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"Marrakesch-Unfall hat uns zusammengeschweißt": Sims & Felix da Costa im Formel-E-Doppelinterview

Nach sechs Rennen in der Formel-E-Saison 2018/19 könnte die Ausgangslage vor dem ersten Europa-Rennen des Jahres kaum spannender sein: An der Spitze der Meisterschaft trennen nicht einmal 20 Punkte die sechs bestplatzierten Piloten voneinander. Ganze elf Fahrer haben beim anstehenden Rom E-Prix die Chance, die Führung in der Fahrerwertung zu übernehmen.

Durch einen dritten Platz im Sanya E-Prix hat den "Platz an der Sonne" derzeit BMW-Pilot Antonio Felix da Costa inne. Der Portugiese führt allerdings mit gerade einmal einem Punkt vor Jerome d'Ambrosio (Mahindra) und muss, wenn er seine Führung behalten will, in Italien erneut ein gutes Resultat erzielen. Im Doppelinterview mit seinem Teamkollegen Alexander Sims, der in der Meisterschaft auf Platz 14 steht, erzählt er unter anderem über den Vorfall in Marrakesch und die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren.

Sims & Felix da Costa im BMW-Doppelinterview

Antonio, Alexander, wie fällt vor dem ersten Rennen in Europa euer Zwischenfazit zur bisherigen Saison aus?

Felix da Costa: "Mit einem Sieg, einer Pole-Position, drei Podiumsplätzen und Platz 1 in der Fahrerwertung hatten wir eine wirklich starke erste Saisonhälfte. Seit klar war, dass BMW als Werksteam in die Formel E einsteigen würde, habe ich aber auch hart gearbeitet, um für die Saison vorbereitet zu sein. Nun zu sehen, dass wir eines der Topteams sind, ist für mich eine große Bestätigung – und eine ebenso große Motivation, genauso hart weiterzuarbeiten."

Sims: "In den bisherigen Rennen haben wir immer wieder großes Potenzial gezeigt. Nicht immer konnten wir aber die entsprechenden Ergebnisse erzielen. Dafür gab es viele verschiedene Gründe, die wir aber analysiert haben, um es in der zweiten Saisonhälfte besser zu machen. Ich bin optimistisch für die nächsten Rennen."

Was waren bisher die Höhepunkte, und welche Enttäuschungen habt ihr erlebt?

Felix da Costa: "Mein bester Tag der Saison war der erste: Die Pole-Position und der Sieg beim ersten Saisonlauf in Diriyya waren unglaublich. Ich habe mich riesig gefreut, dem Team diesen Erfolg schenken zu können. Enttäuschend war leider der Ausgang des Rennens in Marrakesch, als sich acht Minuten vor Schluss ein Traumtag plötzlich ins Gegenteil verkehrt hat."

Sims: "Stimmt, der schlimmste Moment war wohl das Ende vom Rennen in Marrakesch. Einen eindeutig besten Moment hatte ich für mich persönlich in dieser Saison noch nicht, dafür aber viele, die mir gezeigt haben, dass ich in der Formel E schnell unterwegs sein kann. Schön war es tatsächlich zu sehen, wie Antonio in Diriyya gewonnen hat. Das hat dem gesamten Team einen großen Schub gegeben."

Wie seid ihr intern mit dem Vorfall in Marrakesch umgegangen, und was habt ihr daraus gelernt?

Sims: "Zunächst einmal muss man sagen, dass uns dieser Zwischenfall, so enttäuschend er auf der Strecke war, als Team noch enger zusammengebracht hat. Rückblickend kamen in diesem Moment viele Dinge zusammen, die falsch gelaufen sind. Wir haben danach offen und ehrlich über den Vorfall gesprochen und unsere Lehren gezogen."

Felix da Costa: "Alexander hat Recht. Der Tag hat das Team im Nachhinein wahnsinnig zusammengeschweißt. Wir haben durch unseren Umgang mit der Situation bewiesen, dass wir eine Familie sind. Darauf bin ich sehr stolz."

Wo könnt ihr euch noch verbessern?

Sims: "Ich sehe immer wieder, dass ich den Speed habe, um ganz vorne mitzufahren. Aber die Formel E ist so komplex, dass man als Fahrer in jeder Session das Maximum herausholen muss, um letztlich auch die entsprechenden Ergebnisse einzufahren. Außerdem muss man seinen Fahrstil sehr schnell von purer Performance im Qualifying auf Effizienz im Rennen umstellen. An diesen Aspekten muss ich ganz sicher noch arbeiten. Aber es hilft sehr, einen erfahrenen Mann wie Antonio neben mir zu haben."

Felix da Costa: "Ich sehe das größte Potenzial neben der Strecke. Wir lernen uns als Team immer besser kennen und arbeiten auch immer besser zusammen, aber natürlich gibt es immer noch mehr Raum für Verbesserungen. Dabei will ich helfen, so gut ich kann."

Wie eng arbeitet ihr mit euren Ingenieuren zusammen - mehr als in anderen Rennserien?

Sims: "Die wenige Zeit, die man an einem Renntag in der Formel E zur Verfügung hat, ist der stärkste limitierende Faktor. Entsprechend weniger intensiv kann man sich mit den Ingenieuren austauschen. Wir versuchen das durch eine intensive Vorbereitung auf den Renntag auszugleichen - auch mithilfe des Simulators."

Felix da Costa: "Die Technologie in der Formel E ist unglaublich komplex. Es gilt immer, einen Kompromiss aus Speed und Effizienz zu finden. Das ist gar nicht so einfach und kann nicht von mir als Fahrer allein bewältigt werden. Dafür brauche ich den engen Austausch mit meinen Ingenieuren."

Habt ihr auch während der Saison Kontakt zu den BMW-Ingenieuren in München?

Felix da Costa: "Die Verbindung zu den Ingenieuren war vor allem in der Testphase intensiv. Ich fand es großartig, mich mit Leuten auszutauschen, die nicht aus dem Rennsport kommen. Während der Saison arbeiten sie im Hintergrund hart daran, unseren Antriebsstrang von Rennen zu Rennen noch weiter zu verbessern."

Sims: "Wir hatten einmal die Gelegenheit, die Ingenieure in München zu besuchen. Das war unglaublich interessant. Sie haben uns sogar schon einen ersten Vorgeschmack auf Saison 6 gegeben. Ihre Arbeit ist für uns der Schlüssel zum Erfolg."

von Tobias Bluhm 

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