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Extreme-E-Boss Agag: Ohne COVID-19 hätten wir 1 oder 2 Hersteller an Bord

Der Motorsport leidet unter den wirtschaftlichen Konsequenzen der Coronavirus-Pandemie. Die DTM steht nach dem Ausstieg Audis vor dem Ende, die Jaguar I-Pace eTrophy wurde am Dienstag bereits gänzlich eingestampft. Extreme E, die neue Offroad-Rennserie von Alejandro Agag, ist zwar noch "auf Kurs", spürt die Krise allerdings ebenfalls.

"Ich denke, wir werden in Saison 1 noch keinen Hersteller an Bord haben", erklärt Seriengründer Agag im Exklusiv-Interview mit 'e-Formel.de'. "Wenn es COVID nicht gegeben hätte, glaube ich, dass wir einen oder zwei gehabt hätten. Aber so warten die Hersteller erst einmal ab."

Das tut auch Agag. Denn eine ähnliche Situation hat er in den vergangenen Jahren schon einmal erlebt - als er die Formel E aufbaute. "Es ist ähnlich wie in der Formel E: Hersteller schauen in Saison 1 erst einmal, ob die Meisterschaft eine gute Option für sie wäre. Erst dann steigen sie ein", erinnert sich der Spanier an sein erstes "Baby", das 2014 ebenfalls ohne Werksteam loslegte.

Erst in den Folgejahren stiegen immer mehr OEMs ein. Heute sind es acht internationale Hersteller, die in der Formel E an den Start gehen: Audi, BMW, Mercedes, Porsche, DS, Nissan, Jaguar und Mahindra. Nirgendwo im globalen Motorsport gibt es mehr innerhalb einer Serie. "Ich halte es für wahrscheinlich, dass für Saison 2 ein paar Hersteller an Bord kommen", prophezeit Agag auch der neuen Extreme E.

An interessierten Teams mangelt es Extreme E trotz der aktuellen Krise nicht - zumal sich die meisten von ihnen schon vor Corona eingeschrieben hatten. Sieben von acht angepeilten Teams für Saison 1 wurden bereits bestätigt. Ein Rennstall fehlt derzeit noch, doch Agag ist zuversichtlich, dass der achte und vorerst letzte Startplatz nicht mehr lange vakant sein wird. "Wir führen aktuell Gespräche mit vier Teams", verrät er.

Saisonstart könnte sich um wenige Wochen verschieben

Ob die Coronavirus-Pandemie Auswirkungen auf den ersten Rennkalender von Extreme E haben wir, ist noch nicht abzusehen. Fakt ist jedoch, dass der Entwicklungszeitplan bis zur Debütsaison nicht eingehalten werden kann. Dieser sah vor, dass die Teams in diesem Frühjahr ihre Autos samt Batterien erhalten hätten. Für den Sommer waren kollektive Testfahrten geplant, anschließend ein erstes Testrennen. Dann sollten die Autos im Herbst verschifft werden.

Dass die Verzögerungen signifikante Auswirkungen auf die Debütsaison haben werden, glaubt Agag trotzdem nicht: "Vielleicht werden wir den Kalender noch ein bisschen anpassen, doch dann reden wir von Wochen, mehr nicht. Er (der Saisonstart) steht nicht auf der Kippe, auch wenn wir ihn unter Umständen in den Februar verschieben könnten. Nach aktuellem Stand sind wir noch im Zeitplan und werden mit Extreme E am angesetzten Termin (22. bis 24. Januar 2021 im Senegal) starten."

Die COVID-19-Situation sei allerdings dauerhaft, "und es gibt jeden Tag wieder irgendwelche Veränderungen", gibt der 49-Jährige zu bedenken. "Der Saisonstart im Jahr 2021 steht außer Frage - zumindest noch. Aber wer weiß das schon genau? Prinzipiell arbeiten wir mit der Grundannahme, dass alles wie geplant läuft. Und ich denke, das wird es auch. Aktuell sind wir noch auf Kurs", so Agag.

Foto: Extreme E

von Timo Pape  

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