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Formel E veröffentlicht Sportliches Reglement für Saison 5: Hyperboost wird Attack-Mode, Quali-Lotterie entfällt

Die FIA hat kürzlich eine erste Fassung des Sportlichen Reglements für die kommende Formel-E-Saison 2018/19 veröffentlicht. Neben vielen Modifikationen, die sich auf den Wegfall des zweiten Fahrzeugs und den damit abgeschafften Fahrzeugwechsel im Rennen beziehen, gibt es auch einige unerwartete Neuerungen für die kommende Saison. Diese betreffen unter anderem das Qualifying und das Rennen. e-Formel.de fasst dir alle relevanten Änderungen zusammen.

Qualifying: Gruppen bleiben bestehen, Reihenfolge wird nicht mehr gelost

Auch in Zukunft bleibt es beim bewährten Gruppen-Qualifying, jedoch wird zur kommenden Saison das Lotterie-System abgeschafft. Die Reihenfolge der Gruppen wird in Zukunft immer anhand des Meisterschaftstandes ermittelt. So müssen die in der Fahrerwertung bestplatzierten Piloten dann immer in Gruppe 1 antreten, die statistisch gesehen einen Nachteil hat. Die am schlechtesten platzierten Fahrer werden immer in der letzten Gruppe fahren. Beim Saisonauftakt wird das Gesamtklassement der Vorsaison herangezogen.

Es handelt sich hierbei nicht um die erste Anpassung des Qualifying-Systems: Zwar wurde die Qualifikation bereits in den Saisons 1 bis 3 in vier Gruppen ausgetragen, jedoch wurden die Fahrer damals noch den einzelnen Gruppen zugelost. Seit der aktuellen Saison werden die Fahrer nach ihrer Position in der Meisterschaftswertung in vier Gruppen eingeteilt - nur noch die Reihenfolge dieser Gruppen wird nach dem Fahrer-Briefing ausgelost.

Da sich die Anzahl der Fahrzeuge im Feld von 20 auf 22 erhöht, wird es zwei Gruppen mit je sechs Fahrer geben, die anderen beiden Gruppen werden wie bislang fünf Fahrer haben. Die Anzahl der Fahrer, die nach dem Qualifying bei der Super-Pole die besten Startplätze unter sich ausfahren, erhöht sich im Zuge dessen von fünf auf sechs. Bei nassen Streckenbedingungen entfällt künftig außerdem die 110-Prozent-Hürde im Qualifying.

Venturi-Pilot Maro Engel glaubt, dass diese Änderung für spannendere Rennen in der fünften Saison sorgen wird: "Nachdem das Prozedere in Saison 4 schon eine deutliche Verbesserung gegenüber Saison 3 darstellt, ist dies ein weiterer positiver Schritt", so Engel bei 'e-racing365'. "Es wird den Meisterschaftsführenden im Laufe der Saison wohl durchschnittlich einen Nachteil geben. Ja, auf manchen Strecken sind die Zeitabstände des Feldes sehr gering. Auf anderen Strecken kann der Abstand durchaus signifikant sein. Auf der anderen Seite ist es ein Vorteil, es aus Gruppe 1 in die Super-Pole zu schaffen. Die Reifen haben dann mehr Zeit, um abzukühlen. Aber da es in der kommenden Saison auch neue Reifen mit anderem Gummi geben wird, müssen wir abwarten, ob dies so bleibt."

Der amtierende Formel-E-Champion Lucas di Grassi hält den Schritt, auf die Lotterie zu verzichten, für eine Verbesserung. "Das wird sicherlich das Racing verbessern, da theoretisch langsamere Fahrzeuge im Qualifying bessere Bedingungen haben werden."

Zeitrennen & Attack-Mode statt Fahrzeugwechsel

Wie wir bereits berichteten, wird die Länge eines Rennens in Zukunft über eine vorgegebene Zeit von 45 Minuten plus eine weitere Runde definiert. Bislang gab es eine festgelegte Rundenanzahl, die immer mindestens 60 Kilometer betrug und einer Rennlänge von etwas mehr als 50 Minuten entsprach. In diesem Zuge entfällt die Einschränkung, dass es volle Punkte nur dann gibt, wenn der Rennsieger 75 Prozent der Renndistanz zurückgelegt hat. Dies würde bedeuten, dass der Sieger trotzdem immer 25 Punkte erhält, auch wenn ein Rennen beispielsweise wegen Nebel oder starker Regenfälle bereits sehr früh abgebrochen und nicht wieder gestartet wird.

