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Wegen Nissan: Formel-E-Hersteller fordern Verbot für Doppelmotoren

Neue Entwicklungen im Streit über den Nissan-Doppelmotor: Acht der aktuell neun Hersteller in der Formel E fordern ein Verbot des Antriebskonzepts mit zwei Elektromotoren für die übernächste Formel-E-Saison 7. Laut eines Berichtes von 'e-racing365' soll ein entsprechendes Schreiben der Hersteller an die FIA versendet worden sein. Der Automobilweltverband ist für das Reglement der Elektrorennserie zuständig.

Bereits Ende März sollen bis auf Nissan alle aktuellen Antriebshersteller der Formel E in einem gemeinsamen Schreiben an Laurent Arnaud, den Technischen Delegierten der FIA, und sein Team ihre Position dargelegt haben. Zuvor hatten die Regelhüter eine Sitzung abgehalten, bei der Fragen zur Funktionsweise des Nissan-Doppelmotors gestellt werden konnten.

Die von den Herstellern vorgeschlagene Änderung des Reglements bezieht sich auf Paragraph 6.1 des Technischen Reglements der Formel E, der die erlaubten Spezifikationen des Elektromotors (Motor Generator Unit (MGU)) beschreibt. Hier soll explizit aufgenommen werden, dass ein Fahrzeug nur über einen einzigen Elektromotor angetrieben werden darf. Hintergrund des Vorschlags sind die Kosten, die die komplexe Entwicklung eines aus mehreren Elektromotoren bestehenden Antriebs verursacht. Ein teures Wettrüsten um Performance-Vorteile, die ein solches, gut optimiertes System zweifellos bringen würde, soll somit bereits im Vorfeld verhindert werden.

Ein Konkurrenzhersteller hat dem Bericht zufolge bereits bei einem der vergangenen Rennen eine Audio-Analyse der vorbeifahrenden Nissan IM01 von Spezialisten durchführen lassen. Ergebnis war, dass auf den Tonaufnahmen zweifelsfrei zwei MGU-Signale zu entdecken waren. Zudem wären beide MGUs mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten gelaufen, heißt es. Dies deutet darauf hin, dass sich die zweite MGU unabhängig von der ersten dreht und auf diese Art und Weise Energie zwischenspeichern kann.

Clevere legale Lösung oder Regelverstoß?

Mindestens zwei andere Hersteller sollen für diese Saison ebenfalls Pläne für Doppelmotor-Antriebe entwickelt haben, diese aber Gerüchten zufolge nach einer Sitzung der Technischen Arbeitsgruppe der Formel E bereits Anfang 2018 wieder verworfen haben, da diese als nicht regelkonform bezeichnet worden seien.

Ein führender Ingenieur in der Elektrorennserie sprach von einem Vorteil von bis zu einer Sekunde pro Runde, den ein solches System bringen könnte, besonders beim Herausbeschleunigen aus langsamen Kurven. "In der Endphase eines Rennens, wenn man nicht mehr regenerieren kann, verbrennt man bei jedem Bremsvorgang Energie. Nissan kann stattdessen die zweite MGU mit der Energie aufladen", so der namentlich nicht genannte Ingenieur.

Da eine kurzfristige Regeländerung der Einstimmigkeit der Teams bedarf, sollen die Doppelmotor-Fahrzeuge in der kommenden Saison nach Vorschlägen der Hersteller zunächst überwacht werden, ob die Regeln auch eingehalten werden. Nissan müsste infolgedessen seine technische Strategie für die kommende Saison einschränken, da davon auszugehen ist, dass der Antrieb deutlich ausgereifter als in dieser Saison sein und einen deutlichen Performance-Vorteil bringen wird.

