Offiziell: HWA bestätigt Formel-E-Einstieg noch 2018, Kundenmotoren von Venturi

Es ist offiziell: Das deutsche HWA-Rennteam steigt ab der kommenden fünften Saison in die Formel E ein. Das bestätigten die Verantwortlichen der Elektroserie am Mittwochvormittag. Der Rennstall aus Affalterbach, der den Motorsportfans insbesondere als Mercedes-Kundenteam aus der DTM bekannt sein dürfte, wird schon ab Ende 2018 an den Rennen der Formel E teilnehmen und damit das Starterfeld auf 22 Fahrzeuge erweitern. HWA wird in der Saison 2018/19 Kundenmotoren von Venturi beziehen.

"Die Formel E ist eine völlig neue Disziplin des Motorsports mit einer knallharten Competition. Das ist eine Herausforderung, der wir uns gerne stellen", freut sich HWA-Chef Ulrich Fritz. "Die HWA AG ist das erfolgreichste Team in der Geschichte der DTM. Unser Ziel ist es, diese Erfolgsgeschichte in der Formel E fortzuführen. Diese Serie ist die perfekte Plattform, um unsere Kernkompetenzen auf einer weltweiten Bühne unter Beweis zu stellen und uns mit den Besten zu messen."

Das Team arbeitet bereits seit Beginn der laufenden Saison eng mit Venturi zusammen und unterstützt das Team aus Monaco im Rahmen einer "Technologie-Partnerschaft". Seit einiger Zeit halten sich die Spekulationen, inwiefern HWA den werksseitigen Mercedes-Einstieg 2019 vorbereitet. Schließlich kommt dann auch Porsche als Werksteam, und das Teilnehmerfeld der Formel E ist eigentlich auf zwölf Teams begrenzt. Gut möglich also, dass HWA Mercedes den Weg ebnet und zur Saison 2019/20 an den Autobauer übergeben muss.

Mit dem Start in die Saison 2018/19 durchläuft die Formel E die größten Reglement-Änderungen in ihrer noch jungen Geschichte. Neben einer neuen Batterie, die fast doppelt so viel Energie speichern kann wie das aktuelle Aggregat, wird auch ein neues, futuristischeres Chassis eingeführt. Die Formel-E-Boliden der zweiten Generation werden durch leistungsstärkere Motoren knapp 70 PS mehr Leistung erbringen. Zudem wird es noch unbestätigte Veränderungen am Rennformat geben.

Fahrerpaarung noch unklar

"Ich freue mich sehr darüber, die Zusammenarbeit mit der HWA AG fortzusetzen und das Team mit unseren Gen-2-Autos zu beliefern", erklärt Venturi-Präsident Gildo Pastor. HWA wird das gesamte Antriebsstrang-Paket inklusive Motor, Inverter und Getriebe von den Monegassen beziehen.

"Unsere Partnerschaft hat in den vergangenen Monaten großartige Ergebnisse für beide Seiten hervorgebracht und ich bin sehr glücklich, dass wir nun gemeinsam diesen nächsten Schritt gehen. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Erfahrung von Venturi mit Hochleistungselektrofahrzeugen für dieses neue Team sehr wertvoll sein wird, und ich wünsche ihnen viel Erfolg."

Alejandro Agag, Gründer & CEO der Formel E, freut sich über den Zuwachs in seiner Meisterschaft: "Mit dem Einstieg der HWA AG in die Formel E gibt es auch ein neues Team. Es ist eine große Anerkennung, wenn ein Name, der zum Synonym für Rennsport geworden ist, zu der ohnehin schon beeindruckenden und immer weiter anwachsenden Liste an Teams und Herstellern hinzustößt, die in der Formel E an den Start gehen. Sie haben eine nachweisliche Erfolgsgeschichte in anderen Rennserien und werden sicherlich alles geben, um in der Formel E zum Beginn einer neuen Ära des vollelektrischen Rennsports ähnliche Erfolge einzufahren. Ich freue mich sehr, Ulrich und die HWA AG in der Formel E-Familie begrüßen zu dürfen und bin gespannt darauf, sie später in diesem Jahr als Kundenteam erstmals auf der Strecke zu sehen."

