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Jahresrückblick: Die 10 größten Formel-E-Geschichten aus 2019 (1/2)

"Höher, schneller, weiter": Man könnte meinen, dass das inzwischen wohl etwas eingerostete Motto der Olympischen Spiele wie gemacht für das Formel-E-Jahr 2019 passte. Zahllose Geschichten begleiteten uns in den vergangenen zwölf Monaten. Wie schon 2018 wollen wir die Gelegenheit der ruhigen Zeit nach Weihnachten nutzen, um auf das vergangene Jahr zurückzublicken.

Die Formel E erlebte im letzten Jahr des Jahrzehnts so einiges: BMW gab bei einem denkwürdigen Crash in Marrakesch den sicher geglaubten Doppelsieg leichtfertig aus der Hand, Nissan rang mit der Konkurrenz um den berüchtigten Doppelmotor, Porsche und Mercedes stiegen in die Formel E ein, und Jean-Eric Vergne verwickelte sich in New York in eine selbstgeschaffene Funkaffäre.

Die größten Geschichten aus dem ereignisreichen Jahr 2019 haben wir dir in unserer Top-10-Liste zusammengestellt. Selbstverständlich passierte in den letzten zwölf Monaten noch viel mehr. Deswegen wollen wir auch von dir in den Kommentaren unter dem Artikel wissen: Woran erinnerst du dich, wenn du an das Formel-E-Jahr 2019 denkst?

10. Willkommen Porsche, hallo Mercedes!

Das deutsche Quartett ist vollständig: Nach Audi (2017) und BMW (2018) stiegen mit Porsche und Mercedes 2019 zwei weitere der größten Automobilhersteller Deutschlands in die Formel E ein. Nach einem "Lernjahr" mit dem "Kundschafterteam" HWA erreichte Mercedes auf Anhieb in Diriyya das Podium. Und auch die Newcomer von Porsche zeigten sich bei ihrem Elektrodebüt von einer starken Seite.

Mit Andre Lotterer fuhren die Zuffenhausener im ersten Rennen der eigenen Formel-E-Historie ebenfalls auf das Podest. Ob beide Teams die gute Performance aufrechterhalten können, wird das Jahr 2020 zeigen. Nach wie vor zählen Mercedes und Porsche zu den größten Unbekannten in der Elektroserie. Wir dürfen gespannt sein, was die Zukunft für beide Rennställe bereithält.

9. Jamie Reigle wird neuer Geschäftsführer - und die Formel E zur WM

Auch auf der administrativen Ebene hat sich in der Formel E einiges getan. Nach fünf Jahren dankte Formel-E-Urvater Alejandro Agag im Sommer als Geschäftsführer der Elektroserie ab, beförderte sich selbst zum Vorstandsvorsitzenden und übergab das Zepter der Formel E an den Kanadier Jamie Reigle.

Was mit einer Unterschrift in Paris begann - die Idee zur Formel E -, endete mit einer Unterschrift in Paris. Dieses Mal jedoch nicht auf einer Serviette eines Nobel-Restaurants, sondern auf einem Vertrag, der den Weltmeisterschafts-Status der Formel E besiegelte. Ab der Saison 2020/21, also dem siebten Meisterschaftsjahr, kann sich die Elektroserie somit offiziell als WM betiteln.

8. Pascal Wehrlein geht der Saft aus

Nachdem er den Diriyya E-Prix 2018 aus vertraglichen Gründen noch vor dem Fernseher verfolgen musste, gelang Pascal Wehrlein in seinem zweiten Rennen für Mahindra beinahe die Sensation. Einzig Sam Bird (Virgin) verwehrte dem Deutschen im Hitzerennen von Santiago den Sieg. Wenige Wochen später in Mexiko-Stadt sah erneut alles danach aus, als könnte er gewinnen.

Der 25-Jährige führte bis in die letzte Runde vor Lucas di Grassi, der sich im Audi vorbeizwängen wollte. Wenige Meter vor dem Zielstrich dann der Schock: Wehrleins Akku war leer. Das Auto schaltete sich auf der Zielgeraden aus und di Grassi ging - seitwärts rutschend - auf dem Zielstrich vorbei. Das spektakuläre Finish von Mexiko wird Formel-E-Fans noch lange im Gedächtnis bleiben.

7. Birds Reifenschlitzer-Angriff auf Lotterer

Dramatische Szenen in der Schlussphase eines Rennens gab es auch in Hongkong. Andre Lotterer, damals noch bei DS Techeetah unter Vertrag, führte den E-Prix vor Sam Bird und dem überraschend schnellen Edoardo Mortara (Venturi) an. Die beste Performance im Führungstrio hatte im 50. Rennen der Formel E jedoch eindeutig Bird, der mit aller Macht versuchte, an dem vor ihm gestarteten Lotterer vorbeizugehen.

In der vorletzten Runde des E-Prix setzte der Brite zu einem entscheidenden Manöver an. Mit blockierenden Rädern rutschte Bird in der scharfen Rechtskurve 2 an Lotterer heran und touchierte den Deutschen am rechten Hinterrad. Wenige Kurven später war klar, dass Bird Lotterers Reifen aufgeschlitzt hatte. Der Techeetah-Mann blieb mit einem Plattfuß auf der Strecke stehen, Bird überquerte die Ziellinie auf Platz 1. Einige Stunden nach dem E-Prix wurde der Brite für sein Vergehen bestraft. Mortara, der an selber Stelle im Vorjahr wenige Runden vor Schluss den möglichen Sieg verloren hatte, wurde nachträglich zum Sieger erklärt. Was für eine Geschichte!

6. Der Paris E-Prix - als Gesamtkunstwerk

Im Paris E-Prix 2019 ging es drunter und drüber. Erst verlor Pascal Wehrlein aufgrund zu niedriger Reifendrücke seine Pole-Position aus dem Qualifying, dann wurde das Rennen nach einem heftigen Regenschauer bei Safety-Car-Bedingungen gestartet. Der neue Pole-Sitter Oliver Rowland rutschte in Runde 2 in die TecPro-Barriere und gab den ersten Platz an seinen Nissan-Teamkollegen Sebastien Buemi ab.

Kaum zehn Minuten später fiel dieser ebenfalls zurück: Bei der Aktivierung seines Attack-Modes wurde er von Robin Frijns berührt, der beim Kontakt ein Ventil am rechten Hinterreifen von Buemi abknickte (!) und somit einen schleichenden Plattfuß bewirkte. Das eigentliche Chaos stand jedoch noch bevor: Kurz nach dem abermaligen Führungswechsel öffnete der Himmel erneut seine Pforten.

Insgesamt viermal wurde im Verlauf des Paris E-Prix eine Full-Course-Yellow-Phase benötigt, um im überraschenden Platzregen und Hagelsturm von der Strecke abgekommene Fahrzeuge zu bergen. Kaum ein Auto schaffte es ohne Kratzspuren oder Kampfblessuren ins Ziel. Letztlich verteidigte Frijns mit einem (seit dem Buemi-Kontakt) auf dem Asphalt schleifenden Frontflügel den ersten Platz. Der erste Formel-E-Sieg für den Niederländer - ausgerechnet am holländischen Königstag. Das fabelhaft chaotische Rennen kannst du dir unten in ganzer Länge noch einmal ansehen.

Morgen geht es auf e-Formel.de mit dem zweiten Teil und den Plätzen 5 bis 1 unseres Formel-E-Jahresrückblicks weiter.

VIDEO: Der gesamte Paris E-Prix 2019

von Tobias Bluhm  

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