Starting-Grid-Zurich-E-Prix

Formel E zurück in der Schweiz: Die große Rennvorschau zum Bern E-Prix 2019

Nach dem großen Erfolg des Zürich E-Prix im letzten Jahr kehrt die Formel E am kommenden Wochenende in die Schweiz zurück. Erstmals ist dabei die Bundesstadt Bern Austragungsort des Elektro-Rennens, das zugleich den finalen Lauf der voestalpine European Races bildet. Mit dem "2019 Julius Bär Swiss E-Prix" biegt die Formel E endgültig auf die Zielgerade im engen Kampf um die Formel-E-Meisterschaft 2018/19 ein. Die Ausgangslage verspricht Spannung.

Schließlich haben noch immer - drei Rennen vor dem Ende der Saison - 16 Fahrer die mathematische Chance auf den Titel. Realistisch betrachtet scheint sich jedoch ein Fünfkampf an der Spitze der Fahrerwertung anzubahnen. Ganz vorn trennen nur sechs Punkte den DS-Techeetah-Piloten Jean-Eric Vergne (Formel-E-Meister 2018) von Audi-Mann Lucas di Grassi (Formel-E-Meister 2017). Doch auch Andre Lotterer, der DS-Teamkollege von Vergne, sowie Antonio Felix da Costa (BMW) und Robin Frijns (Virgin) haben noch realistische Chancen.

Hinzu kommt die Variable der noch unbekannten Strecke in Bern, die eine genaue Prognose vor dem elften Saisonrennen erschwert. Die Teams reisen ohne jede Erfahrung nach Bern und müssen sich auf ihre Werte aus dem Simulator stützen. Was du vor dem Schweizer E-Prix wissen musst, erfährst du in unserer Rennvorschau.

Stadt, Land, Fluss…

Bern gehört zu den wohl spektakulärsten Austragungsorten im aktuellen Rennkalender der Formel E. Der über 2.200 Jahre alte Ort an der Aare gehört heute zu den größten Gemeinden der Schweiz, wenngleich nur rund 140.000 Personen im Stadtgebiet Berns wohnen - etwas weniger als in den deutschen Städten Paderborn oder Regensburg. Als Bundesstadt ist Bern dennoch der Sitz der Schweizer Regierung und damit das größte Verwaltungszentrum der Schweiz.

Als einmalig gilt die Altstadt Berns, die zum UNESCO-Welterbe zählt und mit ihren Brunnen, historischen Gebäuden und Türmen als äußerst fotogen gilt. Die Formel E rast am Wochenende um den Rosengarten, vorbei am Bärengraben, dem Lebensraum einer echten Braunbären-Familie, und entlang der Aareschlaufe.

Was seit dem letzten Saisonlauf passierte

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die FIA ihren vorläufigen neuen Rennkalender für die nächste Formel-E-Saison (2019/20). Im kommenden Jahr wird die Formel E demnach erstmals Station in Seoul (Südkorea) machen. Auch eine Rückkehr nach London, wo seit 2016 kein E-Prix mehr stattfand, wurde endgültig beschlossen. Berlin wird ebenfalls wieder einen Meisterschaftslauf austragen. Ein Rennen in der Schweiz ist vorerst jedoch nicht mehr vorgesehen - doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Bei vielen Fahrern und hochrangigen FIA-Offiziellen machte sich nach der Bekanntgabe dennoch Unmut breit: Mehrere Formel-E-Termine kollidieren mit dem Rennkalender der WEC, in der zahlreiche Piloten der Elektroserie ebenfalls unterwegs sind. Daher sind noch Terminverschiebungen möglich.

Gleichermaßen verabschiedete die FIA ein überarbeitetes Regelwerk für das neue Jahr. Neben einem Verbot für Doppelmotoren wurden unter anderen neue Punkte für die jeweils schnellsten Fahrer in den Qualifying-Gruppen beschlossen. Die Leistung im Attack-Mode wird außerdem von 225 auf 235 kW steigen.

Zeitplan 2019

08:55 - 09:40 Uhr - 1. Freies Training
11:20 - 11:50 Uhr - 2. Freies Training
13:30 - 14:35 Uhr - Qualifikation
18:03 - 19:00 Uhr - Rennen (45 min + 1 Runde)

Strecke

Auf keiner Strecke im aktuellen Formel-E-Kalender gibt es mehr Bergauf- und Bergab-Passagen als in Bern. 58 Höhenmeter liegen zwischen dem höchsten und niedrigsten Punkt des Kurses, der sich auf 2,75 Kilometern östlich der Aare um den Rosengarten und die Lybische Botschaft windet. Auch eine Schule befindet sich im Innenbereich der Strecke.

Insgesamt lauern dabei 14 Kurven auf die Fahrer. Die besten Überholmöglichkeiten bieten sich wohl in der Bergauf-Kurve 7 sowie in den Sektionen aus Kurve 9/10/11 und 12/13/14 am Ende der Runde. Die spektakulärste Ecke der Strecke ist wohl dennoch Kurve 4, neben der sich ein Gehege mit Bären befindet. Die Attack-Zone befindet sich zwischen den Kurven 8 und 9 auf einer Geraden. Falls du den Bern E-Prix vor Ort verfolgst, haben wir dir alle wichtigen Informationen zur Formel E in der Schweiz in einem gesonderten Artikel zur Verfügung gestellt.

Eurosport & Sportschau-Stream: Der Bern E-Prix im TV & online

Die Formel E ist, wie in dieser Saison üblich, in Deutschland über zwei verschiedene Wege zu empfangen. Einerseits zeigt der Münchener Sportsender Eurosport den E-Prix nach einer viertelstündigen Vorberichterstattung ab 18 Uhr live im Free-TV. Andererseits bietet auch die ARD im Rahmen eines Live-Streams auf sportschau.de eine kostenfreie Übertragung an.

