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Formel-E-Gründer Agag im Interview: "Kostendeckelung auch für Hersteller"

Für die Formel E stehen wegweisende Entscheidungen auf der Agenda, darunter auch die Entwicklung des sogenannten Gen3-Autos, das ab 2022 zum Einsatz kommen soll. Vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie kündigt Alejandro Agag, Gründer und Vorsitzender der Elektroserie, im Exklusiv-Interview mit 'e-Formel.de' zudem an, die Kosten weiter senken zu wollen.

Die Bewerbungsfrist für interessierte Chassis- und Batteriehersteller ab Saison 9 ist Mitte April abgelaufen. Wie sehen die eingereichten Konzepte aus?

Wir haben wirklich gute Rückmeldungen auf die Ausschreibung erhalten. Ich bin mit dem Niveau sehr zufrieden, vor allem mit Blick auf die Batterie. Auch für das Chassis sind wieder die üblichen Verdächtigen dabei. Ich habe das Konzept für das Auto noch nicht selbst gesehen, denn das kommt erst im Anschluss an das Design der verschiedenen Komponenten.

Wie geht es an dieser Front weiter?

Die FIA schaut sich nun die Bewerbungen an und trifft sich (virtuell) mit den Interessenten - das ist schon spannend. Alles in allem sieht es gut aus. Wir haben die richtigen Leute an Bord, um ein fantastisches Auto für die dritte Generation auf die Räder zu stellen.

Wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 wurden bereits einige kostenreduzierende Maßnahmen beschlossen, um die Hersteller zu entlasten - etwa die Verschiebung des Facelifts "Gen2 EVO". Wie wahrscheinlich ist es, dass auch die für Ende 2022 geplante Einführung des Gen3-Autos nach hinten verschoben wird?

Das steht zur Diskussion. Ich würde es bevorzugen, sie nicht zu verschieben. Aber wir müssen auch die ganzen Interessen der Hersteller mit einbeziehen. Wir evaluieren gerade, ob man die Zahlungszeitpunkte innerhalb der Ausschreibungen neu timen könnte, wenn wir bei Saison 9 bleiben würden.

Wann wird hierzu eine Entscheidung fallen?

Ich denke, wir haben noch bis Anfang Juli Zeit, bevor wir hierzu eine Entscheidung treffen müssen, denn bis dahin würde ohnehin niemand Geld (für die Gen3-Entwicklung) ausgeben müssen. Wir werden sehen.

Derzeit wird ja sogar diskutiert, "Gen2 EVO" komplett zu streichen, wodurch jeder Hersteller rund 350.000 Euro einsparen würde (acht bis zehn Karosserien à 38.000 laut 'The Race'). Könnte es abgesehen von der Gen3-Verschiebung noch weitere Maßnahmen zur allgemeinen Kostenreduktion in der Formel E geben?

Ja, wir schauen uns noch weitere an. Persönlich gucke ich mir ganz genau die Kostendeckelung an, die die FIA für die Formel 1 einführen wird. Ich denke, das könnte auch für die Formel E gut funktionieren. Wenn es umsetzbar ist, wäre das sehr interessant für uns. Bisher ist nichts in Stein gemeißelt, aber das wäre meine persönliche Präferenz - ein sehr vielversprechendes System.

Bislang gelten die Budgetobergrenzen in der Formel E nur für die Teams. Werden künftig auch die Hersteller mit den viel größeren Budgets direkt eingeschränkt?

Oh ja. Es wird eine Kostendeckelung für die Teams und auch für die Hersteller geben, wie viel sie ausgeben dürfen, um die Technologien zu entwickeln.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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