Günther-Face-Diriyah-Helmet-BMW

Zeitstrafe! Maximilian Günther verliert Podium von Diriyya

Paukenschlag in der Formel E: Mehrere Stunden nach dem Ende des Diriyya E-Prix 2019 wurde nachträglich eine Zeitstrafe gegen Maximilian Günther ausgesprochen. Als Grund gaben die Rennkommissare in einer schriftlichen Erklärung ein unerlaubtes Überholmanöver während der ersten Safety-Car-Phase im Samstagsrennen von Saudi-Arabien an.

Der Deutsche verliert demnach seinen zweiten Platz und die damit verbundenen 18 Punkte, wodurch er auch den sechsten Rang in der Fahrermeisterschaft verlor. In den korrigierten Ergebnistabellen wird Günther jetzt nur noch als Elfter gewertet. Stattdessen ist Lucas di Grassi neuer Zweiter des zweiten Saisonlaufs, Vandoorne rückte - wie schon am Freitag - aufs theoretische Podium auf.

Der Bestrafung war eine Untersuchung vorausgegangen, die erst in den Abendstunden in Diriyya beendet wurde. Die FIA belegte Günther für ein Vergehen "gegen Artikel 38.8 des Sportlichen Regelwerks" mit einer nachträglichen Durchfahrtsstrafe, die in eine 24-sekündige Zeitstrafe umgewandelt wurde. Zudem erhielt er drei Strafpunkte.

Zuvor hatte der BMW-Neuzugang in Diriyya von einem kontroversen Neustart zum Ende der ersten Safety-Car-Phase profitiert, bei dem er sowohl Stoffel Vandoorne (Mercedes) als auch Lucas di Grassi (Audi) überholte. Di Grassi fuhr dabei durch die Attack-Zone in Kurve 19, als Günther und Vandoorne durchschlüpften. Während der Belgier seinen Audi-Rivalen wenige Meter später passieren ließ, behielt Günther bis zum Ende des Rennens den gewonnenen zweiten Platz.

Gleiche Strafe für Nyck de Vries &  Ma Qing Hua

Auch Nyck de Vries (Mercedes) und Ma Qing Hua (Nio) wurden für unerlaubtes Überholen hinter dem Safety-Car bestraft. De Vries ging in einer ähnlichen Situation an Oliver Turvey vorbei, Ma überholte mit James Calado, Brendon Hartley, Neel Jani und de Vries unerlaubterweise sogar vier Fahrzeuge. Robin Frijns und Andre Lotterer überholten ebenfalls hinter dem Safety-Car und wurden mit der gleichen 24-Sekunden-Zeitstrafe belegt.

Durch die Strafen rückte unter anderem Brendon Hartley in die Top 10 vor und holte damit die ersten Punkte der Saison für Dragon. Auch die anderen in den Top 10 platzierten Piloten - bis auf Sieger Alex Sims - rückten mindestens eine Position auf. Vor dem Santiago E-Prix übernahm damit Mercedes die Führung in der Teamwertung der Formel E! Das nächste Rennen in Chile findet am 18. Januar 2020 statt.

>>> zum aktualisierten Rennergebnis des Diriyya E-Prix
>>> zum Gesamtstand der Formel E (Fahrer & Teams)

Foto: BMW Motorsport

von Tobias Bluhm 

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Tom |

Ab wann genau darf man denn nach einer Safety-Car-Phase überholen?

Kommentar von Tobias Wirtz |

Das steht im Sportlichen Regelwerk der Formel E. Paragraph 38 regelt die Vorschriften bei einer Safety-Car-Phase.

In Punkt 8 heißt es da:
... no Driver may overtake another car on the track, including the Safety Car, until he passes the control/finish line for the first time when the Safety Car is returning to the pits.

Auf deutsch übersetzt bedeutet das, dass erst ab der Ziellinie überholt werden darf.

Ich werde darüber in der nächsten Folge (Episode 135) unseres Formel-E-Podcasts ePod noch etwas ausführlicher erzählen. Du findest den ab Mitte der kommenden Woche hier: https://www.e-formel.de/podcast.html

Kommentar von Peschi |

Die Attack Zone vor der SC Linie zu platzieren war etwas unglücklich. Ansonsten halt wieder ein typisches FE Rennen :).

