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Max Günther über Heimat & Simracing: "War schon immer gut, mich neuen Gegebenheiten anzupassen"

Mit einem Sieg und einem zweiten Platz in den ersten fünf Rennen der Formel-E-Saison 2019/20 feierte Maximilian Günther als BMW-Werksfahrer einen Einstand nach Maß. Wie alle anderen Rennfahrer kann auch der 22-jährige Allgäuer in der aktuellen Saisonpause nur abwarten, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt. Seine Zeit verbringt er unter anderem mit Simracing und Fitnesstraining in der bayrischen Heimat.

Anlässlich der Veröffentlichung seiner "Homestory" (siehe Video unterhalb dieses Artikels) spricht Günther im Interview über die virtuelle Formel E, Simracing generell, seine bisherige Saisonbilanz und darüber, wie er mit der aktuellen Situation umgeht.

Max, in deiner Homestory sehen wir dich in den Bergen, auf dem Golfplatz, beim Fitnesstraining, in deiner Wohnung und auf der Rennstrecke. Was davon kannst du im Moment noch tun?

Natürlich bin ich in meinen Trainingsmöglichkeiten etwas eingeschränkt. Aber das ist im Vergleich zu dem, was gerade in der Welt geschieht, natürlich eine winzige Einschränkung. Ich denke, dort wo ich lebe, kann ich mit der Situation im Vergleich zu sehr vielen anderen Menschen wirklich gut umgehen. Ich bin bei meinen Eltern in Rettenberg im Allgäu. Dort kann ich im Rahmen der aktuell geltenden Bestimmungen in Bayern zum Sport und für Spaziergänge im engsten Familienkreis raus in die Natur gehen. Das ist mir extrem wichtig. Zu Hause in den Bergen lade ich meine Batterien wieder auf.

Wie sieht dein Trainingsprogramm aus?

Mein Indoor-Fitnesstraining kann ich im Haus meiner Eltern sehr viel besser absolvieren als in meiner Wohnung in Kempten. In diesem Punkt habe ich es in meiner Heimat also noch vergleichsweise gut, wofür ich sehr dankbar bin. Über das Fitnesstraining hinaus nutze ich wie viele andere auch die moderne Kommunikation, um engen Kontakt zum Team zu halten. Wir sprechen sehr viel miteinander, denn auch wenn wir nicht auf der Rennstrecke sind, heißt es nicht, dass die Entwicklung stillsteht.

Was hältst du davon, dass nun auch die Formel E mit ihrer Race at Home Challenge im virtuellen Rennsport aktiv ist?

Natürlich ist es für uns erstmal ungewohnt, unsere Rennen virtuell auszutragen. Aber wir sind alle Wettkampftypen und haben aktuell nun einmal keine andere Chance, auf der Strecke gegeneinander anzutreten. Daher ist die Race at Home Challenge eine tolle Gelegenheit für uns - und die Grafik sieht aus meiner Sicht schon teilweise verblüffend echt aus. Für mich war das Simracing völliges Neuland, denn die einzigen Simulatoren, die ich kannte, waren professionelle Rennsimulatoren wie der bei BMW Motorsport. Vor wenigen Wochen bin ich dann ganz spontan mein erstes Sim-Rennen gefahren und dabei auf den Geschmack gekommen. Es läuft seitdem gut, macht wirklich Spaß und hält mich in der Tat im Rennmodus.

Du hast bislang alle drei Rennen in der Race at Home Challenge gewonnen - sowohl den Testlauf als auf die beiden Saisonrennen. Wie hast du die bisherige virtuelle Saison erlebt?

Ich bin überglücklich, dass ich das erste Meisterschaftsrennen gewinnen konnte. Die ersten Kurven (vergangenen Samstag in Lester) waren sehr chaotisch, es gab sehr viele Berührungen von der Seite und von hinten. Ich war froh, dass ich das überstanden habe und nach den ersten drei Kurven vorne lag. Wir sind alle Sportler - auch wenn es nicht die reale Welt ist, wollen wir dennoch vorne landen. Ich habe es wirklich genossen. Uns macht es großen Spaß und den Fans hoffentlich auch.

Warum bist du so schnell im Simulator?

Ich war schon immer gut darin, mich schnell an neue Gegebenheiten anzupassen. Das hilft natürlich enorm. Man hat in der Testrunde sowie im ersten Wertungslauf gesehen, dass sich alle Formel-E-Fahrer erst einmal an das Limit der Simulation herantasten müssen. Ich denke, das wird uns allen von Rennen zu Rennen besser gelingen. Entsprechend enger wird aus meiner Sicht auch zugehen.

Wie realistisch ist die virtuelle Formel E im Vergleich zum BMW Motorsport Simulator?

Das sind in der Tat zwei verschiedene Paar Schuhe. So realitätsnah die Simulation bei der Race at Home Challenge aus der Cockpit-Perspektive ist, der BMW-Motorsport-Simulator in München ist im Vergleich dazu in vielen Bereichen deutlich komplexer.

Wie blickst du in der aktuellen Zwangspause auf die bisherige Formel-E-Saison zurück?

Ich fühle mich sehr wohl im BMW i Andretti Motorsport-Team. Wir haben einen fantastischen Start in die Saison hingelegt. Der Speed war von den Testfahrten an sehr gut. Und mit dem Sieg in Santiago und dem zweiten Platz direkt vor der Pause in Marrakesch haben wir auch schon großartige Ergebnisse eingefahren. Natürlich würde ich gerne so bald wie möglich wieder zurück auf die Rennstrecke, um an diese Leistungen anzuknüpfen. Aber das liegt nicht in unserer Hand. Im Moment gibt es einfach viel Wichtigeres als Rennsport. Alles, was wir tun können ist, uns so gut wie möglich auf den Moment vorzubereiten, in dem die Saison weitergeht.

Fotos: BMW

Homestory-Video: Maximilian Günther

von Timo Pape  

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Kommentar von EffEll |

Ach was! Ich hatte eigentlich angenommen, dass Günther ähnlich wie de Vries oder Vandoorne vertraut mit dem Sim-Racing ist! Demnach ist es umso beeindruckender, dass er jedes einzelne der bisherigen drei virtuellen ePrix für sich entscheiden konnte, obwohl das offenbar seine erste Erfahrung mit PC Gaming im Rennspielsektor war. Unfassbar.

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