di Grassi (Audi) und setzte damit den Grundstein für seinen Titelkampf gegen Jean-Eric Vergne (Techeetah), der sich im Rahmen des Doppel-Finales von New York jedoch schließlich durchsetzen sollte. Auf der anspruchsvollen Strecke ist ohne Frage erneut mit viel Spannung zu rechnen. Was du vor dem Rom E-Prix 2019 wissen musst, erfährst du in unserer großen Rennvorschau.

Stadt, Land, Fluss…

Die "Ewige Stadt" am Ufer des Tibers blickt auf mehr als 2.000 Jahre ereignisreiche Geschichte zurück. In den Jahrhunderten des Römischen Reiches blühte die Metropole zu einer Weltmacht auf. Heute schmücken pompöse Kathedralen, weitreichende Plätze und das weltberühmte Kolosseum das Bild der italienischen Hauptstadt. Durch den Papst, der im Vatikan innerhalb Roms residiert (und die Formel E im Vorjahr segnete), ist die Stadt zudem das religiöse Zentrum für Christen aus aller Welt.

Die Formel E gastiert erneut im EUR-Bezirk im Süden Roms. EUR, die Abkürzung für "Esposizione Universale di Roma", wurde im Rahmen der geplanten Weltausstellung 1942 vom faschistischen Regime unter Mussolini gegründet, wenngleich die Bauarbeiten durch den Ausbruch des 2. Weltkriegs erst in den 1960er-Jahren beendet werden konnten. Heute gilt EUR als wichtiger Geschäftsbezirk und beherbergt neben mehreren multinationalen Firmen auch einige Bundesministerien Italiens.

Was seit dem letzten Saisonlauf passierte

Heiß diskutiert wurde im Zeitraum zwischen dem Sanya und Rom E-Prix die Frage nach dem korrekten Strafmaß in der Elektroserie. In den sozialen Netzwerken lieferten sich unter anderem Lucas di Grassi und Robin Frijns (Virgin) einen hitzigen verbalen Schlagabtausch. Neben Forderungen nach härteren und konsequenteren Strafen wurde zudem der Respekt zwischen den Fahrern diskutiert. "Davon gibt es momentan nicht genug. Das muss sich ändern", twitterte unter anderem Gary Paffett (HWA).

Beim Rom E-Prix treten indes gleich zwei neue Fahrer an. Planmäßig übernimmt Maximilian Günther den Dragon von Felipe Nasr, der seines Zeichens in der nordamerikanischen IMSA-Sportwagen-Serie startet. Deutlich überraschender hingegen: Jaguar Racing hat sich von Nelson Piquet jr. getrennt. Der Brasilianer verlor sein Cockpit durch nicht zufriedenstellende Ergebnisse in der ersten Saisonhälfte und wird für den Rest des Jahres von Ex-Virgin-Fahrer Alex Lynn ersetzt.

Ebenfalls lesenswert sind unsere Geschichten zum geplanten Demolauf der Formel E in der österreichischen Hauptstadt Wien, den Überlegungen von Lewis Hamilton zu einem möglichen Einstieg in die Elektroserie und das Exklusiv-Interview mit Formel-E-Chef Alejandro Agag, in dem er seine Visionen für das "Gen3"-Auto mit Schnelllademöglichkeit ab 2022 vorstellt.

Zeitplan 2019 (alle Zeiten in MESZ)

07:30 - 08:15 Uhr - 1. Freies Training
10:00 - 10:30 Uhr - 2. Freies Training
11:45 - 12:50 Uhr - Qualifikation
16:00 - 17:00 Uhr - Rennen (45 min + 1 Runde)

In Rom fährt im Rahmenprogramm der Formel E zudem die Jaguar I-Pace eTrophy. Das Qualifying (08:35 - 09:05 Uhr) und Rennen (14:00 - 14:25 Uhr) sind kostenlos über ran.de oder die offiziellen YouTube- und Facebook-Kanäle von Jaguar Racing zu verfolgen.

Strecke

Auf 2,860 Kilometern erwartet die Formel-E-Fahrer in Rom ein anspruchsvoller Mix aus langsamen Sektionen, Haarnadelkurven, mehreren 90-Grad-Ecken und Hochgeschwindigkeitspassagen. Insgesamt 21 Kurven gilt es auf den unebenen Straßen Roms zu bewältigen, darunter der enge letzte Sektor und die Mutkurve 4, in der die Fahrer im vergangenen Jahr immer wieder von der Fahrbahn abhoben.

