Porsche-Formel-E-Auto

Galerie: Porsche präsentiert Lackierung seines ersten Formel-E-Autos

Das neue deutsche "TAG Heuer Porsche Formula E Team" hat seinen ersten reinen Elektrorennwagen präsentiert. In einem Videospiel auf Twitch konnten Fans aktiv dazu beitragen, die Formel-E-Lackierung für die kommende Saison 2019/20 zu enthüllen. e-Formel.de konnte bei einem exklusiven Sneak-Peek-Event am Dienstagabend in Stuttgart bereits einen ersten Blick auf den sogenannten 99X Electric werfen und mit den Fahrern und Verantwortlichen sprechen.

Porsche setzt beim Design des Elektro-Boliden auf das altbewährte Farbschema aus der Langstreckenszene und anderen Serien. Auch das markante Pfeilmuster findet sich auf dem Auto wieder. Die Frontpartie des 99X Electric ist in einem glänzenden Weiß gehalten und präsentiert zahlreiche Sponsorenlogos, darunter recht markant Vodafone, Hugo Boss, Software-Hersteller ANSYS und Titelsponsor TAG Heuer. Kurz vor dem Cockpit beginnt der mattschwarz gehaltene Mittelteil des Rennwagens.

Der hintere Fahrzeug-Part ist auffällig rot und spiegelt damit nicht nur eine der Markenfarben Porsches wider, sondern auch die Unterstützung von Partner Vodafone, der sehr auffällig mit mehreren Schriftzügen und Logos vertreten ist. Ein bisschen erinnert der Look an die markante McLaren-Lackierung der Nullerjahre in der Formel 1. Von vorn hingegen ähnelt der 99X Electric etwas der Dragon-Lackierung aus der vergangenen Saison.

Fahrerduo zeigt sich begeistert

"Das Auto schaut mega aus!", sagt Stammfahrer Andre Lotterer an unserem Mikrofon. "Wenn es so schnell ist, wie es aussieht, dann sind wir glaube ich gut unterwegs." Teamkollege Neel Jani, der das Projekt Formel E schon seit Ende 2018 mit Porsche angeht, hat mit Blick auf seine Langstreckenvergangenheit mit den Stuttgartern ein gutes Gefühl: "Der Spirit ist der gleiche geblieben, das ist das Wichtige, denn der hat sich auch in der WEC letztlich ausgezahlt. Trotzdem haben wir hier mehr unbekannte Faktoren als damals in der LMP1."

Wirklich viel Know-how-Transfer vom Porsche 919 zum reinen Stromer sei nicht möglich gewesen: "In der Formel E haben wir viel weniger Sensoren zur Verfügung als in der LMP1. Es gibt schon Dinge, die wir gern übernommen hätten, aber nicht konnten. Auch das Lenkrad lässt sich allzu viel zu. Zum Beispiel wären ein paar Brake-by-Wire-Funktionen schön, aber das ist halt nicht möglich. Schlussendlich ist das die Formel E - es geht um Optimierung, und darin liegt die Performance", so Jani.

"Heute ist ein bedeutender Tag", meint auch Fritz Enzinger, Leiter Porsche Motorsport und Konzern-Motorsport Volkswagen AG. "Mit der Fahrzeugpremiere des Porsche 99X Electric kommen wir dem Werkseinstieg von Porsche in die Formel E einen großen Schritt näher. Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft, die ein hohes Engagement für das Formel-E-Projekt an den Tag legt. Nun freue ich mich darauf, den Porsche 99X Electric auf der Rennstrecke zu sehen."

Wo Porsche in seiner Debütsaison stehen wird, vermag der Schweizer noch nicht zu ahnen: "Das ist sehr schwer zu sagen im Vergleich mit den anderen Teams. Ich denke, unsere Stärke ist die interne Kommunikation untereinander, wie wir uns vorbereiten und die Dinge angehen sowie das Vertrauen, das wir ineinander haben. Das müssen wir am Ende in Resultate umsetzen." Janis Ziel für seine erste volle Formel-E-Saison sei "konkurrenzfähig" zu sein. "Dann ergibt sich der Rest von allein."

