Solar-Panels-Mexico-City

Neue Zahlen: So viel Strom benötigt die Formel E für ein Rennevent

Auch nach mehr als drei Jahren ist die Frage nach der Stromquelle für Formel-E-Fahrzeuge eines der lautesten Argumente von Kritikern der Elektroserie. Erst in der letzten Woche stellte das deutsche Motorsport-Urgestein Ralf Schumacher abermals öffentlich in Frage, wie "grün" die Formel E tatsächlich ist. Neben dem Umweltschutz und der Nachhaltigkeit zähle schließlich auch Sparsamkeit zu den wichtigsten Werten der Serie. Das Unternehmen Enel, Energie-Partner der Formel E, präsentierte nun aktuelle Zahlen zum Stromverbrauch eines Rennevents. Enel hat große Ambitionen: Schon bald könnte jedes Elektrorennen vollkommen klimaneutral ablaufen.

Seit 2016 begleitet Enel die Formel E als offizieller Energie-Partner um die Welt. Hauptaufgabe des italienischen Unternehmens ist die Überwachung und Aufzeichnung des Stromverbrauchs an einem Rennwochenende. Doch Enel spielt auch eine aktive Rolle: Hinter den Kulissen verhandelt das Unternehmen ständig mit neuen Energiezulieferern, damit die Rennevents der Formel E mit so viel Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie möglich versorgt werden.

Das Portfolio der Formel E ist seit der Partnerschaft mit Enel merklich gewachsen: In Marrakesch kamen erstmals eigene Solarpanels zum Einsatz, der ePrix in New York wurde zusätzlich zur Formel-E-Photovoltaikanlage mit Strom aus der Stipa-Nayaa-74-MW-Windfarm in Mexiko unterstützt. Am "Big Apple" zelebrierte die Formel E zudem das erste vollkommen emissionsfreie Wochenende - ein echter Meilenstein.

Fahrerlager der größte Stromfresser

Die geringste Überraschung in den Daten von Enel ist wohl, dass der administrative Bereich der Teams im Paddock den größten Anteil des Stromverbrauchs einnimmt. Bis zu viermal pro Renntag werden in der Formel E die Fahrzeuge voll aufgeladen, hinzu kommen die stromfressenden Computer und Monitore, die durchgängig laufen.

Im Sonntagsrennen von Montreal verbrauchten die Teams im Paddock knapp 3.423 kWh über den gesamten Tag - das ist beinahe die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs. Ein Drittel dieser Energie ist auf das Laden der insgesamt 40 Elektroboliden zurückzuführen. Allein das Fahrerlager frisst damit so viel Strom wie ein durchschnittlicher Haushalt in 109 Tagen. Doch damit nicht genug: Die TV-Übertragung und Rennleitung verbrauchten weitere 1.000 kWh, das Pressezentrum 1.241 kWh und das eVillage für die Fans sogar 1.436 kWh. Knapp 7.100 kWh nutzt die Formel E also an einem einzigen Renntag, plus/minus 1.000 kWh. Ein nicht unerheblicher Teil des Stroms stammt dabei aus erneuerbaren Energiequellen.

Formel-E-Projektmanager zufrieden

Nach der ersten vollständigen Saison der Partnerschaft fällt Enels Formel-E-Resümee überaus positiv aus: "Die Formel E ist für alle Partner und Mitspieler ein idealer Prüfstand für die Entwicklung der Technologie von morgen", sagt Enels Formel-E-Projektmanager Christopher Regan im 'Paddock Magazine'. "Gemeinsam mit Alejandro Agag wollen wir in der Zukunft die Rennwochenenden immer effizienter gestalten."

Enel habe sich Schritt für Schritt an die Elektroserie herangetastet. Zu Beginn der Saison baute Enel in Marrakesch erstmals eine eigene Photovoltaikanlage in das Formel-E-Micro-Grid ein, beim vorletzten Rennwochenende in New York kamen bereits hochentwickelte Bifacial-Solarzellen zum Einsatz, die das einfallende Sonnenlicht von zwei Seiten ausnutzen können. Der Strom für das Aufladen der Fahrzeuge stammt zudem aus Generatoren von Aquafuel - einem weiteren Formel-E-Partner -, die mit dem CO2-neutralem Glycerin angetrieben werden.

Ob die Formel E nun tatsächlich eine "grüne" Rennserie ist, liegt wohl weiterhin im Auge des Betrachters. Während stellenweise mehr als 60 Prozent des genutzten Stroms weiterhin aus dem örtlichen Stromnetz bezogen werden, arbeitet Enel mit Hochdruck daran, die Elektroserie stets mit sauberer Energie zu beliefern. Die Chancen auf eine saubere Zukunft stehen gut: In Buenos Aires musste kein einziges Elektron aus dem städtischen Stromnetz gezogen werden. Und: Zum Start der fünften Saison (2018/19) soll, wie zuletzt in New York, jedes Formel-E-Rennen 100 Prozent emissionsfrei abgehalten werden.

Im Vergleich: Stromverbrauch der Formel E

Werte in Kilowattstunden (kWh)

Mehr Details und Informationen zum Stromverbrauch an einem Formel-E-Rennwochenende findest du in der Web-App von Enel.

von Tobias Bluhm  

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Kommentar von Robert |

sehr geehrte Damen und Herren,
was sagen sie zu den Vorwürfen die in meiner Heimatzeitung Augsburger Allgemeine/ Günzburger Zeitung zu lesen war auf der Titelseite sogar das die Formel E Schuld ist am stundenlangen Stromausfall in Manhattan?

Kommentar von Timo |

Hallo Robert, ich bin mir nicht sicher, ob das nicht als Scherz gemeint war. War auf jeden Fall nicht der Grund! ;) Gruß, Timo

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