Wie zuletzt in Sanya wurden die Start- und Zielgerade voneinander getrennt. Während die Fahrer ihre Runde nahe der Boxengasse hinter dem gewundenen letzten Sektor komplettieren, wird das Rennen auf der Geraden zwischen Kurve 12 und 13 beginnen. Die erste Kehre nach dem Rennstart ist also eine Haarnadelkurve, die sicherlich zu Überholmanövern einlädt.

Die Rom-Piste gehört zu den längsten Kursen im gesamten Rennkalender. Auf ihrer Runde passieren die Fahrer unter anderem Roms Messehalle, den Platz der Nationalen Einheit und den Marconi-Obelisk. Vor den Bremszonen der Kurven 5 und 9 ist mit Höchstgeschwindigkeiten von weit mehr als 200 km/h zu rechnen.

ZDF, ORF eins & Eurosport: Die Formel E im TV

Formel-E-Fans aus Deutschland können den Rom E-Prix über zwei Wege im Fernsehen verfolgen. Wie gewohnt überträgt der Sportsender Eurosport das Rennen und die Qualifikation live und in voller Länge im Free-TV. Allerdings zeigt mit dem ZDF zum ersten Mal in dieser Saison auch ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender ein Rennen der Elektroserie in seinem Hauptprogramm.

Beide Sender starten mit ihren Rennübertragungen ab 15:45 Uhr. Eurosport zeigt außerdem das Qualifying live, bietet seinen Zuschauern vor dem Start des E-Prix allerdings auch eine Wiederholung des Zeitfahrens an. Auch das ZDF zeigt das Qualifying, allerdings nur online. Er wird ab 11:30 Uhr im Live-Stream zu verfolgen sein. Hinter dem Mikrofon sitzt für den Mainzer Sender Gari Paubandt. Bei Eurosport kommentieren wie gewohnt Oliver Sittler und Patrick Simon.

Die beiden Freien Trainings kannst du über die kostenlosen englischsprachigen Live-Stream-Angebote der offiziellen Facebook- und YouTube-Kanäle der Formel E verfolgen. Diese bieten wir dir selbstverständlich wie immer auch auf unserer Webseite an. In der Schweiz ist der E-Prix wie gewohnt beim Pay-TV-Sender MySports zu verfolgen. In Österreich zeigt ORF eins den Lauf von Rom in voller Länge.

Traditionsgemäß bietet e-Formel.de zu jeder Session außerdem einen Live-Ticker an, der sich ideal als Second-Screen während der Fernsehübertragungen eignet oder dich mit allen Informationen versorgt, wenn du die Sessions nicht im Live-Bild verfolgen kannst. Über unseren hauseigenen WhatsApp-Formel-E-Service verpasst du ebenfalls nichts aus Rom - melde dich noch heute an!

Wetter

Nachdem es in den ersten vier Formel-E-Saisons kein einziges Regenrennen gab, besteht in diesem Jahr auch in Rom die Gefahr, dass Regen- oder sogar Gewitterschauer aufziehen könnten. Der italienische Frühling treibt das Thermometer nach einem frischen Morgen bis zum Rennstart auf Werte zwischen 18 bis 20 Grad Celsius. Durchaus ist mit mehreren Sonnenstunden zu rechnen. Dennoch können auch Regenwolken aufziehen, die sich im Verlaufe des Nachmittages zu einem Gewitter auftürmen könnten.

