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Sternstunde der Briten: Das e-Formel.de Fahrer-Rating zum Diriyya E-Prix

Mit dem Diriyya E-Prix 2019 eröffnete die Formel E am vergangenen Wochenende ihre sechste Saison. Die beiden Rennen in Saudi-Arabien boten den Fans jede Menge Spannung. Wie unsere Redaktion die Piloten nach den ersten beiden Saisonläufen bewertet hat, stellen wir dir in unserer "Fahrer-Rating"-Serie vor.

Das Fahrer-Rating ist eng verwandt mit dem "e-Formel.de Power-Ranking" aus der vergangenen Saison. Wieder geht es in dieser Serie um eine Einschätzung und Benotung der Fahrer im Anschluss an jedes Rennwochenende. In der Saison 2019/20 haben wir jedoch das Punkte-System vereinfacht, um die Bewertung der Fahrer noch verständlicher zu gestalten.

Jeder Redakteur vergibt dazu nach einem E-Prix Punkte an seine Top-10-Fahrer des Wochenendes. 10 Punkte werden an den stärksten Piloten vergeben, 9 Punkte an den zweitbesten und so weiter. Zum besseren Verständnis errechnen wir zuletzt einen Durchschnitt aus allen Punkten und erhalten somit ein Fahrer-Rating zwischen 1 und 10 Punkten. Von einer Performance-Trend-Wertung der letzten drei Rennen, wie wir sie in der vergangenen Saison dargestellt haben, gibt es nicht mehr.

Für das Fahrer-Rating nach dem Diriyya E-Prix erhielten wir zudem wie immer Unterstützung von einem externen Medienkollegen. Diesmal hat uns Oliver Sittler, Kommentator der TV-Übertragung bei Eurosport in Deutschland, seine Top-10-Fahrer geschickt. Danke, Oli!

Platz 1 | 9.2 / 10 Punkte | Sam Bird, Envision Virgin Racing

Sam Bird präsentierte sich beim Saisonstart in Saudi-Arabien von seiner stärksten Seite. Der neuerdings bärtige Brite ist dank seines Siegs im Freitagsrennen der derzeit einzige Fahrer, der in jeder Formel-E-Saison ein Rennen gewinnen konnte. Und auch am Samstag, als die Strecke im Qualifying deutlich mehr Grip bot, war Bird auf einem guten Weg zu einem Top-3-Ergebnis. Letztlich durchkreuzte jedoch ein Unfall mit Mitch Evans (Jaguar) die Pläne vom Doppel-Podium von Bird: Beide kollidierten im Positionsduell in Kurve 4 - ausgerechnet dort, wo die Rennleitung am Vortag die Mauer auf der Innenseite der Kurve verschob, weil der neu verlegte Asphalt aufbrach.

Bei genauerer Betrachtung wirkt der Crash zunehmend wie ein Rennunfall, da sowohl Bird seinem Kontrahenten mehr Platz lassen als auch Evans frühzeitig hätte zurückziehen können. Rennleiter Scot Elkins ahndete den Crash mit einer Durchfahrtsstrafe für Evans. Bird dürfte dies wohl egal sein: Er beendete das Rennen wenige Kurven später (nach einem weiteren Kontakt mit Pascal Wehrlein) zwangsläufig an der Mauer.

Platz 2 | 9.0 / 10 Punkte | Alexander Sims, BMW i Andretti Motorsport

Der neueste Stern am Formel-E-Himmel ist 31 Jahre alt, trägt eine Brille, stammt aus London und heißt Alexander Sims. Der BMW-Fahrer machte in Diriyya genau dort weiter, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hatte und sicherte sich als erster Fahrer in der Formel-E-Geschichte drei Pole-Positions in Folge.

Hatte er am Freitag noch mit zu hohem Energieverbrauch zu kämpfen, holte er sich am Samstag nach einer beeindruckenden Fahrt seinen ersten Sieg in der Formel E. Schon in den ersten Kurven nach dem Rennstart war klar, welche Pace in Sims' BMW schlummerte. Die Coolness, mit der er das Feld im Anschluss auch durch drei Restarts nach Safety-Car- und Full-Course-Yellow-Phasen führte, beeindruckte. Man kann kaum anders, als sich für Sims zu freuen.

Platz 3 | 8.8 / 10 Punkte | Stoffel Vandoorne, Mercedes-Benz EQ

Mercedes' Einstand in der Formel E ist beachtlich: Zweimal fuhr Stoffel Vandoorne am ersten Rennwochenende für die "Silberpfeile" auf das Podium - auch wenn ihm am Samstag hierbei die Strafe gegen Maximilian Günther (BMW) half. Während sein Teamkollege Nyck de Vries von den in der Elektroserie üblichen "Rookie-Problemen" geplagt wurde, spielte Vandoorne an beiden Tagen seine ganze Erfahrung im Motorsport aus und brachte wichtige Punkte auf das Konto von Mercedes. Er ordnet sich in unserem Fahrer-Rating auf Platz 3 ein. In der Meisterschaft steht er nach den ersten zwei Saisonrennen auf Platz 2.

