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Exklusiv: Formel-E-Rennen in München angeblich beschlossene Sache

Die Formel E fährt 2018 allem Anschein nach in München. Das hat 'e-Formel.de' aus gut informierten Kreisen erfahren. So sollen sich die bayrische Hauptstadt und die elektrische Rennserie einig sein und sogar bereits einen Vertrag unterschrieben haben. Das Rennen soll tatsächlich auf der Theresienwiese veranstaltet werden, wo jährlich das weltbekannte Oktoberfest stattfindet. Renntermin ist aller Voraussicht nach der 19. Mai 2018.

Was aus dem Berlin ePrix wird, ist bislang unklar. Wie wir allerdings erfahren haben, ist die Hauptstadt trotz den Entwicklungen in München noch nicht aus dem Rennen. So verfolge die Formel E durchaus die Absicht, im kommenden Jahr möglicherweise sogar zwei ePrix auf deutschem Boden zu organisieren, berichtet unsere Quelle. Nach unserem Kenntnisstand ist in der Causa Berlin allerdings noch keine Entscheidung gefallen. Weiterhin ist offen, ob die Formel E in Saison vier abermals in Tempelhof fährt, sich einen neuen Straßenkurs in der Hauptstadt sucht oder Berlin nach drei Jahren verlässt.

Im Rennkalender für Saison vier wäre momentan noch ein Termin für ein mögliches zweites deutsches Rennen frei: Der 9. Juni 2018 ist definitiv für einen ePrix gesetzt, allerdings ist der Austragungsort noch völlig offen. Die heißesten Kandidaten für den vakanten Slot waren bislang Zürich (Schweiz) und Moskau (Russland). Nun wäre auch Berlin vorstellbar, dies ist jedoch reine Spekulation. Ein potenzieller München ePrix dürfte jedenfalls auf den Mai-Termin fallen.

Der im Mai von 'BILD' enthüllte Streckenentwurf für München sieht ein Event auf den Verbindungswegen der Theresienwiese unterhalb der Bavaria vor. In die Strecke einbezogen wäre ein Teil des Bavariarings, der offenbar als Start- und Zielgerade fungieren soll. Die Strecke enthält mehrere 90-Grad-Kurven und kurzen Geraden. Insgesamt soll der Kurs 2,4 Kilometer lang sein. Auch der Münchener Olympia Park war Berichten zufolge eine Option für die Formel E, ist mittlerweile nach unserem Wissen aber definitiv aus dem Rennen.

Beobachter der Formel E dürften sich wundern über die Location-Wahl der Rennserie, die sich eigentlich als "Electric Street Racing" bezeichnet und stets versucht, auf engen Straßenkursen zu fahren. Die Theresienwiese könnte demnach dieselbe Kritik erwarten wie seit jeher Tempelhof: Zwar ließe sich die Großveranstaltung gut organisieren und wäre optimal an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden, doch den eigentlichen Charme der Formel E spiegelt die große Freifläche auf den ersten Blick nicht wider.

"Klar würde ich lieber die Maximilianstraße entlangfahren, aber man muss immer abwägen, was machbar ist, und das Bestmögliche aus den Gegebenheiten machen", sagt Formel-E-Fahrer Daniel Abt gegenüber 'e-Formel.de'. "Grundsätzlich bin ich schon ein Fan von Rennen in der Innenstadt, das habe ich bezüglich Berlin auch immer gesagt. Die Theresienwiese ist aber sicher nicht die schlechteste Option. Ich glaube schon, dass man das gut aufziehen kann und dass wir gesehen werden."

Venturi-Pilot Maro Engel sieht es ähnlich wie sein Landsmann: "Generell ist es natürlich fantastisch, in die Innenstädte reinzugehen und dort zu fahren", sagt der 31-Jährige im Exklusiv-Interview mit 'e-Formel.de'. "Ich persönlich finde es aber gar nicht schlimm, zum Beispiel in Tempelhof zu fahren. Vor allem ist das Layout ziemlich geil geworden. Man kann völlig frei designen, das ist der Vorteil einer größeren Freifläche." Auf der Theresienwiese wäre die Formel E allerdings an feste Wege gebunden.

Berlin oder München? Hauptsache Deutschland!