Rom: Fast Facts

  • Rom blickt auf eine mehrere Jahrtausende lange Geschichte zurück. Als Hauptstadt des Römischen Reiches war die Stadt am Tiber im Jahre 117 n. Chr. das Verwaltungszentrum für ein Imperium mit einer Größe von rund sechseinhalb Millionen Quadratkilometern - mehr als 18 Mal so groß wie Deutschland.
  • Trotz der fast unvorstellbaren Größe des Römischen Reiches und einer schon recht zivilisierten Gesellschaft lag die Lebenserwartung im antiken Rom nur zwischen 20 und 30 Jahren.
  • Einem Volksglaube zufolge bringt es Glück, Münzen über die Schulter in den Trevi-Brunnen im Stadtzentrum Roms zu werfen. Täglich fischen Stadtbeauftrage deshalb rund 3.500 Euro aus dem Brunnen, die an die Caritas gespendet werden.
  • Insgesamt nahmen vier italienische Fahrer an mindestens einem E-Prix der Formel E teil: Michela Cerrutti (4 Starts), Vitantonio Liuzzi (7), Luca Filippi (11) und Jarno Trulli (12).
  • Der Apenninwolf, das Nationaltier Italiens, kann im Sprint Geschwindigkeiten von über 50 km/h erreichen. Für eine Runde auf dem Kurs in Rom bräuchte er damit rund 3:25 Minuten - etwa doppelt so lang wie ein Formel-E-Auto.

Prognose: Alles auf Anfang

Die Vorzeichen vor den "European Races" könnten kaum vielversprechender sein: Antonio Felix da Costa hat an der Spitze der Fahrerwertung gerade einmal einen Punkt Vorsprung auf Jerome d'Ambrosio. Weniger als zehn Zähler dahinter lauern Vergne, Bird, di Grassi und Mortara. Doch auch Abt, Frijns, Lotterer, Evans und Wehrlein haben mathematische Chancen auf die Gesamtführung nach dem Rom E-Prix. Insgesamt elf Piloten könnten somit nach dem Italien-Wochenende auf Platz 1 in der Meisterschaft liegen. Kurzum: alles auf Anfang.

Nach einem Performance-Tief im ersten Saisondrittel ist Jean-Eric Vergne ohne Frage auch in Rom einer der Favoriten. Gleichermaßen sollte man aber auch Andre Lotterer, den DS-Teamkollegen des Sanya-Rennsiegers, nicht außer Acht lassen. In den letzten zwei E-Prix schien das französisch-chinesische Team zu seiner Saisonstart-Form von Diriyya zurückgekehrt zu sein. Einen klaren Beweis für diesen Eindruck muss DS allerdings noch liefern. Wenn es für die Mannschaft auch in Rom gut läuft, etablieren sich die Schwarz-Goldenen endgültig als ernst zu nehmender "Player" im Kampf um den Team-Titel.

Ebenso gefährlich sind jedoch auch die deutschen Hersteller Audi (samt Kundenteam Virgin) und BMW, die nach einem durchschnittlichen Resultat in China zurückschlagen wollen. Nissan ist genauso hungrig und wird nach starken Rennen in Chile, Mexiko, Hongkong und Sanya, in denen die Ergebnisse nicht die tatsächliche Performance widerspiegelten, alles auf eine Karte setzen.

Spannend wird es außerdem für Mahindra Racing. Nach dem starken Saisonauftakt erlebte der indische Rennstall in Asien zwei Rennwochenenden zum Vergessen. Das Katastrophen-Rennen von Hongkong ist inzwischen jedoch vergessen. Wenn es das Team schafft, durch den von Pascal Wehrlein vorgegebenen "Schritt zurück" in Rom zurück an die Spitze zu finden, sind auch sie ein Kandidat für die Meisterschaft. Klappt das Comeback nicht, bleibt in der schnelllebigen Europa-Saison nur wenig Zeit, um sich von einem schlechten Rennen zu erholen.

Überhaupt wird uns in den kommenden Wochen und Monaten das Thema "Momentum" wie kaum ein zweites beschäftigen. Es liegt zu wenig Zeit zwischen den Rennen, als dass allzu große Änderungen an der Software der Fahrzeuge vorgenommen werden können. Der Rom-Gewinner wird Schwung nach Paris mitnehmen und dadurch womöglich bessere Chancen für Monaco und Berlin haben. Die "Mission Formel-E-Champion 2019" beginnt für Felix da Costa und Co. am kommenden Wochenende in Rom. Hochspannung ist garantiert!

Erinnerung: e-Formel.de bietet auch in der Saison 2018/19 ein Tippspiel zur Formel E an. Wer bei unserer kostenlosen Community-Tippspiel-Runde mitmachen möchte, hat noch bis zum Wochenende Zeit, seine Tipps abzugeben oder sich gegebenenfalls neu anzumelden.

von Tobias Bluhm 

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