Das Qualifying hingegen zeigen leider beide nicht. Es ist lediglich über den Pay-TV-Sender Eurosport 2 zu empfangen. Die Trainings sind wie üblich über die offiziellen YouTube-, Facebook- und Twitter-Kanäle der Formel E zu verfolgen, werden allerdings nur mit einem englischen Kommentar begleitet. Die Live-Streams zum Training stellen wir dir wie gewohnt auf unserer Webseite zur Verfügung. Zudem bietet e-Formel.de einen Live-Ticker zu allen Sessions an, der sich ideal als "Second-Screen" oder als Lösung für unterwegs anbietet.

In der Schweiz wird der E-Prix von SRF zwei ausgestrahlt. Kommentieren werden Manuel Köng und Marc Surer. Auch MySports und Eurosport 2 zeigen das Formel-E-Rennen in Bern. In Österreich wird der Lauf von ORFeins übertragen.

Übersicht: Die Qualifying-Gruppen für Bern

Wie üblich werden die Fahrer auch in Bern in vier verschiedene Qualifying-Gruppen aufgeteilt, um zu gewährleisten, dass jeder der 22 Fahrer (zumindest in der Theorie) eine "freie Runde" auf dem Kurs drehen kann. Dazu werden die Piloten anhand ihrer aktuellen Meisterschaftsposition aufgeteilt, um dann nacheinander in zwei Fünfer- und zwei Sechsergruppen auf die Strecke gehen. Für den Bern E-Prix ergeben sich folgende Gruppen.

Wetterbericht: Gewitter-Gefahr in Bern!

Von der (nicht immer ernst gemeinten) Faustregel, dass es in der Formel E nie regnet, weicht die Elektroserie in diesem Jahr immer häufiger ab. Auch in Bern gibt es wieder die Möglichkeit auf Regenschauer oder gar Gewitter. Das Thermometer soll im Laufe des Rennsamstags zwar nur auf 19 Grad Celsius steigen. Gerade am Nachmittag und frühen Abend, pünktlich zum Qualifying und Rennstart also, könnten bei schwüler Luft aber unter Umständen Gewitterwolken bilden.

Bern: Fast Facts

  • Zwar ist in der Region um Bern Deutsch die am weitesten verbreitete Sprache, dennoch gibt es noch drei weitere Amtssprachen in der Schweiz. (Schweizer-) Deutsch wird ohnehin nur von rund 64 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Knapp 20 Prozent der Schweizer sprechen Französisch, 6 Prozent Italienisch und 0,5 Prozent Rätoromanisch. Die verbleibenden rund 9,5 Prozent der Einwohner sind mit einer anderen Muttersprache aufgewachsen.
  • Die Bundesstadt Bern gehört zu den Städten mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Diese hat allerdings auch (wortwörtlich) ihren Preis: Nach Zürich und Genf ist Bern die teuerste Stadt des Landes.
  • Apropos Bundesstadt: Die Schweiz hat keine in der Verfassung verankerte Hauptstadt. Zwar liegt der Regierungssitz in Bern. Den offiziellen Titel der "Bundeshauptstadt" hat der Ort an der Aare jedoch nicht inne. Auch ein eindeutiges Staatsoberhaupt gibt es nicht. Der Bundespräsident, der für jeweils für ein Jahr gewählt wird, ist lediglich der "primus inter pares" ("Erster unter Gleichen") eines siebenköpfigen Exekutiv-Komitees, das die Staatsspitze bildet.
  • Das Bundeshaus in Bern liegt 533 Meter über dem Meeresspiegel und ist damit der dritthöchste Regierungssitz eines Landes in Europa. Nur Madrid (667 Meter) und Andorra la Vella (1.023 Meter) liegen höher.
  • Würde einer der Bären im nahegelegenen Gehege ausbrechen, bräuchten die Vierbeiner bei einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h rund 3:18 Minuten um den Formel-E-Kurs von Bern.

Prognose: Anpassungsfähigkeit als Geheimrezept für den Sieg?

Alles auf Anfang: Der neue und noch unbekannte Kurs, auf dem bislang kein Team Erfahrungen vorzuweisen hat, stellt die Rennställe vor eine große Aufgabe. Wer in der Schweiz erfolgreich sein will, muss sich schnell auf die Piste einschießen. Besonders die Höhenunterschiede werden den Teams zu schaffen machen, schließlich kostet der Weg den Berg hoch jede Menge wichtige Energie, die in der ersten Phase des E-Prix nur schwer rekuperiert werden kann.

Folglich könnten gerade die erfahreneren Piloten einen minimalen Vorteil gegenüber den jüngeren Fahrern haben. Wer schon im 1. Training ein gutes Verständnis für sein Auto gewinnt und Anpassungsfähigkeit beweist, geht klar mit einem Vorteil in das Qualifying und Rennen.

Mit Blick auf die reine Fahrzeugperformance ist nur schwer abzuschätzen, wer die tatsächliche Oberhand hat. DS und die Audi-Fahrzeuge begegneten sich in der Vergangenheit oftmals auf Augenhöhe. An einem guten Tag können aber auch BMW, Nissan, Jaguar oder Mahindra ein Wort mitreden. Vor dem Bern E-Prix ist wieder einmal alles offen. Freuen wir uns auf einen packenden E-Prix!

Reminder: Wer bei unserer kostenlosen Community-Tippspiel-Runde mitmacht, hat noch bis zum Wochenende Zeit, seine Tipps abzugeben oder sich vielleicht sogar neu anzumelden!

Video: Virtuelle Onboard-Runde in Bern

von Tobias Bluhm 

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