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Technologie-Durchbruch: nanoFlowcell plant Flusszellen-Auto für Formel E

Die Formel E könnte vor dem nächsten technologischen Durchbruch stehen. Laut Medienberichten befindet sich die Elektroserie derzeit in Verhandlungsgesprächen mit nanoFlowcell, einem Liechtensteiner Batteriehersteller, um ein mit Flusszellen-Batterien angetriebenes Formel-E-Auto zu bauen. Die Flusszelle könnte in Zukunft die Lithium-Ionen-Akkus der Formel E ablösen. Bereits in Saison fünf (2018/19) soll der erste Prototyp im Rahmen der Formel-E-Rennen auf die Strecke gehen.

Laut 'AutoMobilSport' ist nanoFlowcell vor mehreren Monaten auf die Elektroserie zugekommen, um als Hersteller ein eigenes Fahrzeug und Batteriekonzept in die Formel E zu bringen. In welchem Umfang das Engagement realisiert wird, steht offenbar noch nicht fest. Möglich sei die Erschaffung einer neuen Kategorie für Flusszellen-Batterien, ähnlich wie die "Garage 56" in Le Mans für experimentelle Autos.

Während die bereits eingeschriebenen Formel-E-Teams zwischen 2018 und 2022 mit neuen 54-kWh-Batterien von McLaren an den Start gehen werden, könnte nanoFlowcell die eigenen Flusszellen-Akkus im kompetitiven Umfeld der Formel E optimieren, ehe ab der neunten Saison das Entwicklungsverbot für Batterien aufgehoben werden könnte. Die Rennställe hätten dann eine Auswahl an Batterieherstellern, die ihre eigenen Akkukonzepte im Rahmen bestimmter Vorgaben auf die Rennstrecke bringen können.

Lithium-Ionen vs. Flusszelle: "Möge die bessere Technologie gewinnen!"

Seit mehreren Jahren gelten Flusszellen-Batterien als vielversprechende Alternative zu den teuren Lithium-Ionen-Akkus, die bisher auch in der Formel E verwendet werden. Mit der QUANT-48VOLT-Sportlimousine schaffte es nanoFlowcell im Frühjahr 2014 erstmals in die Schlagzeilen der internationalen Presse: Bei einer beeindruckenden Reichweite von 1.000 Kilometern schaffte es der Sportwagen nicht nur in 2,4 Sekunden auf 100 km/h, sondern erreichte laut Hersteller auch eine Spitzengeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde.

Es wird davon ausgegangen, dass das Flusszellen-Formel-E-Auto von nanoFlowcell auf dem QUANT-Flitzer basieren wird: "Wir haben unser Straßenmodell fast perfektioniert und sind sicher, dass Flusszellen den Lithium-Ionen-Akkus, die derzeit im Motorsport eingesetzt werden, überlegen sind", sagt Nunzio La Vecchia, Geschäftsführer von nanoFlowcell. "Wir scheuen uns nicht vor dem Wettbewerb in der Formel E."

La Vecchia fügt an: "In der Formel E können wir unsere Technologie auf der internationalen Bühne bewerben und zeigen, dass Flusszellen eine sichere Lösung für die Zukunft auf der Straße und im Motorsport sind. Wir hoffen, dass die FIA unserem Vorschlag zustimmt. Möge die bessere Technologie gewinnen!"

Energiegewinnung direkt an Bord

Die größte Besonderheit am nanoFlowcell-Konzept: die Energiegewinnung. Statt auf die herkömmliche Batterie-Technik der Formel E, bei der die Fahrzeuge mit Strom aus "der Steckdose" geladen werden, setzt das Start-up beim QUANT-48VOLT auf Tanks, in denen Elektrolyt-Flüssigkeiten gespeichert werden, die jeweils positiv und negativ geladen sind. Diese Elektrolyte zirkulieren in getrennten Kreisläufen, wobei durch den Ionenaustausch nach dem Prinzip der galvanischen Zelle Strom entsteht.

Nachdem nanoFlowcell am Dienstagvormittag eine erste Pressemitteilung herausgab, könnte in den kommenden Wochen ebenfalls ein Statement der Formel E folgen. Ob wir die futuristische Flusszellen-Technologie womöglich schon ab Saison fünf auf der Strecke erleben können, bleibt bis dahin offen. Wir bleiben gespannt!

von Tobias Bluhm 

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Kommentar von Thorsten |

Ein grundsätzliches interessantes Konzept, wie ich finde.
Jedoch ist es übertrieben schon von einer möglichen Ablösung zu spekulieren, wo - meines Wissens nach - die Reichweite des "Quant 48 Volt" noch nicht von einem unabhängigen Journalisten auch nur annähernd überprüft werden konnte (es gab bis dato nur eine kurze Probefahrt auf dem Firmengelände für eine handvoll Journalisten mit gedrosseltem Wagen und allerlei Geheimhaltung). Von einer "beeindruckenden Reichweite von 1.000 Kilometern" und einer Beschleunigung in unter 2,5s würde ich erst dann berichten, wenn diese Werte wirklich mal überprüft oder wenigstens gezeigt werden! Und das gilt bisher für ALLE "nanoFlowcell" KONZEPTE (was diese bis jetzt auch geblieben sind).

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