Max-Günther-Alex-Sims-Formula-E-BMW

Günther & Sims im Doppel-Interview: "Auch permanente Rennstrecken können helfen"

Seit dem 29. Februar ist die Formel-E-Saison pausiert. Zuvor sorgten die beiden BMW-Fahrer Alexander Sims und Maximilian Günther für starke Ergebnisse - sowohl die Fahrer- als auch die Teammeisterschaft scheint im zweiten Jahr als Werksteam realistisch zu sein. Im Doppel-Interview sprechen Günther und Sims über die bisherige Saison 2019/20, die Stärken und Schwächen ihres Autos im Vergleich zur Konkurrenz sowie über die Aussichten auf eine Rückkehr auf die Rennstrecke.

Während der aktuellen Saisonpause belegt ihr die Positionen 3 und 4 in der Gesamtwertung. Was sind die Gründe für den starken Saisonstart?

Sims: Wenn ich ehrlich bin, hätte es sogar noch besser laufen können. Das Auftaktwochenende in Diriyya war fantastisch für mich mit zwei Pole-Positions und dem Sieg am Samstag. Das lag zum einen daran, dass der BMW iFE.20 großartig war, zum anderen aber auch daran, dass ich zu Beginn meiner zweiten Saison mehr Erfahrung hatte und diese umsetzen konnte. Auch danach war das Auto immer stark, aber in Santiago und Marrakesch haben wir definitiv mögliche Punkte liegen gelassen.

Günther: Obwohl ich neu im Team war, lief es schon ab den Testfahrten, wo ich die Bestzeit fahren konnte, sehr gut. Das Team und ich lagen direkt auf einer Wellenlänge. Insbesondere der Dialog mit meinen Ingenieuren hat von Beginn an super funktioniert, was alles andere als selbstverständlich ist, wenn man neu in ein Team kommt. Generell habe ich den Eindruck, dass die Stimmung bei BMW i Andretti Motorsport hervorragend ist, was neben harter Arbeit sicher auch zum Erfolg beiträgt.

DS Techeetah und Jaguar sind ebenfalls stark unterwegs. Was zeichnet BMW diese Saison aus?

Günther: Bisher hatten wir in den Qualifyings immer ein starkes Auto, das es uns ermöglicht hat, uns weit vorne in der Startaufstellung zu platzieren. Das ist grundsätzlich ein Schlüssel, um in der Formel E Topergebnisse einzufahren. In den Rennen zeichnet uns aus, dass wir ein Auto mit sehr guter Energieeffizienz haben und diese durch kluge strategische Entscheidungen sehr gut nutzen. Das hat man sowohl bei meinem Sieg in Santiago gesehen als auch in Marrakesch und in Diriyya bei meinem vermeintlich ersten Podium, das ich wegen einer Strafe nachträglich wieder verloren habe.

Sims: Ich stimme Maximilian zu. Der BMW iFE.20 bietet ein gutes Gesamtpaket aus starker Qualifying-Performance und großer Effizienz im Rennen. Vielleicht haben wir im Vergleich zu unserer Konkurrenz von Techeetah und Jaguar vom reinen Speed her nicht das beste Auto, aber wir sind aufgrund des Gesamtpakets auf Augenhöhe. Der BMW iFE.20 gibt uns das gute Gefühl, bei jedem Rennen um die Spitzenplätze mitfahren zu können.

Wo hat sich aus BMW im Vergleich zu Saison 5 verbessert?

Sims: Ich denke, ein Vorteil ist, dass es personell eine große Kontinuität und daher auch im gesamten Team einen großen Lerneffekt aus den Erfahrungen in Saison 5 gab. Besonders bei der Software haben wir dank unserer Ingenieure nun ein Toplevel erreicht, das uns enorm dabei hilft, in den Rennen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zudem verstehen wir dank unserer Erfahrung das Auto nun viel besser und haben daher eine deutlich höhere Trefferquote, was das richtige Setup für die jeweiligen Strecken angeht. Das ist in der Formel E absolut entscheidend, denn die Zeit am Renntag selbst ist so knapp, dass man in der Vorbereitung gemachte Fehler im Prinzip nicht mehr korrigieren kann.

Geisterrennen, permanente Rennstrecken - die Formel E denkt aktuell über viele Szenarien nach, um Saison 6 beenden zu können. Was haltet ihr davon?

Günther: Eins vorab: Für mich ist es großartig, vor möglichst vielen Fans an der Rennstrecke zu fahren. Darum geht es schließlich – zu den Fans in die Städte zu kommen und ihnen eine tolle Show zu bieten. Leider sind Formel-E-Rennen, wie wir sie kennen und lieben, im Moment unrealistisch. Von daher unterstütze ich sowohl die Idee von Rennen ohne Zuschauer als auch auf permanenten Rennstrecken. Das ist für uns alle nicht ideal, aber offensichtlich die einzige Chance, in absehbarer Zeit wieder Rennen zu fahren.

Sims: Da die Alternative zu Rennen ohne Zuschauer oder auf permanenten Rennstrecken zu sein scheint, überhaupt nicht mehr zu fahren, ist jeder Rennfahrer sicher dafür, es auf diese Weise zu versuchen. Entscheidend ist in der aktuellen Situation, dass wir eine sichere Durchführung gewährleisten können. Dabei können auch permanente Rennstrecken helfen. Hoffen wir einfach, dass das nur eine Übergangslösung ist und wir Schritt für Schritt zu den normalen Formel-E-Rennen in Metropolen und vor tausenden von Zuschauern zurückkehren können, die wir alle lieben.

Foto: BMW

von Timo Pape  

Zurück

Einen Kommentar schreiben

NEUESTE NACHRICHTEN

Extreme-E-Dust-Sand-Desert-Speed

Lucas di Grassi: Extreme E ist "eine großartige Marketing-Plattform"

In etwas mehr als vier Monaten soll das erste Rennen der Formel-E-Schwesterserie Extreme E starten. Die Meisterschaft für Rallye-Buggys, die im vergangenen Jahr vom ehemaligen Formel-E-Geschäftsführer Alejandro Agag gegründet wurde, ...
von Tobias Bluhm
White-Logo-Tesla-Model-X-Wooden-Logs

Formel-E-Boss Reigle erklärt: Darum hat Tesla (noch) kein eigenes Motorsport-Team

Die Liste der Automobilhersteller in der Formel E ist lang: Neben Audi und BMW nehmen seit 2019 auch Mercedes und Porsche mit eigenen Werksteams an den Rennen der Elektroserie teil. ...
von Tobias Bluhm
Mitch-Evans-Panasonic-Jaguar-Racing-Berlin-E-Prix-2020-Attack-Mode-activated-ABB-logo-background-blur

"Völlig unparteiisch" - Gen3-Batterie-Hersteller Williams ohne Bedenken wegen Jaguar-Partnerschaft

Williams Advanced Engineering wird bekanntermaßen die Batterien für die dritte Fahrzeuggeneration der Formel E liefern. Die Briten nehmen diese Rolle nach vier Jahren Formel-E-Pause bereits zum zweiten Mal ein, nachdem sie bereits ...
von Tobias Wirtz
Starting-Lights-Saudi-Arabia-ABB-Formula-E-Championship-Blue

Offener Brief an EU-Kommission: Formel E schließt sich UN-Kampagne "Race To Zero" an

Die ABB FIA Formula E hat am 15. September den "EU 2030 Letter" unterzeichnet. Damit unterstützt die Rennserie die globale Kampagne der Vereinten Nationen für eine CO2-neutrale Wirtschaft. Die Ziele: ...
von Tobias Wirtz