Audi-e-tron-Abu-Dhabi-Test

Fahrbericht zum Audi e-tron: Vorsprung durch Formel-E-Technik?

Heute mal was anderes: ein klassischer Blog-Post - back to the roots, quasi. Nach dem Formel-E-Auftakt in Saudi-Arabien Mitte Dezember lud Audi zur Fahrveranstaltung nach Abu Dhabi ein. Im Fokus: der neue Audi e-tron, das erste Serien-Elektroauto der Ingolstädter. Gemeinsam mit vielen anderen Journalisten, Bloggern und Influencern hatten wir die Möglichkeit, das SUV unter verschiedenen Strecken-Bedingungen zu testen. Neben dem Fahrverhalten hat uns auch der Technologie-Transfer mit der Formel-E-Abteilung interessiert.

Der Morgen beginnt früh mit einer technischen Einführung sowie Erklärungen zur geplanten Route. Startpunkt für die Tagesfahrt ist Masdar City, eine der nachhaltigsten Städte weltweit, rund 30 Kilometer von Abu Dhabi entfernt. Hier hat unter anderem die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) ihren Hauptsitz. Masdar City ist der ökologische Vorreiter für die Städte der Zukunft, denn hier werden Lösungen für Energie, Wassereffizienz, Abfallwirtschaft und Mobilität praktisch erprobt – Pionierarbeit der Stadtentwicklung. Ein passender Ausgangspunkt für die Fahrzeugübergabe.

Kurz vor dem Start tauschen wir noch das Auto mit Daniel Abt, da der Audi-Formel-E-Fahrer für seinen YouTube-Kanal gern mit einem roten e-tron drehen würde. Kein Problem, der sandfarbene Lack gefällt uns ohnehin besser. Dann geht es los in Richtung Jebel Hafeet - der zweithöchste Berg der Vereinigten Arabischen Emirate, dessen geschlängelte Straßen ein bisschen an Pikes Peak erinnern. Auf einer gut zweistündigen Fahrt - vornehmlich auf Autobahn-ähnlichen Schnellstraßen - lernen wir die Vorzüge des Elektro-SUV kennen: keine bemerkenswerten Motorengeräusche, kaum Windgeräusche, nur angenehme Stille. Das Audi-typische hochwertige Interieur rundet ein entspanntes Reisegefühl ab.

Der Berg ruft

Am Jebel Hafeet angekommen bekommen wir eine weitere technische Einweisung sowie Tablets, auf denen die Live-Telemetrie des Fahrzeugs zu sehen ist. Der Fokus wandert nun auf die Sportlichkeit des Audi e-tron sowie auf die verschiedenen Möglichkeiten, Energie zu rekuperieren. Zunächst geht es bergauf bis zum Gipfel des Berges. Dank der Batteriezellen im Fahrzeugboden und dem damit verbundenen tiefen Schwerpunkt fühlt sich der Audi e-tron echt sportlich für ein SUV an.

408 PS beschleunigen den Audi e-tron kraftvoll den Berg hinauf. Auf gerader Strecke erreicht er die 100 km/h dank Elektroantrieb in 5,7 Sekunden - ein respektabler Wert für ein SUV. Im Vergleich zu manch anderem E-Auto schafft der e-tron dies auch mehrmals hintereinander und läuft dabei dank ausgeklügelter Kühlung nicht heiß. In der Spitze erreicht der Audi e-tron übrigens 200 km/h, die er rund 20 Minuten lang durchhalten kann, bevor die beiden Elektromotoren langsam zurückstecken müssen.

Die Rekuperation lernen wir anschließend bei der Fahrt zurück ins Tal kennen und stellen uns der Herausforderung, möglichst viel Reichweite durch cleveres Rekuperieren zurückzuerhalten. Fast fünf Kilometer mehr holen wir durch die rückgewonnene Energie heraus. Audi erklärt: "Bei durchschnittlich mehr als 90 Prozent aller Verzögerungen arbeiten die E-Maschinen als Generator und wandeln die Bewegungsenergie des SUV in elektrische Energie um. Damit trägt das System bis zu 30 Prozent zur Reichweite bei." Es entscheide dabei je nach Fahrsituation, ob das Auto mit E-Maschine, Radbremse oder einer Kombination aus beidem verzögert – und das individuell an jeder Achse.