Sowohl für Abt als auch für Engel wäre München mehr Heimrennen als Berlin: Abt kommt aus Kempten (Allgäu) und hatte im Gespräch mit uns schon in Saison eins von einem München ePrix geträumt. Engel kommt ursprünglich sogar aus der bayrischen Hauptstadt, wenngleich er in Monaco lebt. Trotzdem sind sich beide einig, worauf es ankommt: "Es ist schön, dass es auch nächstes Jahr einen ePrix in Deutschland geben wird", sagt Engel.

"Berlin war in den letzten Jahren sehr gut und erfolgreich, aber München wäre sicherlich auch fantastisch", fährt er fort. "Es ist eine tolle Stadt und gleichzeitig mein Geburtsort. Ich überlasse es gern den Verantwortlichen, diese schwierige Entscheidung zu treffen, aber ich glaube, wir werden in beiden Fällen wieder ein Riesenrennen für Deutschland bekommen."

Auch Abt könnte mit beiden Optionen gut leben: "Natürlich wäre München eher ein Heimrennen für mich als Berlin, aber grundsätzlich finde ich beide Städte gut. Berlin ist schon auch eine Stadt, die ich sehr gerne mag und in der ich immer mehr Zeit verbringe", erklärt der ABT-Pilot. "Beide Optionen sind gut, und das Wichtigste ist, dass wir ein deutsches Rennen haben. Ich hätte auch nichts gegen zwei deutsche Rennen, das müssen aber andere entscheiden."

Ob es am Ende tatsächlich zwei ePrix in Deutschland geben könnte, wird sich zeigen. München scheint jedenfalls schon mal in trockenen Tüchern zu sein. Verständlich, denn für zahlreiche deutsche Unternehmen, die sich in der Formel E engagieren, läge die bayrische Landeshauptstadt näher. Marken wie Audi, BMW, Allianz, Schaeffler, ZF, Würth Elektronik und viele mehr sitzen allesamt in Süddeutschland und dürften sich über ein Rennen in München freuen. Sobald es eine offizielle Bestätigung für den/die deutschen ePrix gibt, erfährst du es natürlich sofort bei uns.

von Timo Pape  

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Kommentar von Tobias Wirtz |

Ich kann mir einen München ePrix auf der Theresienwiese als Ersatz für das Tempelhof-Rennen nicht vorstellen - als einziger größerer Kritikpunkt des rundum gelungenen und auch sehr gelobten Events in Berlin wurde ja die Tatsache angesehen, dass man nicht in der Innenstadt fährt. Das würde man in München aber dann ebenfalls nicht tun - also warum dann überhaupt der Wechsel? Zumal man mit dem Regierenden Bürgermeister in Berlin einen absoluten Fürsprecher des Rennens in der Politik hat. Das deutet für mich eher auf einen zweiten ePrix in Deutschland hin - womit auch klar wäre, warum es 2018 keinen Double-Header mehr in Deutschland geben soll.

Bei allen anderen Rennen, die es in den Rennkalender schaffen, gab es viele Monate vor der Bekanntgabe Treffen von lokalen Politikern (Bürgermeister etc.) mit Alejandro Agag und anderen hochrangigen Mitarbeitern der Formel-E-Organisation. Santiago de Chile oder Rom möchte ich hier einmal als Beispiele für neue Rennen in der kommenden Saison nennen. Wie kommt denn die schnelle Einigung mit der Stadt München zustande?

Noch vor vier Wochen, also kurz vor dem Rennen in Berlin, dementierten sowohl das Münchener Referat für Arbeit und Wirtschaft, als auch das Referat für Sport und Bildung, dass es überhaupt Kontakt mit den Organisatoren der Formel E gebe. Und ohne die Beteiligung dieser Behörden könnte eine solche Veranstaltung sicherlich nicht geplant werden. Oder waren das alles Aussagen a la "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten"?

Ich bin auf jeden Fall auf die weitere Entwicklung gespannt. Mit dem 19. Mai würde man ja zumindest der Meisterfeier des FC Bayern aus dem Weg gehen, die Bundesliga-Saison endet ja bekanntlich eine Woche vorher ;-)

Kommentar von Timo |

Wie immer gute Punkte, Tobi. Wir gehen davon aus, dass das Dementi der Stadt uns gegenüber nur die offizielle Aussage war. Die Gespräche laufen schon ziemlich lange. Da Berlin allerdings noch nicht entschieden ist, wird es ein offizielles Treffen mit Agag und Co. wahrscheinlich erst in einer ganzen Weile geben.

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