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"Lobbyismus" - Nissan e.dams auf Antriebsumbau vorbereitet

Es war eines der großen Themen in der Formel E vor dem Swiss E-Prix in Bern: Zur kommenden Saison ändert die FIA das Technische Regelwerk der Elektrorennserie. Der Automobil-Weltverband erklärt nach langen Diskussionen das innovative Doppelmotor-Konzept von Nissan für illegal. Nachdem sich die Verantwortlichen in den vergangenen Wochen mit Details zu ihrem Antrieb sehr zurückhielten, gaben sie nun erstmals öffentlich zu, dass sie in dieser Saison ein Doppelmotor-Konzept verwenden - und auch für die kommende Saison 2019/20 damit geplant haben.

Teambesitzer und e.dams-Teamchef Jean-Paul Driot, der nach schwerer Krankheit in Bern zum ersten Mal seit dem Marrakesch E-Prix im Januar wieder bei einem E-Prix war, äußerte sich während der Pressekonferenz zum Doppelmotor-Verbot: "Wir haben die Saison mit einem sehr innovativen Antrieb begonnen. Wir hatten viele Schwierigkeiten, ihn zum Laufen zu bekommen und ihn zuverlässig zu machen", blickt der Franzose auf die ersten Rennen der laufenden Meisterschaft zurück. "Wir hatten die Performance, aber auch einige Probleme."

"Mittlerweile haben wir ein gutes Niveau in Sachen Zuverlässigkeit und Performance erreicht", erklärt Driot weiter. "Jedoch nur bis zum Ende der Saison, denn wir müssen in einer sehr kurzen Zeit (bis zur Homologation Ende Juli) auf einen Antrieb mit nur einem Motor zurückgehen", hadert er.

Driot betont, dass Nissan bei der Entwicklung des Antriebs immer regelkonform gehandelt habe und kann sich die eine oder andere Spitze gegen die Konkurrenz nicht verkneifen: "Von Anfang an haben wir alles, die gesamte Entwicklung unserer innovativen Lösung, in Absprache mit der FIA gemacht. Anscheinend haben einige Leute gedacht, dass wir zu stark sind. Deshalb hat es einen gewissen Lobbyismus gegeben."

"Aber wir richten uns nach den Vorgaben der FIA", beschließt Driot das Thema: "Nissan richtet sich danach und entwickelt einen neuen, innovativen Antrieb. Wir nehmen die neue Herausforderung an, in der kurzen Zeit auf einen Antrieb mit nur einem Motor zurückzugehen."

Nissan-Motorsport-Chef Carcamo: "Nur unseren Fokus verändern"

Auch Nissan-Motorsport-Chef Michael Carcamo ist zuversichtlich, dass das Team den schnellen Kurswechsel meistern wird. Bei einem Medien-Dinner von Nissan Schweiz beschreibt er die Situation gegenüber 'e-Formel.de' aus seiner Sicht: "Das ist für uns keine Neuigkeit. Wir führen schon seit einiger Zeit Gespräche mit der FIA. Es setzt uns natürlich unter Druck, da wir unser Programm verändern müssen. Aber Verzögerungen werden wir dadurch nicht haben. Wir mussten nur das Timing und die Prioritäten verschieben. Das Team bekommt es aber gut hin, das zu managen."

Carcamo weiter: "Wir wussten immer, dass die meisten Teams nur einen Motor verwenden. Daher haben wir einen Plan und wissen, was wir mit einem Motor erreichen wollen. Uns waren die Vorteile von beiden Systemen immer klar, und wir hatten jetzt ein Jahr Zeit, um zu analysieren, was unsere Konkurrenten entwickelt haben. Jetzt umzusteigen bedeutet für uns nur, unseren Fokus zu verändern."

Das Timing einer solchen Regeländerung nur wenige Wochen vor der Homologation des Antriebs sieht er weitgehend unkritisch: "Es ist nur ein Problem, wenn es darum geht, die Teile zu produzieren und die Zuverlässigkeit in den Griff zu bekommen." Einem Bericht der Kollegen von 'e-racing365' zufolge wird Nissan demnach auch keine Verschiebung der Homologation bei der FIA beantragen. Der von der FIA vorgegebene Zeitplan für die Antriebshomologation könne trotz der Planänderung eingehalten werden. Carcamo erklärt in jenem Artikel, dass die ersten Testfahrten mit dem neu entwickelten Antrieb "in Kürze" stattfinden werden.

Nissan-Pilot Oliver Rowland haben wir kurz nach dem Rennen in Bern hinsichtlich möglicher Performance-Nachteile in Saison 6 befragt. Der Brite äußerte sich durchaus zuversichtlich: "Offensichtlich ist das nicht optimal für uns. Wir haben rund ein Jahr verschwendet. Aber es ist, wie es ist, und ich glaube, dass wir in der kommenden Saison konkurrenzfähig sein werden. Ich bin sehr zufrieden mit allem, was sie (die Ingenieure) tun, auch wenn das jetzt natürlich ein bisschen nervig für sie ist. Wir müssen damit zurechtkommen und weitermachen."

von Tobias Wirtz 

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