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Überflutungen in Indonesien: Boykott-Aufruf für geplantes Formel-E-Rennen in Jakarta

Die indonesische Hauptstadt Jakarta wurde von den schwersten Überflutungen seit mehreren Jahren getroffen. Mindestens 21 Menschen sind bislang durch extreme Wetterverhältnisse, Erdrutsche und Hochwasser am Neujahrstag ums Leben gekommen, Zehntausende mussten ihre Häuser verlassen. Zeitgleich formiert sich Widerstand gegen das geplante Formel-E-Rennen.

Hintergrund der Boykott-Forderungen sind Kürzungen des Haushalts für Hochwasserprävention. In unzähligen Social-Media-Beiträgen unter dem Hashtag #ShameOnYouFormulaEJakarta wurde Anies Baswedan, der Gouverneur der indonesischen Hauptstadt, am Donnerstag beinahe im Sekundentakt für eine folgenschwere Kürzung des regionalen Budgets für Hochwasserschutz verantwortlich gemacht. Zum Boykott aufgerufen hatte der indonesische Autor Rudi Valinka Kurawa, der via Twitter rund 330.000 Follower mobilisierte und die Bewegung unter dem genannten Hashtag in Gang setzte. 

Gouverneur Baswedan strich seit August 2018 umgerechnet 47,6 Millionen Euro aus einem Fond für Hochwasserschutz, um Lücken im Haushalt Jakartas zu decken. Die Gelder waren ursprünglich für die Umleitung von Flüssen, den Bau von Kanälen und die Sanierung von unterirdischen Wasserleitungssystemen gedacht. Baswedans aktueller Finanzplan sieht jedoch auch vor, dass dem geplanten Formel-E-Rennen am 6. Juni 2020 umgerechnet 49,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen sollen.

Oppositionelle fordern mit Blick auf die Überschwemmungen nun eine Absage des Rennens und proklamieren einen direkten Zusammenhang zwischen den gekürzten Investitionen und dem vergleichsweise großen Budget für den Jakarta E-Prix. Sie machen die Formel E in Teilen für den Abzug der Gelder aus dem Katastrophenschutz-Fond verantwortlich. Ob Baswedan tatsächlich Teile des Hochwasserschutz-Haushalts für die Formel E abzog, ist jedoch fraglich.

"Brauchen wir die Formel E wirklich in Jakarta? Nein, wir müssen unsere Stadt aufbauen, bevor sie versinkt - bevor es zu spät ist", sagt ein Nutzer auf Twitter. "Wir brauchen dringend die Mittel, um (die Stadt) aufzubauen und weitere verheerende Überflutungen zu verhindern. Sagt das Formel-E-Rennen ab!", fordert ein anderer User. Ob das in einem halben Jahr angesetzte Rennen tatsächlich durch die Naturkatastrophe und den aktuellen Aufruhr ins Wanken gerät, bleibt abzuwarten. Auf Anfrage von 'e-Formel.de' erklärte ein Pressesprecher der Formel E, man beobachte die Situation genau.

Präsident macht fehlenden Hochwasserschutz verantwortlich

Indonesiens Staatspräsident Joko Widodo machte in einem Tweet ebenfalls Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten im Hochwasserschutz für die Überschwemmungen verantwortlich. Einige Projekte seien seit 2017 aufgrund von Problemen beim Landerwerb verzögert worden, schreibt er.

In der Metropolregion Jakartas leben rund 30 Millionen Einwohner. Weil Grundwasser illegal abgepumpt wird, sinkt die Stadt Jahr für Jahr ab. Durch den Klimawandel treten zudem verstärkt Extremwetter wie Monsunregen oder Erdrutsche auf - auf diese Umstände will die Formel E eigentlich aufmerksam machen. Erst im August hatte Präsident Widodo Pläne angekündigt, um die Hauptstadt auf die Insel Borneo zu verlegen.

von Tobias Bluhm  

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