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Fahrerstimmen zur neuen Energie-Regel: "Es wird für zivilisiertere Rennen sorgen"

Eine der größten Änderungen des Sportlichen Reglements in der kommenden Saison ist der Energieabzug, den alle Fahrer im Falle einer Full-Course-Yellow-Phase oder bei einem Safety-Car hinnehmen müssen. Für jede volle Minute, die bei reduziertem Tempo gefahren wird, entzieht die Rennleitung den Fahrern eine Kilowattstunde von ihrer verfügbaren Restenergie. Bei den Vorsaison-Testfahrten in Valencia hatte 'e-Formel.de' die Gelegenheit, mit mehreren Fahrern über die neue Regel zu sprechen. Sie hatten die neue Regel erstmals am Mittwoch bei künstlich herbeigeführten FCY- und Safety-Car-Phasen im Rahmen der Rennsimulation in der Praxis erlebt.

Alle befragten Fahrer äußerten sich dabei positiv: "Ich finde, das ist eine gute Sache", meint Virgin-Fahrer Robin Frijns. Andre Lotterer, der für die neue Saison von DS Techeetah zu Porsche wechselte, pflichtet ihm bei: "Ich denke, das ist interessant." Auch Lotterers Teamkollege Neel Jani ist sehr angetan: "Ich finde es gut, dass wir beim Safety-Car und der Full-Course-Yellow Energie verlieren." Und auch Venturi-Pilot Edo Mortara schließt sich an: "Ich halte es für eine sehr gute Regel und eine sehr gute Sache. Die Formel E geht wirklich in die richtige Richtung."

Rennen werden "fairer"

"Es geht damit wieder mehr in die Richtung der vierten Saison, als die Energieeffizienz eine große Rolle spielte. Das wird für zivilisiertere Rennen sorgen, denn letzte Saison konnte man gut pokern und auf eine FCY oder ein Safety-Car hoffen, indem man zu Rennbeginn viel Energie verbrannt hat", erklärt Lotterer. Jani sieht dies ähnlich: "Das Rennen wird nach einem Safety-Car nicht mehr mit Vollstrom zu Ende gefahren, sondern wir müssen immer noch mit der Energie haushalten. Das gibt dir mehr Möglichkeiten, taktisch zu fahren."

Frijns denkt mit Unbehagen an Saison 5 zurück, als die Hoffnung auf eine späte Safety-Car-Phase immer wieder zu fragwürdigen Rennstrategien geführte: "In der letzten Saison haben einige Fahrer, die von hinten oder aus dem Mittelfeld gestartet waren, auf ein Safety-Car spekuliert. Sie haben (früh) die ganze Energie verwendet, während die übrigen Fahrer durchgängig gespart haben. Als das Safety-Car rausgekommen ist, haben sie fünf oder sechs Positionen gewonnen und konnten das Rennen dort beenden. Ob das fair ist oder nicht - es war blankes Spekulieren, auf das wir uns nie eingelassen haben. Diese Möglichkeit gibt es jetzt nicht mehr."

Venturi-Pilot Mortara ergänzt: "Ich denke, es wird die Rennen interessanter machen, aber wir müssen noch mehr Aufmerksamkeit auf das Energiemanagement richten."

Wird Überholen einfacher? Die Fahrer sind sich uneinig

Wie sich die neue Regel auf das Überholen auswirken wird, schätzen die Fahrer jedoch unterschiedlich ein. Lotterer zeigt sich hier optimistisch: "Die Stadtkurse sind so eng, dass das Formel-E-Prinzip mit dem Energiesparen ein gutes Rezept ist, um Überholmöglichkeiten zu generieren." Frijns widerspricht dem: "Durch die neuen Regeln wird das Überholen zwar etwas schwieriger, aber es wird fairer. Stattdessen wird der Attack-Mode aus strategischer Sicht wertvoller, um nach vorne zu kommen."

Jani ist hier deutlich zuversichtlicher: "Es gibt dir mehr Möglichkeiten, taktisch zu fahren. Überholen wird etwas einfacher, ohne sich den Weg komplett freischubsen zu müssen. Diese Entwicklung scheint in die richtige Richtung zu gehen." Zum ersten Mal kommt die Regel beim Saisonstart der Formel E in Diriyya (Saudi-Arabien) am 22. November zum Tragen. Dann werden wir die Auswirkungen besser bewerten können.

von Tobias Wirtz 

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