Ab ins Gelände

Nach einer Mittagspause im "Desert Learning Center", einer Art Konferenzzentrum im Abu Dhabi Zoo, inklusive Pressekonferenz und Virtual-Reality-Demos bereiten wir uns auf die nächste Challenge vor. In einer Kolonne fahren wir auf Safari ins Gelände. Der Offroad-Modus des Audi e-tron, der auf Knopfdruck das Fahrwerk verstellt, erlaubt echte "Klettereinlagen": An einer Schräge rollen wir mit erheblicher Neigung voran. Ein mulmiges Gefühl, doch der e-tron bleibt stabil und kippt nicht zur Seite um.

Zurück im Desert Learning Center unterhalten wir uns mit verschiedenen Entwicklern des Audi e-tron und fragen nach Gemeinsamkeiten zwischen dem Formel-E-Auto Audi e-tron FE05 und dem Straßen-SUV. Gerade im Bereich der Rekuperation und der Software gebe es diverse Gemeinsamkeiten, erklärt man uns. Audi setzt auf einen permanenten Austausch zwischen Serien- und Rennstreckenentwicklung und profitierte auch bei der Entwicklung der Audi e-tron vom gewonnen Know-how aus der Formel E.

"Motorsport war für Audi immer ein Laboratorium für die Serientechnologie und eine der wichtigsten Talentschmieden für Ingenieure", erklärt uns ein Audi-Sprecher. Gerade mit Blick auf Effizienz und Leistungsausbeute unter Extrembedingungen sei die Erfahrung aus dem Motorsport ein "essentieller Baustein für die Serienentwicklung". Ein bisschen nach Formel E hat sich die Talfahrt am Jebel Hafeet tatsächlich angefühlt. Dafür sorgten neben der schnellen Beschleunigung und dem mittlerweile so vertrauten, coolen Elektrosound vor allem die verschiedenen Möglichkeiten, Energie zu rekuperieren. Ein essentieller Aspekt während eines Formel-E-Rennens.

Sonnenuntergang in den Dünen

Dann machen wir uns auf den Rückweg mit geplantem Stopp in den Sanddünen des Emirats. Ein Fotoshooting im Sonnenuntergang, so der Plan. Doch wir verpassen eine Ausfahrt und müssen 30 Kilometer weiterfahren als angedacht. Einen Abstecher in die Dünen auf eigene Faust gönnen wir uns trotzdem noch. Zumindest ein paar nette Handy-Fotos. Dann wird es dunkel, und wir machen uns auf den Weg zurück nach Abu Dhabi. Nach einer Zwischenladung in der Mittagspause haben wir noch immer ausreichend Energie für gut 150 Kilometer auf der Batterie-Anzeige.

Die Reichweite - der Audi e-tron kommt mit vollem Akku gut 400 Kilometer weit - ist somit auch bei einem ganztägigen Trip kein Problem, sofern sich zwischendurch irgendwo eine "Oase" zum Auftanken finden lässt. Nichtsdestotrotz lässt sich der Gedanke, mit leerem Akku in der Wüste liegen zu bleiben, nicht ganz wegwischen.

Zurück in den Etihad Towers von Abu Dhabi rekapitulieren wir gemeinsam mit anderen Kollegen den Tag. Der Eindruck vom Audi e-tron ist gut. Vieles fühlt sich ganz "normal" an, eben wie in einem gewohnten Verbrenner-SUV aus Ingolstadt. Doch das Elektroauto bringt zusätzlich einige Vorteile mit sich: ein noch entspannteres Reise-Feeling, kraftvolle Beschleunigung und das smarte Gefühl, im Verkehr von Abu Dhabi ein Vorreiter zu sein. Gerade an der Ampel neben einem Ferrari.

Die Fahrveranstaltung in Abu Dhabi erfolgte auf Einladung von Audi. Die Kosten für die Reise wurden übernommen.

Foto: Audi Communications

von Timo Pape 

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