Formel-E-Gründer Alejandro Agag: "In Generation 3 gehen wir voll auf Performance"

Mit der Saison 2022/23 startet die Formel E in ihre dritte Fahrzeuggeneration - das ist inzwischen final entschieden. Die Elektrorennwagen erhalten nicht nur deutlich mehr Leistung und ein völlig neues Chassis, sondern auch Schnelllade-Technologie von ABB für Boxenstopps während der Rennen. Im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz von ABB am Donnerstag, der auch e-Formel.de beiwohnte, gab Formel-E-Gründer Alejandro Agag einen Einblick in das Konzept von "Gen3" und den aktuellen Entwicklungsstand.

"Wir haben die Formel E auf einem Generationen-Modell aufgebaut", erklärt der Formel-E-Vorsitzende die "Technical Roadmap" seiner Serie. Dabei handelt es sich um einen über mehrere Jahre angelegten Entwicklungsfahrplan, den die Formel E in Absprache mit der FIA und den Herstellern seit Saison 1 verfolgt und stetig aktualisiert. Damals - 2014 - ging es allerdings noch um weniger komplexe Themen als Schnelllade-Boxenstopps mit 600 kW Leistung...

"Generation 1 musste einfach nur funktionieren", erinnert sich Agag an die Anfänge der Formel E. "Wir mussten mit irgendetwas starten und brauchten ein Auto, mit dem wir Rennen fahren können und nicht stehen bleiben." Dazu bedurfte es zweier Autos pro Rennen, weil der Akku mit 28 kWh nutzbarer Energie schlichtweg noch zu klein für eine gesamte Renndistanz war.

Auch die Performance der Fahrzeuge war für Agag und Co. damals eher nebensächlich. Im Rennen fuhr der Gen1-Bolide mit gerade einmal 180 kW Leistung - in Generation 3 wird die Formel E mit mindestens 300 kW im Rennmodus und 350 kW im Qualifying unterwegs sein. "Es ging uns nicht so sehr um die Leistung. Und wir brauchten zwei Fahrzeuge, um ein Rennen zu bestreiten. Es war die die Steinzeit des elektrischen Rennsports."

Generation 2 "eine Manifestation des Fortschritts"

Einen ersten großen Meilenstein erreichte die Formel E im Dezember 2018. Mit dem Diriyya E-Prix begann damals die Gen2-Ära. Der Autotausch gehörte dank des beinahe doppelt so großen Akkus von McLaren Applied Technologies (52 kWh) ab sofort der Vergangenheit an. Zudem stieg die Leistung auf maximal 250 kW. Mit dem "Batmobil" hob sich die Formel E darüber hinaus fortan optisch von anderen Formelsport-Serien ab.

"In der zweiten (Generation) ging es darum, die Reichweite zu erhöhen", erklärt Agag die Hauptmission der aktuellen Fahrzeuggeneration, die noch bis einschließlich Saison 8 "im Dienst" bleiben wird. Anstelle von zwei Fahrzeugen und einem Autotausch hätte man plötzlich ein ganz normales Rennen fahren können, denkt Agag zurück. "Das war ein sehr anschauliches Beispiel für die Entwicklung der Formel E - eine Manifestation des Fortschritts."

Gen3-Auto wird "die ultimative Technologie an Bord haben"

Auch wenn die Formel E auf eine positive Entwicklung in ihren ersten sechs Jahren zurückblicken kann - die "Technical Roadmap" gibt bereits die nächsten Ziele vor. Die neue Mission lautet, die Leistungsfähigkeit von Elektroautos in den Fokus zu rücken und die Entwicklung von Schnelllade-Technologie voranzutreiben. "Mit Generation 3 gehen wir aufs Ganze. Wir gehen voll auf Performance. Wir wollen zeigen, was diese Autos zu leisten imstande sind. Ein großer Teil dessen ist das Nachladen. Darum ist diese Partnerschaft (mit ABB) so wichtig für die Zukunft."

Foto: Screenshot während ABB-Pressekonferenz

"Leider ist es noch ein bisschen hin bis Saison 9, denn es wird eine Weile dauern, diese Autos zu entwickeln", gesteht Agag und fügt schmunzelnd hinzu: "Die Ladestationen sind bereit, aber die Autos noch nicht. Doch wir arbeiten daran, und wenn sie da sind, werden sich schneller sein, länger fahren, leichter sein und die ultimative Technologie an Bord haben."

Chassis-Optik noch nicht entschieden: "Topdesigner dieser Welt arbeiten aktuell daran"

Wie das künftige Gen3-Auto aussehen wird, ist noch unklar. Zwar hat Spark Racing Technology kürzlich - wie schon für Gen1 und Gen2 - den Zuschlag erhalten, den Elektrorennwagen zu entwickeln. Doch bezüglich des Designs gibt es derzeit noch keine Entscheidung seitens der FIA.

"Wir arbeiten momentan am optischen Design des Autos", erklärt Agag. "Das ist etwas, das FIA-Präsident Jean Todt sehr, sehr persönlich nimmt. Einige der Topdesigner dieser Welt arbeiten aktuell daran. Aber ich weiß aus meiner Erfahrung mit dem Gen2-Auto, dass er die finale Entscheidung treffen wird."

Für den Auswahlprozess werde Todt seine Erfahrungen mit dem Gen2-Auto einbeziehen, erklärt Agag, "und er ist ziemlich gut darin. Ich bin sicher, es wird sehr spektakulär aussehen. Ich kann es kaum erwarten, diese Autos Rennen fahren zu sehen." Noch muss sich Agag gedulden, denn bis zum Debüt des Gen3-Autos sind es noch knapp zweieinhalb Jahre hin. Nachdem die Formel E das Facelift "Gen2EVO" aus Kostengründen gestrichen hat, wird die Formel E noch die beiden kommenden Saisons 7 und 8 mit dem aktuellen Fahrzeug bestreiten.

Foto: Nat Twiss / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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Kommentar von stephan |

Wie bitte? Gen2evo wurde gestrichen? Seit wann das denn? Bisher dachte ich, das es auf Saison 8 verschoben wurde.
Ich fand das neue Design echt toll.
Wurde das im Video gesagt? Ich komme grade noch nicht dazu es zu schauen...

Kommentar von Timo |

Offiziell wurde es nicht kommuniziert. Aber ein Journalisten-Kollege hat erst gestern wieder unter der Hand die Aussage bekommen, dass Gen2EVO gar nicht mehr kommen wird. Ich find's auch sehr schade. Aber mit Blick auf die Kosten auch verständlich, damit die Hersteller und Teams an Bord bleiben.

Kommentar von EffEll |

Ich musste auch gerade stutzen beim lesen. Das ist wirklich schade. Die Antrittsgebühr wird mal eben verdoppelt, aber das Gen2EVO aus kostengründen gestrichen. Die Veränderungen am Fahrzeug sind existenziell um das Interesse der Zuschauer konstant hoch zu halten. Das ist sparen am falschen Ende auf Kosten der Fans. Das ist wirklich ne Frechheit,gehört eben auch das zur DNA und zu der Entwicklung dieser elektrischen Formel-Serie. Klar, es ist nur Kosmetik. Aber gerade das Aussehen ist das, was dem Zuschauer als erstes ins Auge fällt. Gerade ein "neues" Auto würde eine hohe Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Rennserie kann für die Hersteller noch so günstig sein, wenn das Zuschauerinteresse schwindet werden sie ebenfalls ihr Engagement hinterfragen. Es wäre doch eine einmalige Investition gewesen. Für mich unverständlich.

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