Ich habe dieses Wochenende hier eine neue Rubrik für mich entdeckt: "Aktuelle Kurzmeldungen" -> "Diriyya E-Prix: Alle Strafen im Überblick".

Kann ich allen nur ans Herz legen xD.

Kommentar von Derbe_klopp_te |

Das ist ja an lächerlichkeit kaum noch zu überbieten.
Wenn er tatsächlich dafür bestraft wird, dass er Di Grassi in der 2. SC Phase überholt hat, weil dieser in die Attack-Zone gefahren ist. So ist er erstens für dasselbe vergehen nochmal zu bestrafen, weil er dasselbe in der ersten SC-Phase gemacht hat und zwetens ist VAndoorne für dieselben zwei vergehen auch zweimal zu bestrafen. Er hat den Platz nichtzurückgegeben sondern wurde knapp eine Runde später von Di grassi auf der Strecke überholt!!!

Kommentar von Tobias Bluhm |

Hi Derbe_klopp_te! Du hast vollkommen Recht, eine Strafe für den zweiten SC-Restart wäre vollkommen unangebracht gewesen. Tatsächlich handelte es sich um den ersten Neustart - ein Fehler im Text, der mir anfänglich nicht aufgefallen ist. Ich habe die entsprechenden Passagen korrigiert, danke für deinen Hinweis.

Kommentar von Marc |

Wer soll da noch durchblicken? Wie kann es sein dass das Überholverbot vom SC noch gilt, man aber den AttackMode schon aktivieren darf (was ja seit dieser Saison unter SC nicht erlaubt ist)? Das Resultat dieser Situation ist das ein Fahrer abbremsen muss wenn sich der vorherige den AM aktiviert (Wie DAC) . Ist das Sinn der Sache? Wenn Überholverbot bis zur SC Linie gilt und die AM Zone davor liegt, dann sollte klar sein dass man ihn noch nicht benutzen darf, oder? Demnach müssten alle bestraft werden die ihn aktiviert haben, und nicht die die einfach die normale Linie gefahren sind!
Die Regeln sind so kompliziert, nichtmal die Fahrer wissen was sie dürfen und was nicht. Ich bin FE Fan der ersten Stunde aber so kann es auch nicht weiter gehen

Kommentar von Tom |

Ich habe mir das ganze jetzt noch einmal angeschaut:
Das Safety-Car ist nach der Startlinie in die Box gefahren. Grüne Flaggen wurden geschwenkt, der Attackmode durfte also aktiviert werden. Das Überholverbot galt allerdings noch bis zur Ziellinie.
Da Costa hat also alles richtig gemacht und Günther hätte di Grassi nicht vor der Ziellinie überholen dürfen.

Kommentar von Marc |

@Tom du hast vollkommen recht, wenn man jede Regel einzeln betrachtet hat DAC alles richtig gemacht und Günther usw einen Fehler. Allerdings entzieht es sich meiner Meinung nach jeglicher Logik, da die Fahrer: a) nicht die Absicht hatten zu überholen, die Vorherfahrenden aber den weiteren Weg genommen haben und dadurch der Hintermann automatisch vorbei kommt bei konstanter Geschwindigkeit. Und b) ist einkalkuliert dass das aktivieren des AM einen Nachteil mit sich bringen soll. Um das beizubehalten wurde extra die Aktivierung unter SC/FCY verboten. Es entzieht sich dann jeglicher Logik warum ein Fahrer abbremsen muss um keine Strafe zu bekommen. Daher sollte der AM erst bei kompletter Rennfreigabe wieder aktiviert werden dürfen. Das wurde von den Verantwortlichen vorher wohl nicht bedacht. Es ist auch wieder auf ein typisches FE Problem zurückzuführen (Boxeneinfahrt/ Start / Ziellinie sind nicht wie auf einer Permanenten Rennstrecke völlig unterschiedlich angeordnet. Das hat schon letzte Saison in Bern zu vielen Diskussionen geführt.

