Meisterschaft-Formel-E

Showdown um Formel-E-Titel: di Grassi vs. Buemi

Die Spannung steigt: Am Sonntag werden wir endlich wissen, wer sich als zweiter Formel-E-Meister in die Geschichtsbücher des Sports eintragen darf. Alle Augen sind beim großen Showdown in London auf Sebastien Buemi und Lucas di Grassi gerichtet. Die beiden Topfahrer trennt an der Spitze der Fahrerwertung nur ein einziger Punkt. Für den London ePrix gilt: Alles oder nichts. Buemi oder di Grassi.

Einen eindeutigen Favoriten gibt es nicht. Beiden Fahrern ist der Sieg zuzutrauen. Auch der Brite Sam Bird hätte noch Chancen auf den Titel, jedoch ist er so weit abgeschlagen, dass er ein Wunder bräuchte, um die beiden Führenden noch einzuholen - zweimal Sieg, Pole-Position und schnellste Runde, während di Grassi und Buemi ausfallen. Auch in unserer Redaktion scheiden sich die Geister darüber, wer sich in London die Krone aufsetzen wird. Timo ist der Meinung, dass e.dams-Fahrer Sebastien Buemi leichte Vorteile im Titelkampf haben könnte. Tobias hingegen ist da ganz anderer Meinung. Er findet, dass die Sterne für Lucas di Grassi (ABT) besser stehen.

Timo Pape: Darum gewinnt Sebastien Buemi den Titel

"Die Chancen stehen in meinen Augen 51:49 für Buemi. Grund dafür ist allein das Auto. Zu Saisonbeginn fuhr e.dams in einer anderen Liga: Buemi holte in den ersten drei Rennen dreimal die schnellste Runde, zwei Siege und zwei Pole-Positions. Dann schwächelte Renault. Nicht nur Fehler warfen das Team zurück, auch das deutsche ABT-Team fand immer besser in die Saison. Dank der unfassbaren Konstanz von Lucas di Grassi sind die Kemptener vor dem Finale einen Punkt vorn und auch in Sachen Performance quasi auf Augenhöhe. Quasi.

Noch immer dürfte der extrem leichte Renault vom Potenzial her einen Deut schneller sein. Das hat sich beim letzten Rennen in Berlin offenbart, als Buemi endlich zurück in die Spur fand und seinen dritten Saisonsieg holte. Allerdings kann es auf dem Finalkurs von London auch schon wieder anders aussehen. Ich glaube, dass sich weder di Grassi noch Buemi einen entscheidenden Fehler leisten werden. Di Grassi ohnehin nicht, und Buemi muss einfach aus seinen Fehltritten in der Vergangenheit gelernt haben. Nicht nur in dieser Saison, sondern auch beim London ePrix 2015, als er durch einen Dreher jene eine Position verlor, die ihm die Meisterschaft gebracht hätte.

Buemi muss am Wochenende "lediglich" zweimal vor di Grassi ins Ziel kommen. Dass er im Qualifying auf eine Runde gesehen eigentlich schneller ist - sowohl Fahrer als auch Auto - hat er oft genug bewiesen. Wenn auch viel zu selten in dieser Saison. Deshalb könnte ihm in die Karten spielen, dass die enge Strecke im Battersea Park kaum Überholmanöver zulässt. Sollte es nicht anfangen zu regnen, und sollte Buemi keine Fehler machen, dann holt er den Titel. Auch wenn di Grassi ihn nach einer herausragenden Saison noch einen Tick mehr verdient hätte. Meine Meinung."

Lucas-di-Grassi-Sebastien-Buemi

Tobias Bluhm: Deshalb wird Lucas di Grassi Formel-E-Meister

"Natürlich holt sich die Grassi in London den Titel! Das Jahr des Brasilianers war schlichtweg beeindruckend. Mit Ausnahme des Mexico City ePrix, wo er nach seinem Sieg disqualifiziert wurde, schaffte es der 31-Jährige es bei jedem Rennen aufs Podium. Das ist bärenstark!

Auch brachte sein Konkurrent Buemi in den wichtigen Momenten nicht die erwartete Leistung. Ich erinnere nur an Dreher in Qualifyings und die unprofessionellen Kollisionen mit seinen Konkurrenten in Mexiko und in Long Beach. Im direkten Qualifikationsduell gegen di Grassi steht es fünf zu drei gegen Buemi. Und als wäre das nicht genug, steckt dem Schweizer noch immer die Enttäuschung aus Le Mans in den Knochen. Dort fiel sein Auto nur vier Minuten vor Ende des 24-Stunden-Rennens in Führung liegend aus.

Für di Grassi sieht die Welt ganz anders aus. Nicht nur gewann er am letzten Wochenende das prestigeträchtige Norisring-Rennen im Audi TT Cup, auch hat er die volle Unterstützung seines Teams. Der anfängliche Performancevorteil von e.dams ist aufgeholt, die Chemie mit seinem Teamkollegen Daniel Abt stimmt, und auch allgemein wirkt es so, als ob di Grassi besser mit der Drucksituation umgehen kann. So knapp es in der Punktewertung auch aussehen mag - di Grassi hat ganz eindeutig die besseren Karten!"

Noch ist nichts entschieden. Eines ist trotzdem sicher: Sowohl e.dams als auch ABT wollen ihren Fahrern ein perfektes Auto zur Verfügung stellen, um sie so zum Meister zu machen. Jetzt liegt es nur noch an den Piloten selbst. Alles oder nichts. Sieg oder Niederlage. Buemi oder di Grassi. Es kann nur einen geben beim großen Showdown von London.

Das Meisterschaftsduell im direkten Vergleich

 

 

Sebastien Buemi

Lucas di Grassi

Meisterschaftspunkte

140141

Siege 

33

Pole Positions

20

schnellste Rennrunden

40

durchschnittl. Startplatz

5,94,5

durchschnittl. Zielposition

1,61,8

Qualifying-Duell

35

Rennergebnis-Duell

53

FanBoost erhalten

23

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*abzüglich der "Ausfälle" beider Fahrer in Putrajaya, Long Beach (Buemi) und Mexiko-Stadt (di Grassi).

Foto: Renault e.dams

Di Grassi vs. Buemi - Duell der Giganten (50 Minuten)

von Tobias Bluhm 

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