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Underdogs mit neuem Besitzer - Nio 333 FE Team

Im zweiten Teil unserer großen Teamvorstellungsrunde auf e-Formel.de geht es heute um einen chinesischen Rennstall, der nicht nur eine Fahrermeisterschaft gewinnen konnte, sondern auch schon diverse Umbenennungen hinter sich hat: das Nio 333 FE Team.

Das Team mit Sitz in Shanghai geht bereits seit der ersten Formel-E-Saison an den Start, jedoch mit unterschiedlichen Namen: China Racing, NextEV TCR, NextEV Nio, Nio Formula E Team und schließlich Nio 333 FE Team. Von 2015 bis Sommer 2019 gehörte der Rennstall dem chinesischen Elektroauto-Start-up Nio und fungierte als Werksteam, wurde dann aber von der chinesische Firma Lisheng Racing gekauft. Die Debütsaison 2014/15 war für den Rennstall zugleich die erfolgreichste mit Platz 4 in der Teamwertung, während Nelson Piquet jr. sogar den Fahrertitel gewann. Die Position des Teamchefs hat inzwischen Christian Silk inne.

Silk arbeitet seit Februar 2017 für das Team, zunächst als Chef-Renningenieur. Zuvor war er sehr lange in der Formel 1 aktiv: Nach seinem Fahrzeugbau-Studium an der Loughborough University begann er 1988 seine Karriere bei Benetton, wo er in verschiedenen Ingenieur-Positionen tätig war: Forschung & Entwicklung, Telemetrie, Datenanalyse und als Renningenieur für Gerhard Berger, Jean Alesi und Alexander Wurz. 14 Jahre lang arbeitete er für Benetton und wurde 2002, nach der Übernahme des Teams durch Renault, Leiter des Testteams. Zu diesem Zeitpunkt durften die Formel-1-Teams noch unbegrenzt Testfahrten betreiben, sodass die größeren Teams komplette Mannschaften nur für diesen Zweck hatten.

2009 wechselte Silk zum neugegründeten Formel-1-Team Manor Racing, wo er als Projektmanager den Einstieg zur Saison 2010 vorbereitete. Nach der Insolvenz des zwischenzeitlich in Virgin Racing und dann Marussia umbenannten Teams ging er im Dezember 2014 zum Formel-1-Team von Williams, wo er zwei Jahre als Engineering Project Manager arbeitete. Neben seiner Position als Teamchef ist Silk auch Technischer Direktor des Teams.

Nio 333 setzt in der fünften Formel-E-Saison den selbstentwickelten Nio FE-005 ein. Das Wort "selbstentwickelt" ist hier jedoch mit Vorsicht zu genießen. Denn nachdem es bei den privaten Testfahrten in Vorbereitung auf Saison 6 zu massiven Problemen mit dem eigenen Motor kam, entschied sich das Team dazu, auf Elektromotoren und Inverter von Dragon zurückzugreifen. Diese sind jedoch technisch auf dem Stand des Vorjahres, was möglicherweise eine Erklärung dafür ist, dass Nio bei den Vorsaison-Testfahrten äußerst schwach abschnitt. Das Fahrzeug ist von oben türkis lackiert, an der seitlichen Frontpartie weiß. Die Seitenkästen sind Dunkelblau.

Fotos: Nio & Shivraj Gohil, Lou Johnson / Spacesuit Media

Für Nio werden in der neuen Saison zwei Fahrer mit Formel-E-Erfahrung ins Steuer greifen. Oliver Turvey bestreitet bereits seine vierte volle Saison für das Team. Ihm zur Seite steht mit Ma Qing Hua ein alter Bekannter. Nach zwei Saisons als Test- und Ersatzfahrer tritt der Chinese nun als Stammfahrer des Teams an.

