Extreme-E-Launch-Ship-London

Extreme E: 9 Automobilhersteller verfolgten Launch-Präsentation in London

Ende Januar stellte sich die neue Elektrorennserie Extreme E erstmals der Öffentlichkeit vor. Auf der St. Helena, einem Schiff, das der Rennserie in Zukunft als schwimmendes Paddock dienen wird, erfuhren Journalisten und geladene Gäste erste Details zum ambitionierten Rennprojekt. Darunter seien auch insgesamt neun namhafte Automobilhersteller gewesen, wie Formel-E-Gründer und Extreme-E-Mitbegründer Alejandro Agag kurz nach der Präsentation verriet.

"Die neun Hersteller, die den Launch besucht haben, sind allesamt äußerst seriös und sehr groß. Sie zählen zu den üblichen Verdächtigen, wenn man so will", wird Agag bei 'Motorsport.com' zitiert. "Ich weiß allerdings noch nicht, wie viele von ihnen es wirklich ernst meinen mit einem Einstieg." Bislang gebe es keine festen Zusagen seitens der Automobilindustrie, "aber wir arbeiten gerade an einem Vertrag, mit dem die Teams einsteigen können", so Agag.

Ein Autobauer, der die Präsentation in London besuchte, ist Bentley. Die Briten evaluieren derzeit ihre Motorsportstrategie und interessieren sich hierbei auch für elektrische Rennserien. "Wir sind hingegangen, um uns das anzuhören", erklärt Bentley-Motorsportchef Brian Gush bei 'e-racing365'. "Ich habe einen meiner Ingenieure hingeschickt. Schauen wir mal - das könnte ein interessantes Projekt sein."

Bentley will bis 2025 seine gesamte Modellpalette elektrifizieren und stellte kürzlich seinen SUV Bentayga als Hybrid-Variante vor. "Wenn sich der Markt in diese Richtung bewegt, dann müssen wir mit dem, was wir verkaufen, auch Rennen fahren. Es geht immer nur darum, eine Marke aufzubauen. Aber ich glaube, so genau wurden die Regeln der Extreme E noch gar nicht definiert", sagt Gush.

Tatsächlich sind Agag und Co. gerade erst dabei, das Sportliche und Technische Reglement für die Extreme E zu finalisieren. "Sobald wir das haben, müssen sich die Hersteller ernsthaft damit auseinandersetzen und eine Studie machen (ob ein Engagement sinnvoll wäre)", erklärt Agag.

Vergne will als Fahrer & mit eigenem Team einsteigen

Interesse an der Extreme E zeigt auch der amtierende Formel-E-Meister Jean-Eric Vergne. Gemeinsam mit weiteren Geschäftspartnern hat sich der Franzose offiziell als Interessent registriert, um mit einem eigenen Team einzusteigen. Beim Event in London war Vergne nicht persönlich vor Ort, wohl aber Vertreter von Veloce Sports, einer Firma, bei der Vergne Partner ist.

"Das ist eine fantastische Idee - ich liebe sie", meint Vergne ebenfalls bei 'e-racing365'. "Ich wäre sehr gern als Fahrer dabei, und mit einem (eigenen) Team wäre das möglich. Sollte ich gut genug in solchen Autos sein, dann könnte ich es vielleicht tun, sofern wir einsteigen. Aber es könnte auch genauso gut sein, dass wir jemanden finden, der geeigneter für diese Art von Rennsport ist - dann würden wir vielleicht auf ihn setzen. Ich schaue mir das mit einigen Partnern und Investoren sehr genau an. Es ist aber noch viel zu früh, um über Details zu sprechen", so Vergne.

Im Dunstkreis der Formel E gibt es offenbar noch mehr Interessenten. So sollen die Mannschaften von ABT Sportsline und Andretti Autosport ebenfalls an Plänen arbeiten, um in die Extreme E einzusteigen. Andere Hersteller und Teams schlossen indes zumindest einen Einstieg zur Debütsaison aus, die im Januar 2021 losgehen soll.

BMW wartet ab, Agag startet notfalls auch ohne Hersteller

Dazu zählen BMW, Jaguar, NIO und Virgin. BMW wolle Extreme E aber im Auge behalten, verrät Motorsportchef Jens Marquardt gegenüber 'e-racing365': "SUVs sind im Kommen, und das Konzept ist sicher interessant. Wir werden sehen, was passiert, müssen hier aber nicht zu den 'First Movers' gehören. Unser Fokus liegt klar auf der Formel E."

Egal, wie viele Hersteller sich für die erste Saison der Extreme E einschreiben - Agag will in jedem Fall an seinen Plänen festhalten: "Ich werde diese Meisterschaft falls nötig auch ohne Herstellerunterstützung starten, dann eben nur mit unabhängigen Teams. Das wird nicht der entscheidende Faktor sein." An dieser Stelle könnten Mannschaften wie ABT, Andretti oder Vergne mit seinem Team ins Spiel kommen… "Extreme E wird passieren. Wenn wir dann Hersteller an Bord haben - gut. Wenn nicht, kommen sie hoffentlich später", so Agag.

Video: Welcome to Extreme E

von Timo Pape 

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