Jeder Fahrer muss im Rennen zwei verschiedene Energie-Modi verwenden: Neben dem regulären Renn-Modus mit 200 kW gibt es wie berichtet auch einen "Attack Mode" mit zusätzlichen 25 kW Leistung. Die Aktivierung ist nur in einer speziellen Zone auf der Rennstrecke möglich. Die Anzahl der Aktivierungen und die Dauer des Attack-Mode werden seitens der FIA in Abhängigkeit zur Streckencharakteristik festgelegt.

Beim FANBOOST steigt die Leistung des Fahrzeugs auf mindestens 240 kW und maximal 250 kW an. Er kann zukünftig nur noch dann aktiviert werden, wenn sich das Fahrzeug im Attack-Mode befindet. Außerdem endet das FANBOOST-Voting nun mit dem Rennstart.

Jeder Pilot erhält nun nicht mehr fünf, sondern nur noch vier neue Vorder- und Hinterreifen pro Renntag. Die Verpflichtung, mindestens einen Vorder- und Hinterreifen vom vorherigen Rennen zu verwenden, entfällt.

Jeder Fahrer muss zudem mit zwei Elektromotoren, zwei Getrieben, zwei Invertern und einem Akku über die gesamte Saison kommen. Sollte dies nicht möglich sein, erfolgt eine Rückversetzung um 20 Startplätze. Sollte diese nicht vollständig angetreten werden können, erhält der Fahrer zusätzlich eine Durchfahrtstrafe. Die bislang verwendete Joker-Regelung wird abgeschafft. Außerdem muss beim Positionieren des Fahrzeuges in der Startaufstellung der Ladezustand der Fahrzeugbatterie mindestens 97 Prozent betragen.

Auf Anweisung des Rennleiters dürfen sich die Fahrer nun bei einer Full-Course-Yellow-Phase hinter dem Führenden aufreihen. Dieser darf währenddessen maximal 50 km/h schnell fahren. Bislang diente eine Full-Course-Yellow dazu, die Abstände zwischen den Piloten einzufrieren, während Bergungsarbeiten auf der Strecke stattfanden. Künftig kommt sie vom Effekt her eher einer Safety-Car-Phase gleich, die erheblichen Einfluss auf das Rennen haben kann.

Ausweitung von Rennkalender & Starterfeld vorgesehen

Die vorgesehene Maximalzahl an Events pro Saison wird laut Reglement von zwölf auf 15 erhöht. Hiermit trägt das Reglement den Plänen von Alejandro Agag Rechnung, den Rennkalender sukzessive aufzustocken. Mit zwölf E-Prix beziehungsweise 13 Rennen wird die kommende Saison die bislang umfangreichste in der noch jungen Geschichte der Meisterschaft sein.

Die reglementseitig erlaubte Anzahl der teilnehmenden Teams erhöht sich ebenfalls von zehn auf zwölf. Dies war angesichts des Einstiegs von HWA auch so zu erwarten. Ein Jahr später wird zudem Porsche einen weiteren Slot übernehmen.

Die maximale Rekuperation wird von 150 kW auf 250 kW erhöht. Außerdem steigt das Mindestgewicht der Autos von 880 kg auf 900 kg. Alle Fahrzeuge müssen zudem mit einem funktionierenden LED-Streifen am Halo-System ausgestattet sein.

Die seitliche Startnummer muss sich nicht mehr auf dem "Schmutzfänger", der Abdeckung hinter dem Hinterrad, befinden, sondern hinter dem Vorderrad. Außerdem wird das auf dem Fahrzeug angebrachte Kürzel des Fahrernamens verkleinert: Statt 10 cm darf es nur noch 7,5 cm hoch sein.

Unter Parc-ferme-Bedingungen ist es den Teams künftig erlaubt, per Kabelverbindung Daten aus dem Fahrzeug abzurufen.

Zu guter Letzt noch eine sicherheitsrelevante Änderung, die die Teammitarbeiter betrifft: Diese müssen nun alle ein spezielles Sicherheitstraining für Elektroantriebe durchgeführt haben und dies vor jedem E-Prix nachweisen können. Bislang war dies nur für 80 Prozent der Mitarbeiter Pflicht.

Foto: Mahindra Racing

von Tobias Wirtz 

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Kommentar von Nico Krause |

Wird da jetzt das Safty Car abgeschafft durch die neue Full-Course-Yellow Regelung?

Kommentar von Tobias Wirtz |

Möglicherweise ja, das Safety Car kam in der jüngsten Vergangenheit sowieso nur noch selten zum Einsatz.

Kommentar von Helmut |

Insgesamt halbwegs okay, allerdings geht die F-E IMO auch in die falsche Richtung indem das Regelwerk immer komplizierter und komplexer wird. Das ist für Gelegenheitszuseher undurchsichtig und für Fans (zumindest für mich) unbefriedigend.
Und nachdem die F1 endlich wieder mehr dafür tut, die Fahrer besser zu erkennen und dann wird in der F-E der Name verkleinert

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