Mercedes-EQ-Formula-E-Cockpit

Mercedes-Formel-E-Chef Ian James: "Keine Serie, in der jemand absolut dominieren wird"

Langsam aber sicher wird es ernst für Mercedes. Noch rund ein halbes Jahr, dann steht für das neue "Mercedes EQ Formula E Team" das Renndebüt in der Elektroserie auf dem Programm. Die Entwicklungsarbeit am ersten reinen Elektro-Rennantriebsstrang der Stuttgarter läuft auf Hochtouren, denn viel Zeit bleibt Mercedes bis zur Homologation nicht mehr. Ian James, Managing Director des neuen Formel-E-Teams, rechnet mit einer umkämpften Debütsaison.

"Ich denke, wir sind realistisch hinsichtlich des Erfolgs und der Erwartungen, die Mercedes an das Team stellt", erklärt der Brite gegenüber 'CNN Supercharged'. "Es handelt sich nicht um einen Sport oder eine Serie, bei der wir erwarten können, dass irgendjemand absolut dominieren wird. Deshalb gehen wir mit einer gesunden Portion Demut und Respekt vor den anderen Teams an die Sache heran."

Von 2011 bis 2015 war James in Brixworth bei "Mercedes AMG High Performance Powertrains" im Einsatz und kennt sich somit bestens mit dem Formel-1-Programm der Schwaben aus. In Anbetracht der zahlreichen WM-Titel in der "Königsklasse" während der vergangenen Jahre versucht er, den Erfolgsdruck entsprechend zu managen: "Mit Blick auf unsere jetzige Reise in die Formel E sind wir uns der Erfolge, die Mercedes-Benz in der Formel 1 erzielt hat, bewusst. Aber wir sind uns auch sehr wohl im Klaren darüber, dass es sich um eine ganz andere Serie handelt, die ihre eigenen einzigartigen Herausforderungen mit sich bringt."

Dass das Engagement von Mercedes in der Formel E den Erfolg des F1-Teams beeinträchtigen könnte, glaubt James nicht: "Es stellen sich viele Fragen, ob die Formel 1 und Formel E nebeneinander existieren können - insbesondere bei Mercedes. Wir sind die einzige Marke, die derzeit in beiden Serien vertreten ist", erklärt er. "In der Formel 1 hast du die Rennstrecken und die damit verbundene Tradition. Dann hast du diese aufregende Welt der Formel E, die wirklich im Zentrum der Stadt liegt und einen anderen Fokus hat – nicht nur in Bezug auf elektrisch versus hybrid. Wir verfügen über die ideale Ausgangslage, um von beiden Rennserien zu profitieren."

Wie alle anderen Hersteller betont auch James den Einfluss, den das Formel-E-Engagement auf die Serienproduktion von Mercedes haben wird: "Wir haben angekündigt, dass Mercedes-Benz als Unternehmen das Ziel verfolgt, bis zum Jahr 2039 klimaneutral zu werden. Jetzt bietet uns die Formel E natürlich eine Plattform, mit der wir das nicht nur kommunizieren können – sondern wir wollen uns als Team zum Ziel setzen, der Maßstab dessen zu werden, wie wir dies künftig angehen werden."

Die sechste Formel-E-Saison beginnt im Dezember dieses Jahres - nach unseren Informationen erst am 21.12. kurz vor Weihnachten - in Saudi-Arabien. Dies ist jedenfalls die jüngste Information, die die Teams von der FIA erhalten haben. Festgelegt werden die Termine des künftigen Rennkalenders aber erst in der kommenden Woche am Freitag, dem 14. Juni. Dann tagt der Welt-Motorsport-Rat (WMSC) der FIA.

von Timo Pape 

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Kommentar von EffEll |

In der Formel 1 ist man ja schon "froh", wenn einer der beiden Mercedes-Fahrer lediglich auf dem dritten Gesamtrang ins Ziel fährt. Bisher erstickt das Formel-E-Qualifying-Format jeden Anflug von Dominanz verlässlich im Keim. Mit einer Qualifikation wie in den meisten anderen Rennserien hätte BMW anfangs der Saison durchaus ein beträchtliche Punktepolster aufbauen können (allerdings auch bei Einigkeit von da Costa und Sims). Hoffen wir mal, dass es auch in der nächsten Saison bei diesem Qualifikationsformat bleibt. Auch wenn sich dadurch benachteiligte Fahrer regelmäßig darüber beschweren. Für den Zuschauer ist es nur positiv. Eine solch beispiellose Dominanz wie in der aktuellen Formel 1 würde der Formel E ganz und gar nicht helfen.

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