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Vandoorne rechnet mit F1 & McLaren ab: "Eine Fake-Welt, in der man sich behaupten muss"

Mercedes' Formel-E-Fahrer Stoffel Vandoorne blickt mit gemischten Gefühlen auf seine Zeit in der Formel 1 zurück. Im Interview mit dem 'Sport/Voetbalmagazine' rechnet der Belgier nun mit der "Fake-Welt" in der "Königsklasse" ab und beschuldigt sein ehemaliges Team McLaren, ihn zu wenig unterstützt zu haben.

Vandoorne fuhr vor seiner Zeit in der Formel E in den Saisons 2017 und 2018 für McLaren in der Formel 1. An der Seite von Fernando Alonso erreichte er bei 41 Grand-Prix-Starts mehrmals die Punkteränge, kam jedoch nie über Platz 16 im Gesamtstand der Fahrer hinaus. In beiden Jahren unterlag er seinem deutlich erfahreneren Teamkollegen knapp.

"Ich hatte nie Probleme mit ihm", sagt Vandoorne rückblickend über den Spanier, "aber er bekam immer, was er wollte. Es gab zwei oder drei wichtige Leute im Team, die dafür gesorgt haben, dass alles so lief, wie Fernando es wollte. Er hat alle Unterstützung und allen Einfluss bekommen. Mit diesem zusätzlichen Support hätte wohl jeder Fahrer seinen Teamkollegen geschlagen."

"Auf dem Papier war ich nie vor Alonso, aber von all seinen Teamkollegen war ich am nächsten dran. Das war ganz eng. McLaren hat mir zwar nie gesagt, dass ich nicht vor ihm ins Ziel fahren darf. Aber im Rennen wollten sie, dass ich ihn vorbeilasse. Das ist fast immer passiert."

"Eine Fake-Welt, in der man sich behaupten muss"

Und auch mit der Formel 1 hat der Belgier noch eine Rechnung offen. "Sie ist eine Fake-Welt, in der jeder gut miteinander auskommt, man letztlich aber immer seine eigenen Interessen verteidigen muss", behauptet Vandoorne. "In der Formel E, Le Mans oder der WEC findet man noch pures Racing. Dort fährt man, um Rennen zu fahren, nicht um Politik zu betreiben."

In der Elektroserie fühlt sich der 27-Jährige deutlich wohler. "Natürlich bleibt die Formel 1 die größte Meisterschaft, aber die Formel E kommt direkt danach. Sie ist eine der kompetitivsten Meisterschaften, in der ich je gestartet bin. Viele Formel-E-Fahrer haben Erfahrungen in der Formel 1 und selbst die, die diese Erfahrungen nicht haben, hätten sich dort gut geschlagen. Sie ist die Zukunft. Deshalb verpflichten sich auch mehr und mehr Hersteller in dieser Serie", schlussfolgert er.

In den ersten zwei Rennen der Formel-E-Saison 2019/20 erreichte Vandoorne zweimal das Podium. Mercedes führt dadurch im Gesamtstand der Teams mit einem knappen Vorsprung vor Envision Virgin Racing. Vandoorne ist in der Fahrerwertung hinter Alexander Sims (BMW) Zweiter.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Tobias Bluhm  

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Kommentar von Trockensumpfpumpe |

Vandoorne hätte in der Formel 1 mit Sicherheit mehr reißen können, wenn er nicht gerade Alonso als Teamkollegen und mit McLaren einen zu dem Zeitpunkt extrem unzuverlässigen Partner gehabt hätte. Dort ging ja in den Jahren 2015-18 alles drunter und drüber, zudem erhärtet sich mit der Zeit leider immer mehr der Verdacht, dass Alonso einen eher toxischen Einfluss auf das Team hatte.
Dass Vandoorne dann nirgendwo mehr unterkam, lag eben auch an einem Problem, das zur Zeit die komplette Formel 1 betrifft. Es ist einfach nahezu unmöglich, als Fahrer noch verhältnismäßig unabhängig zu sein. Du musst dich bereits früh in der Karriere einem bestimmten Team oder Hersteller verschreiben und wenn deine Zeit dort abläuft, kommst du nirgendwo mehr an.
Hoffen wir, dass die Formel E in Zukunft nicht von ähnlichen Problemen betroffen sein wird.

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