Welche Fahrer für das HWA-Team antreten werden, ist derzeit noch nicht bekannt. Potenzielle Piloten mit Formel-E-Erfahrung gäbe es genügend: Nicht nur der aktuelle Venturi-Pilot Edoardo Mortara ist in der DTM bei HWA angestellt. Auch Gary Paffett und Paul di Resta, die im Januar am Rookie-Test der Formel E in Marrakesch teilnahmen, fahren in der Tourenwagen-Serie für die Schwaben. Und auch Maro Engel, der als GT-Ass im Mercedes-Kader gilt, fuhr im letzten Jahr noch für HWA in der DTM.

Erfolgreiche Geschichte für HWA im Motorsport

Die 1998 gegründete HWA AG besitzt eine lange Tradition im Motorsport. Das Unternehmen betreut im Auftrag der Motorsportabteilung der Daimler AG als Full-Service-Anbieter das DTM-Engagement der Marke mit dem Stern. So zeichnet HWA auch in der 30-jährigen DTM-Jubiläumssaison von Mercedes-AMG Motorsport im Jahr 2018 für die komplette Entwicklung und den Aufbau der DTM-Fahrzeuge mitsamt Motoren sowie für alle weiteren Aufgaben im Zusammenhang mit dem Betrieb des Rennteams verantwortlich.

Ein Blick in die Statistikbücher zeigt: HWA ist das erfolgreichste Team der DTM-Geschichte. Seit dem werksseitigen Einstieg in die DTM sammelte das "Mercedes-AMG Motorsport DTM Team" zehn Fahrer-, 13 Team- und sechs Marken-Titel. Im gleichen Zeitraum gewannen Mercedes-AMG Motorsport DTM-Fahrer 182 Rennen, darunter 105 Doppelsiege.

Seit 2003 fertigt und betreut die HWA AG auch Rennmotoren für die Formel 3. Zum Start des AMG Kundensportprogramms Ende 2010 entwickelte Mercedes-AMG in enger Zusammenarbeit mit der HWA AG die Rennversion des Mercedes-Benz SLS AMG. 2016 läutete die von Grund auf neu entwickelte Rennversion des Mercedes-AMG GT eine neue Ära im Kundensportprogramm von Mercedes-AMG Motorsport ein, die im vergangenen Jahr mit dem Mercedes-AMG GT4 Zuwachs erhielt.

von Tobias Bluhm 

Zurück

Einen Kommentar schreiben

NEUESTE NACHRICHTEN

Venturi-Car-from-behind

FIA geht gegen vermeintliche Traktionskontrolle in Formel E vor

Die FIA hat mit der Veröffentlichung des Technischen Reglements für die kommende Saison auf mögliche Traktionskontrollen in der Formel E reagiert. Gerüchte besagen, dass gleich neun der elf Teams in Saison ...
von Tobias Wirtz
Max-Günther-climbs-Formula-E-Car

Thema Impfen: So schützt sich die Formel E auf ihrer Welttournee

Die Formel E bewegt sich seit ihrer Premierensaison 2014/2015 auf unterschiedlichen Kontinenten. Europa, Afrika, Asien, Nord- und Südamerika stehen dabei fast jede Saison im Rennkalender der Elektrorennserie. In der derzeitigen ...
von Erich Hirsch
Sam-Bird-Monaco

Formel-E-Fahrer wünschen sich Rückkehr zu fester Rundenzahl

Mit der vergangenen Saison 2018/19 führte die Formel E eine neue Regel zur Dauer eines E-Prix ein: Ab sofort gingen die Elektrorennen nicht mehr über eine fixe, im Vorfeld definierte ...
von Timo Pape
Alejandro-Agag-Extreme-E-Buggy

Agag über Extreme-E-Kritik: "Man kann nicht im Bett bleiben, nur um Emissionen zu vermeiden"

Die neue SUV-Rennserie Extreme E soll zum nächsten großen Streich von Formel-E-Gründer Alejandro Agag werden. Der Spanier, der sich in den kommenden Wochen von seiner Position als Geschäftsführer der Formel ...
von Tobias Bluhm