Oliver Turvey (#3, Großbritannien)

Oliver Turvey ist die große fahrerische Konstante bei Nio. Der 32-jährige Brite tritt bereits seit dem London E-Prix der ersten Saison für das Team an. Die einzige Ausnahme seitdem waren die beiden Rennen in New York City im Juli 2018, weil er sich bei einem Unfall im Freien Training die Hand gebrochen hatte, sodass Nio ihn durch seinen jetzigen Teamkollegen Ma ersetzen musste. Sein größter Erfolg in der Formel E war der zweite Platz in Mexiko-Stadt 2018. Diese Strecke scheint ihm zu liegen: Bereits 2017 hatte Turvey hier seine erste und einzige Pole-Position in der elektrischen Rennserie erzielt.

Turveys Karriere im Formelsport begann 2003, nachdem er zuvor zwei nationale Kart-Meisterschaften gewonnen hatte. Drei Jahre später feierte er die ersten größeren Erfolge: Er wurde Vizemeister in der Britischen Formel BMW und gewann den "McLaren Autosport BRDC Award". Über den Formel Renault 2.0 Eurocup ging es für ihn in die Britische Formel-3-Meisterschaft, wo er erneut Vizemeister wurde. Es folgte die Formel Renault 3.5, außerdem wurde Turvey Testfahrer bei McLaren. Anschließend wechselte er in die GP2, konnte das notwendige Budget jedoch nur für ein Jahr aufbringen. Daher konzentrierte er sich auf seinen Job als McLaren-Testfahrer und trat gelegentlich bei Langstreckenrennen an. 2015 gelang ihm hier der LMP2-Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Zudem bestritt er Rennen in der Japanischen Super GT. Turvey hat einen Abschluss in Ingenieurswesen an der University of Cambridge erzielt.

Oliver Turveys Statistik in der Formel E:

  • 47 Rennen
  • 94 Punkte
  • 0 Siege
  • 1 Podium
  • 1 Pole-Position
  • 0 Schnellste Rennrunden
  • 4 FANBOOSTs

Ma Qing Hua (#33, China)

Der 31-jährige Ma, Sohn eines Kartbahn-Besitzers in Shanghai, begann seine Formelsport-Karriere 2005 in der Asiatischen Formel Renault Challenge. Er wechselte im Anschluss in diverse Meisterschaften, darunter die Italienische Formel 3000, die A1-Grand-Prix-Serie, die Spanische Formel 3, die Britische Formel 3 und die Superleague Formula, ohne hier jedoch Siege oder gar Meisterschaften zu feiern.

Dennoch wurde er 2012 Testfahrer beim Formel-1-Team HRT und nach der Insolvenz des Teams bei Caterham. Parallel bestritt er Tourenwagenrennen und wurde mit den ersten drei Siegen in seiner Motorsportkarriere Meister in der 1600-Kubikzentimeterklasse der Chinesischen Tourenwagenmeisterschaft (CTCC). Es folgte der Aufstieg in die Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC), wo er am Steuer des überlegenen Citroen C-Elysee WTCC zwei Siege feiern konnte.

Anschließend wechselte er in die Formel E, wo er Rennen für Aguri und Techeetah bestritt, allerdings erfolglos blieb. 2017 wurde Ma Ersatzfahrer bei Nio und kam bei zwei Rennen zum Einsatz, als er in Paris Luca Filippi und in New York City dann den verletzten Turvey vertrat. Parallel bestritt er wieder Tourenwagenrennen und gewann 2019 im World Touring Car Cup ein Rennen auf dem Slovakiaring.

Ma Qing Huas Statistik in der Formel E:

  • 9 Rennen
  • 0 Punkte
  • 0 Siege
  • 0 Podien
  • 0 Pole-Positions
  • 0 Schnellste Rennrunden
  • 0 FANBOOSTs

Verpasse nicht den nächsten Teil der großen Teamvorstellungsreihe auf e-Formel.de - in ein paar Tagen liest du hier alles über das Mercedes-Benz EQ Formula E Team.

von Tobias Wirtz 

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