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Formel-E-Boss Alejandro Agag: "Die Welt verändert sich in unsere Richtung"

Als Formel-E-Chef Alejandro Agag 2012 bekanntgab, dass er eine neue vollelektrische Rennserie einführen werde, ahnten nur wenige, wie schnell sie wachsen würde. Der frühere Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sei der lauteste von vielen Kritikern gewesen, die voraussagten, dass die Idee einer elektrischen Rennserie schnell verpuffen würde, erinnert sich Agag.

"Ich erinnere mich, dass Bernie Ecclestone zu mir meinte: 'Du schaffst niemals dein erstes Rennen'", sagte Agag kurz vor dem Hongkong E-Prix in London. Inzwischen hat die Formel E ihr 50. Rennen hinter sich gebracht und damit einen bemerkenswerten Meilenstein erreicht. "Das 50. Rennen ist ein gewaltiger Moment für uns", so Agag.

Ecclestone, der fast 40 Jahre lang Geschäftsführer der Formel 1 war, ist nur einer von vielen, die eines Besseren belehrt wurden. "Ich habe für Bernie in jeder Hinsicht die höchste Wertschätzung - als Freund, als Geschäftsmann, als Erfinder der Formel 1. Eine Woche vor meinem ersten Rennen sagte er zu mir: 'Ich bin froh, dass du Recht hattest und ich falsch lag'", erklärt Agag.

Die Formel E gilt als eine der am schnellsten wachsenden Sportarten der Welt. Laut Forbes lockte die Rennserie in der vergangenen vierten Saison mehr als 300 Millionen Zuschauer, die sich mindestens ein Rennen im Fernsehen angesehen haben. Durchschnittlich verfolgten 27,1 Millionen Zuschauer die einzelnen Rennen, eine enorme Steigerung gegenüber den 18,6 Millionen Zuschauern, die sich die jeweiligen Rennen in der Saison 2016/17 anschauten.

Große TV-Sender werden aufmerksam

Dieses Wachstum fällt auch den ganz großen Sendern auf. Während in Deutschland die ARD und das ZDF vereinzelte Rennen der Formel E im Free-TV zeigen werden, hat sich in Großbritannien erstmals die BBC an die E-Rennserie gewagt. "Es ist gewissermaßen das Sahnehäubchen auf der Torte, bei der BBC im Programm zu sein", sagt Agag. "Es zeigt, dass die Meisterschaft ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hat. Das ist gerade der beste Moment. Porsche und Mercedes kommen noch, beide treten nächstes Jahr an."

"Je mehr Menschen zu den Rennen gehen, desto mehr Fans verfolgen die Serie auch im Fernsehen, im Netz und in den sozialen Medien. Darüber hinaus erzielen wir allmählich erste Erfolge mit einigen wirklich großen Free-TV-Sendern", erklärt Agag. Die wahre Stärke der Formel E sieht der Spanier aber nicht im TV, sondern in einem anderen Bereich. Nach einem Gespräch mit dem CEO eines der größten Telekommunikationsunternehmen der Welt ist Agag davon überzeugt, dass die Priorität der Unternehmen das Wachstum des digitalen Publikums sei.

"Er hat sich nur darauf fokussiert", sagt der 48-Jährige. "Das Fernsehpublikum wächst in unserem Fall jährlich um vielleicht zehn, 20, 40 Prozent - aber der digitale Bereich wächst um 500 Prozent! Meine Kinder waren nicht vor Ort, als ich in Mexiko war. Zwei meiner Kinder haben das Rennen in Mexiko nicht gesehen, also sagte ich zu den Kids: 'Wie sollen wir jetzt das Mexiko-Rennen sehen, wenn wir es nicht auf Sky aufgenommen haben?' Meine Kinder schauten mich an, als wäre ich ein Idiot. Mein Sohn nimmt sein Handy, geht auf YouTube, öffnet Airplay, und das Rennen läuft im Fernsehen."

"Die Dinge ändern sich, und die Leute schauen sich zunehmend die Highlights an, anstatt Live-Rennen zu verfolgen", sagt Agag. "Man muss sich darauf einstellen, und die Kids - die neue Generation - haben das kapiert."

Formel E spiegelt Gesellschaftswandel

Das Wachstum der Formel E in den vergangenen 4,5 Jahren spiegelt sich in einer veränderten gesellschaftlichen Einstellung wider. Unternehmen sowie Einzelpersonen sind umweltbewusster geworden und suchen nach Wegen, umweltfreundlich zu handeln und ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Und der Übergang von Benzin und Diesel zu Elektroautos ist Teil dieses Wandels.

"Im Jahr 2012 hatten wir weltweit 190.000 Elektroautos auf der Straße", sagt Agag. "Prognosen zufolge werden wir mehr oder weniger sehr nahe an oder vielleicht etwas über acht Millionen kommen. Wir wachsen also von 190.000 auf acht Millionen." Natürlich seien acht Millionen immer noch sehr wenig im Vergleich zu insgesamt einer Milliarde Autos oder Fahrzeugen allgemein. "Aber von 190.000 auf acht Millionen ist ein riesiges Wachstum."

"Wenn man sich die ganzen Automarken anschaut, die ihre Produktionslinien modifizieren, um sich an die Elektromobilität anzupassen und Elektromotoren einbauen, wenn man sich das Pariser Klimaabkommen anschaut, wenn man sich die Vorschriften der Europäischen Union hinsichtlich CO2-Emissionen anschaut - die Welt verändert sich, und sie verändert sich in unsere Richtung."

Dieser Artikel ist ursprünglich im Englischen auf CNN.com erschienen und wurde e-Formel.de exklusiv im deutschsprachigen Raum zur Verfügung gestellt und leicht modifiziert. CNN berichtet regelmäßig über die Formel E im Rahmen seines Formats "CNN Supercharged".

von Timo Pape 

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Kommentar von EffEll |

Zitat:"Meine Kinder schauten mich an, als wäre ich ein Idiot. Mein Sohn nimmt sein Handy, geht auf YouTube, öffnet Airplay, und das Rennen läuft im Fernsehen."
Dann sollte Agag mal verraten, in welcher Region er und sein Junge sich gerade aufhielten.
Denn egal welche Region ich als VPN auch einstelle, die YouTube-Rennübertragung ist - im Gegenteil zur letzten Saison - nicht verfügbar.
Lediglich die Quali lässt sich noch schauen (Standort UK). Das Rennen jedoch nicht, egal welches Land ich auch auswähle. Ich würde sogar dafür bezahlen. Aber die offizielle Live-Übertragung (mein Favorit hauptsächlich wg des guten Kommentars und der Interviews) kann man leider nicht sehen.

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