Mehrere Hersteller sollen auch in Erwägung ziehen, bei einem der kommenden Rennen Protest gegen die Nissan-Fahrzeuge einzulegen, obwohl der Antrieb in dieser Form im August 2018 durch die Regelhüter homologiert wurde. Dies wird aber nur als letzter Ausweg gesehen. Stattdessen verlangen die Hersteller von der FIA Klarheit darüber, wie mit der Situation umzugehen ist.

von Tobias Wirtz 

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Kommentar von Matthias |

Es wäre doch so einfach. Die FIA verlangt von Nissan eine festes Drehzahlverhältnis zwischen den 2 Motoren und somit entsteht ein gekoppelte (feste Übersetzung) die sämtliche Schlupflöcher schließen würde.
@Tobias: Warum ist am Ende des Rennens keine Rekuperation denn mehr möglich? Wenn das BMS gut genutzt wird ist doch noch thermische Reserve in der Batterie. In dieser Saison war doch nur zu beobachten, dass die Fahrer zuviel Energie noch in der Batterie hatten und es zum Ende zu einem Vollgas Rennen wurde. Speziell wenn das Safety Car raus muss.

Kommentar von EffEll |

In den Anfängen der Formel E gab es doch auch schon einige Teams, die auf zwei Motoren setzten. M.W. Renault, DS und NextEV. Auch wenn damals wohl noch niemand an eine Zwischenspeicherung von Energie dachte. Meiner Meinung nach sollte man Nissan den Vorteil gewähren. Allerdings will mir die Lösung nicht ganz einleuchten. Speichert der zweite Motor die beim Bremsen gewonnene Energie in eine Art Schwungrad?

Kommentar von Tobias Wirtz |

Hallo, vielen Dank für eure Kommentare.

@Matthias: Ich muss zugeben, dass ich es auch nicht mit 100%iger Sicherheit weiß, aber durch die ständige Rekuperation gerät die Batterie wohl auch bei moderaten Außentemperaturen gegen Rennende an ihre termischen Grenzen. Ich werde aber versuchen, dazu in Kürze ein paar detailliertere Informationen zu bekommen.

@EffEll: DS und NextEV hatten in Saison 2 bzw. Saison 3 einen Doppelmotor - jedoch ein "klassische" Architektur, bei der jeweils ein Motor mit einem Hinterrad verbunden war. Es ist wohl genau so, wie du auch am Ende fragst - der zweite Motor im Nissan soll als eine Art Schwungrad dienen, das zusätzliche Energie beim Beschleunigen bereitstellt. In meinen Augen eigentlich ein klarer Regelverstoß, da laut technischem Reglement keinerlei Energie außerhalb der Einheitsbatterie gespeichert werden darf.

Kommentar von EffEll |

Danke für die Antwort.
Für mich wäre diese Lösung stark kompromissbehaftet. Wenn die Schwungmasse direkt auf dem Anker/der Welle des zweiten Motors sitzt, müsste dieser ständig am laufen gehalten werden, um die hohe Massenträgheit nicht immer überwinden zu müssen. Zudem könnte man mit diesem in der Beschleunigungsphase nicht das ganze Drezahlband ausfahren, da sonst die Schwungmasse bereits viel Energie eingelagert hätte. Daher könnte ich mir auch vorstellen, dass das Schwungrad per Kupplung vom Motor getrennt werden kann. Dann wäre es aber ein noch offensichtlicherer zusätzlicher Energiespeicher, wenn auch lediglich kinetisch. Zudem ist die Energiehöhe, die man dadurch vorhalten kann, direkt von der Masse abhängig. Ich kann nicht wirklich glauben, dass der Vorteil diesen Gewichtsnachteil aufwiegt. Es würde mich sehr freuen, wenn man hier in Zukunft mehr Informationen darüber erhält. Ein ist ein sehr interessanter Ansatz. Jedoch muss ich bei Nissan in dem Zusammenhang prompt an den GT-R LM Nismo LMP1 denken. Interessante Ansätze sind manchmal lediglich interessant, aber nicht zwingend konkurrenzfähig. Falls Nissan hier ein großer Wurf gelungen sein sollte, wäre ein Verbot doppelt bitter. Ich mag deren Ideenreichtum

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