Platz 4 | 6.0 / 10 Punkte | Edoardo Mortara, ROKiT Venturi Racing

Dass in dieser Saison durchaus mit Venturi zu rechnen ist, unterstrich in Diriyya Edoardo Mortara. Im mit Mercedes-Power angetriebenen weiß-rot-schwarzen "Silver Arrow 01" erreichte der Schweizer in beiden Rennen die Punkteränge. Mortara fuhr unauffällig und fehlerfrei, aber trotzdem schnell. Nach den ersten zwei Rennen der Saison ist der Italo-Schweizer punktgleich mit Andre Lotterer und Lucas di Grassi Neunter in der Fahrermeisterschaft. Unsere Redaktion wählte ihn auf Platz 4 im Fahrer-Rating.

Platz 5 | 5.2 / 10 Punkte | Andre Lotterer, TAG Heuer Porsche

Während Neel Jani beim Einstand des Porsche-Werksteams Probleme hatte, bewies Andre Lotterer erneut, warum sein erster Sieg in der Formel E längst überfällig ist. Der Deutsche landete beim Auftakt der Zuffenhausener auf Platz 2. Am Samstag spülte ihn eine Durchfahrtsstrafe aus den Punkterängen, da er zu Beginn einer Safety-Car-Phase an Pascal Wehrlein vorbeigefahren war.

Dennoch: Die Art und Weise, in der Lotterer dem noch unerfahrenen Porsche-Team auf Anhieb ein Podium bescherte, verdient Lob und Anerkennung. Zumal der Antrieb seines Fahrzeugs bei Weitem noch nicht so ausgereift sein dürfte wie die Motoren von Audi, Nissan und Co. Seine Leistung in Diriyya wurde auch von unserer Redaktion wertgeschätzt.

Platz 6 | 4.4 / 10 Punkte | Oliver Rowland, Nissan e.dams

Insbesondere am Samstag tobte das Chaos um ihn, doch Oliver Rowland bewies in Saudi-Arabien erneut Nerven wie Drahtseile. Selbst der gefährlich auf die Strecke zurückkehrende Sebastien Buemi hielt den Briten nicht davon ab, in Diriyya zweimal in die Top 10 zu fahren und dabei zweistellig an Positionen aufzuholen. Nahezu unbemerkt von der TV-Regie beendete Rowland das Auftaktwochenende der Saison auf den Plätzen 4 und 5.

Platz 7 | 3.8 / 10 Punkte | Lucas di Grassi, Audi Sport ABT Schaeffler

In der Pressekonferenz nach dem Samstagsrennen erklärte Lucas di Grassi, dass das Team in der Nacht zwischen beiden E-Prix "das Auto auf den Kopf stellen musste", um das Setup für den zweiten Renntag abzustimmen. Und siehe da: Nach einem mittelprächtigen 13. Platz am Freitag erreichte der Brasilianer am Samstag die zweite Position. Mit di Grassi ist auch in dieser Saison zu rechnen. Im Fahrer-Rating reiht er sich auf Platz 6 ein.

Platz 8 | 2.4 / 10 Punkte | Oliver Turvey, Nio 333

Oliver Turvey ist so etwas wie der Nico Hülkenberg der Formel E. Zwar stand der Brite in der Elektroserie - ganz im Gegensatz zum "Hulk" in der Formel 1 - bereits einmal auf dem Podium. Beide eint jedoch ihr ausgewiesenes fahrerisches Talent, das sie aufgrund von unzureichendem technischem Equipment bislang nie wirklich unter Beweis stellen konnten.

Umso größer war die Überraschung, als Turvey am Samstag seinen sonst zu langsamen Nio-Renner auf einem überragenden achten Platz über den Zielstrich schleppte. Nach dem Rennen jedoch die Hiobsbotschaft: Disqualifikation! Turvey hatte minimal zu viel Energie verbraucht. Durch den im Sommer eingeführten Energieabzug bei Safety-Car- und Full-Course-Yellow-Phasen hätten die Fahrer nur 40 kWh verbrauchen dürfen. Turvey nutzte jedoch 40,04 kWh. Ein bitterer Fauxpas, denn Nio könnte in dieser Saison womöglich nur noch unter besonderen Umständen an den Punkten schnuppern…

Platz 9 | 2.0 / 10 Punkte | Maximilian Günther, BMW i Andretti Motorsport

Maximilian Günther wird mit gemischten Gefühlen auf sein erstes BMW-Rennwochenende zurückblicken. Dem hochgehandelten Deutschen machte - nach einem nur mittelmäßigen Freitag - eine Strafe wegen des Strompedal-Mappings im ersten Saisonrennen einen Strich durch die Rechnung. Am Samstag fuhr er dann etwas schneller, wurde aber aufgrund eines Fehlers bestraft, als er Vandoorne und di Grassi hinter dem Safety-Car überholte. Für den respektablen Einstand bei den Münchenern schaffte Günther es dennoch in die Top 10 unseres Fahrer-Ratings.

Platz 10 | 1.4 / 10 Punkte | Jerome d'Ambrosio, Mahindra Racing

Nach den ersten zwei Saisonrennen bleibt bei Jerome d'Ambrosio der fade Nachgeschmack von "Hätte, wäre, wenn…". Als einziger Fahrer neben Alexander Sims schaffte er es zweimal in die Super-Pole. D'Ambrosio schlug dabei auch seinen Teamkollegen Pascal Wehrlein, der als Qualifying-Spezialist gilt, doppelt und deutlich. Am Freitag zeigte er ein gutes Rennen, samstags verhinderte dann die streikende Technik kurz vor dem Start ein weiteres Punkteergebnis. Dennoch: Die Leistung des Belgiers macht zuversichtlich für den Rest der Saison.

Foto: Lou Johnson / Spacesuit Media

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