Kommentar von Tobias Wirtz |

Ein kurzer Hinweis von mir: Zwischen der Attack-Zone und der Ziellinie werden die Positionen der Fahrer nicht erfasst. Ich kann verstehen, dass die Rennleitung ein versehentliches Überholen eines Fahrers, der den langen Weg nimmt, nicht ahndet, wenn die Position (wie bei Felix da Costa oder Vandoorne) zurückgegeben wird.

Und das hat Günther definitiv nicht getan, er ist ganz eindeutig an Vandoorne und di Grassi vorbeigefahren. Hier eine Aufnahme aus der Zufahrt zur Zielkurve, man sieht ganz eindeutig, dass Vandoorne wieder hinter di Grassi fährt, während Günther davor im Getriebe von Felix da Costa hängt.

@Derbe_klopp_te: Der zweite von dir genannte Vorfall war nicht nach einer Safety-Car-Phase, sondern nach der Full-Course-Yellow! Hier gilt die Regel mit dem Überholverbot bis zur Ziellinie nicht, man darf sofort wieder überholen.

Kommentar von Derbe_klopp_te |

Danke Tobias und Tobias.
Ich habe mir die schlüsslstellen des 2. REnnens nochmal angeschaut zdf-sei-dank.
Kann die ein oder andere entscheidung besser verstehen. Allgemein war aber die Attack-Zone an einem sehr ungünstigen Platz gelegen und daraus haben sich kontroversen entwickelt, die die Veranstalter demnächst klarer Formulieren sollten.
Ein bisschen fehlt mir auch das Fingerspitzengefühl der Rennleitung.
- Causa Massa, wieso dauert das so lange,
- Causa Günther, kann man das nicht schon im Rennen ausbügeln und ihm sagen, er muss beide plätze zurückgeben um eine Strafe zu entgehen,
- Causa Lotterer, dieselbe vorgehensweise
- Causa Evans/Bird, einfacher REnnunfall ohne Strafe

Kommentar von Tobias Wirtz |

Ich bin in sämtlichen Punkten vollkommen deiner Meinung!

Kommentar von EffEll |

Tatsächlich wurde im englischen Kommentar sofort bemerkt, dass Günther durch die Überholvorgänge bestraft werden wird. Ich selbst hielt das erst noch für einen Fehler. Jedoch war ich dadurch nach der Verkündung nicht mehr so überrascht

NEUESTE NACHRICHTEN

Jean-Eric-Vergne-DS-Techeetah-Diriyah-E-Prix-2019

Formel E: Vergne plädiert erneut für Fusion mit F1, Chase Carey widerspricht

Seit Jahren taucht in der Diskussion über die Zukunft der Formel 1 immer wieder auch die Frage auf, ob die "Königsklasse" einer Elektrifizierung überhaupt noch aus dem Weg gehen kann. ...
von Tobias Bluhm
Roborace-2019

Prof. Mauro Pezze im Roborace-Interview: "Stehen noch am Anfang"

Mauro Pezze ist Professor für Softwareentwicklung am Schaffhausen Institute für Technology (SIT) und der Universita della Svizzera italiana in Lugano. Beim SIT baut er gerade das Forschungsteam für den Lehrstuhl ...
von Tobias Wirtz
Alejandro-Agag-Chairman-Formula-E

Agag erwägt Wasserstoff & Superkondensatoren für Formel E: "Wir prüfen jede Alternative"

Die Formel E ist die Speerspitze des globalen elektrischen Motorsports. Bislang stand das batterieelektrsiche Antriebskonzept der E-Rennwagen nie ernsthaft zur Debatte, wenngleich vereinzelte Stimmen für einen Brennstoffzellen-Antrieb lauter werden - ...
von Timo Pape
Nissan-Formula-E-Car-Saudi-Arabia

Formel-E-CEO Jamie Reigle: Brasilien & Japan Kandidaten für künftigen Rennkalender

Die sechste Saison der Formel E wartet mit neuen Rennen in Seoul, Jakarta und London auf. Doch auch für die Zukunft hat die Elektroserie große Pläne: Formel-E-Geschäftsführer Jamie Reigle möchte ...
von Svenja König