Ho-Pin Tung für Team China Racing in Donington Park

Ho-Pin Tung - Heimspiel für Chinas Top-Fahrer

Auch wenn es in China mehr als 1,3 Milliarden Menschen gibt, so sind nur eine Handvoll davon Rennfahrer. Noch nie gab es einen chinesischen Fahrer bei einem Formel 1 Grand Prix. Seit zwei Saisons ist Ho-Pin Tung als Ersatzfahrer beim Renault/Lotus - Team, kam aber nicht zum Renneinsatz.

Der Hauptgrund für den Mangel an chinesischen Fahrern ist, dass Motorsport in China immer noch in den Kinderschuhen steckt. Deshalb begann Ho-Pin Tung, der halb Holländer ist, seine Karriere in einem Renn Go-Kart in Europa. Von dort ging es die Leiter hinauf - in seinem Fall über die Formel BMW - bis er zu den Wettbewerben in Asien aufstieg.

"Autorennen waren nur eine Leidenschaft", sagt Tung, der für das Team China Racing in der Formel E fahren wird. "Ich begann mit den Go-Karts nur zum Spaß. In meiner Familie gab es niemanden, der sich dafür interessierte. Das ist der Grund, warum ich relativ spät begann. Ich war 14 Jahre alt, als ich zum ersten Mal mit einem richtigen Go-Kart fuhr. Wenn man das vergleicht, heute fahren schon Kinder mit 17 in der Formel 1."

Der Nachweis seines Talents für den Kartsport brachte ihm in den Niederlanden die Aufmerksamkeit der breiten Motorsport-Szene und der Sieg in einem Talent - Wettbewerb wurde mit einer Saison in der Formel Ford belohnt.

Im nächsten Schritt ging es dann nach China - Shanghai, um dort in der Asia Formel BMW anzutreten, was sich als gute Entscheidung herausstellte. Zusammen mit dem Team Meritus konnte Tung die Meisterschaft gewinnen, was ihm zu Testfahren für das Williams Formel 1 Team in Jerez (Spanien) verhalf. Von einem 140 PS starken Formel BMW zu einem V10 Formel 1 Beast mit rund 850 PS war ein Sprung, den Tung nie vergessen wird.

"Ich war sehr unerfahren, natürlich, aber ich war auch relativ gut vorbereitet", sagt er. "Ich hatte viel Hilfe und Unterstützung von den Menschen um mich herum, die mich körperlich und geistig vorbereiteten. Ich erinnere mich, dass das Team äusserst hilfsbereit war. Marc Gene und Juan Pablo Montoya waren zu der Zeit einfach gut und es war eine tolle Erfahrung, an die ich mich gern erinnere.

Mit dem Sound des V10 Motors in den Ohren, zog es Tung zurück nach Europa, um in der deutschen Formel 3-Serie anzutreten. Während sich Paul di Resta und Sebastian Vettel um den Titel in der Euroseries stritten, besiegte Tung Nico Hülkenberg in der deutschen Meisterschaft, obwohl sein Lola dem Dallara unterlegen war.

Etwa zu dieser Zeit startete die A1GB Serie. In dieser neue Serie mit ihrem einzigartigen Konzept, erlangte das Team China mit Tung entsprechende Aufmerksamkeit - für das gleiche Team fährt Tung nun in der Formel E.

"Von der Formel 3 zur A1GB Serie war ein großer Sprung", so Tung. "Es ist schön zu sehen, wie viele von den bekannte Gesichter aus dieser Zeit jetzt große Namen im Motorsport sind. Jungs wie Sebastien Buemi, Neel Jani oder Nicco Hülkenberg."

Der anschließende Aufstieg in die GP2 brachte jedoch nicht die erhofften Ergebnisse.
In der Superleague Formula - einer Motorsport/Fußball-Hybrid (vgl. Wikipedia "Superleague Formula") erging es Tung dann erheblich besser. In den schnellen, leistungsstarken Autos, konnte er einen Sieg in Jarama einfahren.

Im Winter des Jahres 2009 war Tung zu Testfahrten zurück in der Formel 1, diesmal mit Renault. 2010 dann bekam er einen Vertrag als Ersatzfahrer für das DAMS Team in der GP2. Allerdings endete die Saison abrupt nach einer Kollision mit Jules Bianchi in Ungarn, bei dem sich Tung einen gebrochenen Wirbel links zuzog.

"Der gebochene Wirbel war keine große Sache, hatte aber große Wirkung", sagt er. "Es beendete meine Saison und zerstörte die Vorbereitungen für die nächste." Nach zwei Saisons als Reserve Formel 1-Fahrer, aber ohne viel Gelegenheit tatsächlich zu fahren, kam Tungs Karriere zum Stillstand. Er machte einen letzten Versuch, um sich für die Indy 500 zu qualifizieren, hatte aber einen Unfall und erlitt eine leichte Gehirnerschütterung. Seitdem galt seine Aufmerksamkeit Langstreckenrennen, mit zwei Starts in den 24 Stunden von Le Mans und der derzeitigen Tabellenführung in der asiatischen Le Mans Serie.

"Wenn man im Motorsport zum Stehen kommt, wärend der Rest noch fährt, ist es sehr schwierig wieder in Gang zu kommen", sagt Tung. "Also mußte ich meinen Kopf frei machen und mich auf das konzentrieren, was ich wirklich wollte. Langstreckenrennen haben gut geklappt und dieses Jahr bin ich bereits bei einer Handvoll OAK Rennen mitgefahren und zum zweiten Mal in Le Mans. Ist schon eine schöne Sammlung nach der Formel 1."

Im Frühjahr wurde Tung von der FIA Formel E kontaktiert, um eines der Entwicklungs-Autos auf dem Circuit Monteblanco zu testen. Zu dieser Zeit wusste er nicht, ob sich eine Möglichkeit als Fahrer ergeben würde. Erst in der vorletzten Testsession bekam er dann den Anruf vom Team China Racing. Das bedeutet, dass seine chinesischen Fans ihn beim Heimrennen in Peking anfeuern können. Auch glaubt Tung, dass das den Motorsport in China nach vorne bringen wird.

"China ist eines der Länder, wo der Motorsport sich noch in der Entwicklung befindet", sagt er. "Ich denke, die großen Städte haben bereits eine Auto-Kultur. Das allgemeine Interesse an Autos wird immer mehr zunehmen. Der chinesische Motorsport-Verband spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Förderung des Sports in China und sie sind in den Einsteigerebenen sehr aktiv. Das Formel E Rennen in Peking, um einen der kultigsten chinesischen Orte - das Olympiastadion - wird das Bewusstsein für Autorennen stärken."

 

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