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"Silly Season": Die aktuellen Gerüchte auf dem Formel-E-Fahrermarkt

In der Formel-E-Gerüchteküche brodelt und rumort es wie selten zuvor. Während sich die Teams und Fahrer vor nunmehr drei Wochen in die Sommerpause verabschiedeten und sich langsam aber sicher um die Vorbereitungen für die kommende Saison kümmern, kommt immer mehr Bewegung in den Fahrermarkt. Mehrere Piloten kämpfen mit aller Kraft um ihren Verbleib in der Elektroserie, andere suchen nach Neuverpflichtungen, wieder andere wollen lediglich einen Fuß in die Tür der Formel E bekommen. Die "Silly Season", also die Zeit des Jahres, in der am wildesten spekuliert wird, nimmt Fahrt auf.

Mit Audi und Jaguar haben sich bislang nur zwei der elf Teams öffentlich für ihre Fahrerpaarung entschieden und bekanntgegeben, die nächste Saison mit den gleichen Piloten wie im Vorjahr zu bestreiten. Welche Fahrer sich außerdem Hoffnungen auf einen Platz in der Elektroserie machen können, haben wir dir in diesem Artikel ebenso zusammengestellt wie die aktuellsten Gerüchte aus dem Fahrerlager.

Robin Frijns vor Formel-E-Comeback mit Virgin?

Zwar wartet der Deal noch immer auf seine offizielle Bekanntmachung, jedoch gilt seit Wochen als offenes Geheimnis, dass das britische Virgin-Racing-Team im nächsten Jahr mit Antriebssträngen von Audi an den Start gehen wird. Durch die neue Verbindung zu den Ingolstädtern dürften sich einige Audi-Werksfahrer Hoffnungen auf einen Platz in der hart umkämpften Formel E machen.

Unter anderem könnte auf diesem Wege Robin Frijns, seines Zeichens Audi-Werksfahrer, ein Comeback in der Formel E feiern. Nachdem Sam Bird ein Angebot von BMW ausschlug, um in den Genuss der Audi-Motoren bei Virgin zu kommen, würde der Niederländer das Cockpit von Alex Lynn erben, der sich nach einer durchwachsenen Saison auf seinen Aston-Martin-Einsatz in der WEC "Super Season" konzentrieren könnte.

Zwischen 2015 und 2017 konnte der Niederländer Frijns bei insgesamt 22 Formel-E-Einsätzen Erfahrungen in der Elektroserie sammeln. Er wäre ohne Frage ein guter Kandidat für Virgin. Frijns' mögliche Konkurrenten bei Virgin sind jedoch ebenso hochkarätig: Nyck de Vries, Nico Müller, Tom Dillmann, Adam Carroll und Oliver Jarvis sind nur einige der Namen, die in der Vergangenheit im Formel-E-Dunstkreis auftauchten. Letzterer ist laut einem Bericht von 'e-racing365' aktiv auf der Suche nach einem Cockpit.

Paul di Resta zu HWA, Bruno Spengler für BMW?

Es gibt noch eine Reihe weiterer DTM-Fahrer, die sich nach einem neuen Programm in der Formel E umsehen. Beim BMW-Team, das sich ab Dezember erstmals werksseitig in der Formel E engagiert, zeichnet sich inzwischen ein enger Kampf um den Platz an der Seite von Antonio Felix da Costa ab.

Während der Portugiese als so gut wie gesetzt gilt, scheinen nur noch drei Werksfahrer bei BMW im Rennen zu sein: Tom Blomqvist, Alexander Sims und Bruno Spengler. Alle drei testeten in der Vergangenheit bereits den "Gen2"-Renner für das neue Team. Blomqvist nahm in der abgelaufenen Saison an insgesamt sechs Rennen mit Andretti teil, und auch Sims ist schon seit einiger Zeit Teil des Teams. Doch Spenglers Chancen sind nicht zu unterschätzen - der Kanadier hat nicht nur 13 Jahre DTM-Erfahrung, sondern nahm auch bereits im Januar in Marokko beim Rookie-Test der Formel E teil. Nichtsdestotrotz dürfte BMW auch außerhalb des eigenen Teichs fischen, wie das Angebot an Sam Bird gezeigt hat.

Im HWA-Team bringt sich indes ein weiterer Ex-Formel-1-Fahrer ins Gespräch: Paul di Resta. Der Schotte sei in Verhandlungen mit dem Team aus Schwaben, hieß es erst kürzlich bei 'Crash.net'. Wie weit fortgeschritten die Gespräche sind, ist jedoch nicht bekannt.

Chance für Maximilian Günther bei Dragon?

Schon in Berlin hätte er erste Erfahrungen mit dem Elektro-Boliden von Dragon Racing sammeln sollen, jetzt zielt Formel-2-Fahrer Maximilian Günther auf das Stammcockpit von Formel-E-Veteran Jerome d'Ambrosio bei Dragon Racing ab. Der Deutsche war wie auch Spengler Teil des Testaufgebots in Marrakesch, besuchte aber auch danach noch mehrere Rennen der E-Serie als Teammitglied von Dragon.

In den vergangenen Wochen und Monaten kamen zudem Testfahrten mit dem neuen Rennwagen der nächsten Saison hinzu. Günther ist nach unseren Informationen ein fester Bestandteil der Entwicklungsarbeit des Teams von Jay Penske und sitzt auch in dieser Woche wieder bei geheimen Testfahrten hinter dem Lenkrad. Übrigens: Jose Maria Lopez' Zukunft ist ebenfalls noch nicht sicher. Der Argentinier bekam nach der Übernahme des Cockpits von Neel Jani nämlich nur einen Vertrag bis zum Saisonende vorgelegt, befindet sich aber schon seit einer Weile in Gesprächen mit dem Team…

Paffett bei HWA & Venturi im Gespräch

Auch im Kreise von Venturi und HWA werden die Karten neu gemischt. Felipe Massa wird das Erbe von einem der beiden aktuellen Fahrer antreten - so viel steht fest. Aktuelle Berichte legen zudem nahe, dass womöglich Maro Engel das Team verlassen könnte, um Teil des HWA-Einstiegs in der Formel E zu werden - vielleicht ja an der Seite von di Resta.

Mortara könnte womöglich für ein weiteres Jahr beim monegassischen Team ins Lenkrad greifen, ebenfalls zu HWA wechseln oder die Formel E sogar ganz verlassen. Schließlich sitzt auch er auf einem Schleudersitz, denn nach dem Rookie-Test im Januar scheint auch DTM-Ass und der aktuelle Tabellenführer Gary Paffett Blut geleckt zu haben. Beide könnten bei Venturi unterkommen - oder bei HWA.

Abgesehen von all diesen Gerüchten muss sich Mahindra womöglich ebenfalls zwei neue Fahrer suchen, sollten Nick Heidfeld und Felix Rosenqvist das Team tatsächlich verlassen. Erst in der letzten Woche testete das Langstrecken-Nachwuchs-Ass Pipo Derani für Mahindra. Mit Nico Prost ist ein weiterer guter Fahrer auf dem offenen Markt - und womöglich wechseln auch Oliver Turvey, Jose Maria Lopez und Alex Lynn noch einmal ihren Arbeitgeber. Fest steht nur, dass das große Stühlerücken der Formel-E-Sommerpause gerade erst begonnen hat. Wir können uns ganz sicher auf einige Überraschungen gefasst machen.

von Tobias Bluhm 

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