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Mercedes-Teamchef James im Exklusiv-Interview: Konkurrenz mit Audi & Co. "für den Sport nur förderlich"

Mit dem Einstieg der deutschen Formel-E-Teams von Mercedes und Porsche steht die elektrische FIA-Serie vor ihrer bisher vielleicht wichtigsten Saison. In der "am härtesten umkämpften Meisterschaft der Welt", wie die Formel E immer öfter genannt wird, stehen die zwei neuen Rennteams vor einer regelrechten Feuertaufe, bei der sie sich von Anfang an mit etablierten Formel-E-Größen wie Audi, DS Techeetah oder Nissan e.dams messen müssen. Umso logischer erscheint es, dass Mercedes auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt mit Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries kürzlich zwei Weltklasse-Piloten als Duo für die Saison 2019/20 vorstellte.

Geführt wird das Mercedes-Team von Ian James. Der 41-jährige Brite, der übrigens fließend Deutsch spricht, arbeitet schon seit 2005 in verschiedenen Positionen für den Daimler-Chrysler-Konzern und leitet seit diesem Jahr als Managing Director und Teamchef den Einsatz von Mercedes' Formel-E-Rennstall. James wohnt im englischen Marlow und ist Familienvater zweier Kinder.

Am Rande der Mercedes-Präsentation in Frankfurt haben wir uns mit James unterhalten und wollten wissen, wie sich das Team auf den Saisonauftakt in Saudi-Arabien vorbereitet, welche Rolle die Vorarbeit von HWA Racelab dabei spielt, und wie er die besondere Situation mit vier deutschen Formel-E-Teams in einer Rennserie einschätzt.

Ian, in der neuen Saison sind mit Audi, BMW, Mercedes und Porsche vier deutsche Formel-E-Teams am Start. Was denkst du darüber?

Das ist wirklich phänomenal. Es zeigt, wie groß das große Interesse an der Serie aktuell ist. Zum ersten Mal überhaupt gibt es einen Wettbewerb der vier großen deutschen Marken. Am Ende des Tages möchten wir aber natürlich trotzdem jeden Konkurrenten auf der Rennstrecke besiegen. Aus Sicht der Medien steigt deswegen sicherlich das Interesse, was für unseren Sport nur förderlich ist.

Wie wichtig war die Vorarbeit von HWA für den Formel-E-Einstieg von Mercedes?

Wir dürfen nicht unterschätzen, was HWA letzte Saison geleistet hat. Sie hatten ein herausforderndes Jahr, haben aber trotzdem ein erfolgreiches und konkurrenzfähiges Team auf die Beine gestellt. Wir haben viel von HWA gelernt und können von ihren gesammelten Erfahrungen profitieren. Wir haben somit schon jetzt ein Gefühl dafür, wie die Formel E läuft. Die Serie funktioniert ganz anders als alle anderen Motorsportserien. HWA war ein Kundenteam, wir kommen jetzt mit einem Werksauto in Saison 6 in die Formel E. Wir können das Auto also eigenständig weiterentwickeln - das ist eine ganz andere Perspektive als vorher. Unsere Lernkurve wird also weiterhin steil verlaufen.

Wird der ehemalige HWA-Teamchef Ulrich Fritz denn eine Position im Team bekommen?

Wir haben die Zusammenarbeit mit Uli in Saison 5 sehr geschätzt. Er bringt ebenfalls sehr viel Erfahrung mit seinem motorsportlichen Hintergrund mit. Wir werden ihn sicherlich auch in der nächsten Saison in unserer Box antreffen. Und solange er möchte, kann er uns seine Einschätzungen mitteilen.

Und welche Rolle übernimmt Franco Chiocchetti?

Franco bleibt in seiner bisherigen Rolle bei HWA tätig. Er ist "Head of Formula E" und übernimmt das Projektmanagement bei HWA. Er bringt ungemein viel Erfahrung aus der Formel E mit. Sein Part wird für uns entscheidend sein.

Hatte er auch Einfluss auf die Auswahl des Fahrer-Line-ups?

Als Team schauen wir nach allen Möglichkeiten und Optionen, die es im Fahrerfeld innerhalb der Formel E und auch außerhalb gibt. Ich habe das Glück, dass wir die Erfahrung von Franco besitzen, dazu Tony Ross, unseren Chef-Renningenieur, und natürlich Toto Wolff. Für mich sind das sehr zuverlässige Experten, mit denen wir schließlich eine endgültige Entscheidung getroffen haben. Ich fühle mich sehr wohl mit der Entscheidung, die wir mit Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries gefällt haben.

Warum habt ihr euch für Nyck de Vries entschieden und gegen Edoardo Mortara, der bereits einen E-Prix für Venturi gewonnen hat?

Es war eine sehr schwierige Entscheidung. Wir haben uns alle möglichen unterschiedlichen Aspekte angesehen. Der Charakter des Piloten ist enorm wichtig. Und Nyck liefert aktuell sehr, sehr gute Leistungen in der Formel 2 ab. Wenn man sich seine Karriere ansieht, erkennt man, dass er zudem schnell lernt. Das ist ein wichtiger Faktor in der Formel E.

Auf welche Location in Saison 6 freust du dich am meisten? Gibt es eine Stadt im Rennkalender, in der du noch nie warst?

Ja, ich war noch nie in Seoul, darauf freue ich mich schon sehr. Mein Lieblingsrennen wird aber London werden. Ich komme aus dieser Stadt und liebe sie. Es wird mein Heimrennen, das wird ganz besonders. Generell besitzen aber alle Rennstrecken aus Saison 5 einen einzigartigen Charakter und auch einen einzigartigen Wettbewerb. Das wird mir viel Spaß machen.

Foto: Daimler

von Erich Hirsch 

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