Fahrzeugenthüllung bei Twitch: Nette Idee, aber zu viel des Guten

Sehr gemischte Gefühle rief die Enthüllung des Porsche 99X Electric in den sozialen Medien hervor. Die Zuffenhausener gingen mit einem interaktiven Live-Videospiel auf der Gaming-Plattform Twitch einen völlig neuen Weg, um auch ein neues, jüngeres Publikum zu erreichen. Das Spiel wurde allerdings selbst für hart gesottene Fans zu einer Geduldsprobe: Ganze vier Stunden dauerte es, bis das von technischen Problemen beeinträchtigte Videospiel beendet war.

Nachdem das Spiel gleich zweimal für mehrere Minuten unterbrochen werden musste, schafften es die Zuschauer am Ende doch noch, die verschiedenen Rätsel und Puzzles zu lösen. So verschafften sie den Protagonisten Zugang zum "geheimen" Formel-E-Rennwagen, um die beiden Porsche-Werksfahrer Neel Jani und Andre Lotterer ihren Elektroboliden für die kommende Saison vor laufender Kamera enthüllen zu lassen. Ein kreativer und aus unserer Sicht lobenswerter Ansatz, der leider noch nicht ganz ausgereift war.

Pascal Zurlinden als weitere neue Schlüsselfigur

Im Zuge der Fahrzeugvorstellung begrüßte Porsche ein weiteres Mitglied in seinen Reihen: Pascal Zurlinden, seit 2018 Gesamtprojektleiter GT-Werksmotorsport, übernimmt als Gesamtprojektleiter Werksmotorsport neben seiner Rolle im GT-Werkssport nun auch eine Schlüsselrolle in der Formel E. Der gebürtige Franzose ist seit 2014 bei Porsche im Entwicklungszentrum in Weissach im Einsatz, zunächst im LMP1-Projekt und seit 2017 im GT-Bereich.

"Ich freue mich darauf, künftig auch Teil des TAG Heuer Porsche Formel-E-Teams zu sein und die Kollegen mit meiner Erfahrung zu unterstützen. Das Konzept der Formel E ist hochinteressant und unterscheidet sich von traditionellen Motorsportserien", sagt Zurlinden. "Die Namensgebung sowie das Design verleihen dem Fahrzeug einen Charakter und erwecken es gleichsam zum Leben. Mit dem heutigen Tag reiht sich der Porsche 99X Electric in die Liste der historischen Porsche-Motorsportfahrzeuge ein."

Verlässlichkeit da, Fokus fortan auf Performance

Die Entwicklung des "Porsche E-Performance Powertrain" genannten Antriebsstrangs hat von Beginn an eine zentrale Rolle gespielt. Dabei konnten die Ingenieure des Antriebsstrangs zum Teil auf Erfahrungswerte aus der LMP1 zurückgreifen. "Wir haben uns darauf fokussiert, einen hocheffizienten Antriebsstrang mit höchstem Wirkungsgrad zu bauen", sagt Malte Huneke, Technischer Projektleiter Formel E.

"In den vergangenen Monaten konnten wir auf der Rennstrecke wie auch auf den Prüfständen die Verlässlichkeit unseres Formel-E-Antriebsstrangs ausloten. Wir sind sehr zufrieden und starten optimistisch in die finalen Vorbereitungen auf das erste Rennen", sagt Huneke. "In den kommenden Wochen konzentrieren wir uns nun auf die Performance des Porsche 99X Electric", ergänzt Amiel Lindesay, der nunmehr als Einsatzleiter Formel E agiert. "Das ist der nächste Schritt in Richtung Porsche-Werkseinstieg in die Formel E."

Wie schnell der Porsche 99X Electric auf der Rennstrecke tatsächlich ist, wird sich frühestens am 15. Oktober zeigen, wenn bei den kollektiven Testfahrten von Valencia erstmals alle Teams mit ihren Saison-6-Autos antreten werden und somit ein direkter Vergleich möglich wird. Das Formel-E-Debüt erwartet Porsche am 22. November beim Doppelrennen in Saudi-Arabien.

Fotos: Porsche

von Timo Pape  

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